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Stadtwerke Gunzenhausen ziehen Bilanz: Geschlossene Bäder, wenig Fahrgäste

Pandemie wirkt sich bei den Stadtwerken in allen Bereichen aus - 18.02.2021 06:03 Uhr

Der Abstand ist gewahrt und eine Scheibe trennt die beiden: Stadtwerke-Mitarbeiterin Jana Muttscheller bedient einen Kunden am eigens eingerichteten Serviceschalter. Hier sind während der Corona-Einschränkungen notwendige Erledigungen möglich.

16.02.2021


Hier können auch ohne Termin notwendige Dinge erledigt werden, etwa Verträge unterschrieben, Bareinzahlungen geleistet oder Fahrkarten gekauft werden. Wurden diese Angelegenheiten im ersten Lockdown noch über ein Straßenfenster möglichst kontaktlos abgewickelt, wurde seit den erneuten Einschränkungen eine bessere Lösung unter dem Dach des Windfangs gefunden, so Dücker. Vieles läuft aber momentan telefonisch ab, der Publikumsverkehr ist deutlich weniger geworden.

Im Haus selbst hat sich ebenfalls einiges geändert: Maske, Abstand und Desinfektionsmittel prägen hier seit fast einem Jahr das Bild. Besprechungen finden überwiegend als Videokonferenz statt, "und wir bieten Homeoffice an, wo immer es möglich ist". Schon im Frühjahr wurden auf diese Weise vor allem Eltern entlastet, die so die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen konnten.

Arbeit und Kinder gut vereinbar

Überhaupt wird bei den Stadtwerken die vielbeschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf groß geschrieben. "Wir versuchen wirklich, es jedem recht zu machen", betont der Geschäftsführer und erzählt von den unterschiedlichsten Arbeitszeitmodellen, die bei den Mitarbeitern für ein positives Feedback sorgen. "Das hat Vorteile für beide Seiten – die Arbeit wird erledigt, die Kinder sind betreut", ist der Geschäftsführer überzeugt.

Zum Schutz von Kunden und Personal wurden manche Arbeitsabläufe neu geregelt: So erfolgte die Jahresablesung dieses Mal nicht persönlich, vielmehr wurden die Kunden aufgefordert, die Zählerstände selbst durchzugeben. "Das brachte einerseits schon Entlastung, weil die Mitarbeiter nicht in die Häuser mussten. Andererseits gab es Nachfragen oder man musste doch noch selbst hinfahren", bilanziert der Geschäftsführer.

Auch der turnusmäßig vorgeschriebene Zählerwechsel ist im Moment ausgesetzt: "Das muss zwar gemacht werden, aber nicht unbedingt bei hohen Inzidenzwerten", macht Dücker klar.

Für einen Teil seiner Belegschaft hat er momentan jedoch einfach keine Arbeit: Hallenbad und Sauna sind seit dem 2. November geschlossen, die aus rund 20 Köpfen bestehende "Badmannschaft" ist komplett in Kurzarbeit, mit Ausnahme der Auszubildenden. Blickt er auf die Zahlen, schwingt ein bisschen Wehmut mit: Vielversprechend hatte das vergangene Jahr begonnen, im Januar und Februar wurden im Juramare mehr Besucher verzeichnet als 2019. "Das ist sehr gut angelaufen, aber dann kam es ganz anders."

Besucherrückgang von mehr als 50 Prozent

Vom 23. März bis 25. Juni mussten die Türen komplett zu bleiben, und aktuell darf ebenfalls kein Badebetrieb stattfinden. In der Bilanz für 2020 schlägt sich das als Besucherrückgang von mehr als 50 Prozent nieder. Außer kleiner Reparaturarbeiten und der täglichen Kontrolle häuft sich da für die Mitarbeiter momentan kaum Arbeit an. Da das Waldbad im Sommer nicht geöffnet worden ist, waren sie letztes Jahr ausschließlich im Hallenbad tätig. "Mit dem Hygienekonzept kamen wir gut zurecht, da gab es keine Probleme", so die Erfahrung von Roland Dücker.

Hygienekonzept ist auch das Stichwort für den Stadtbusverkehr, der während der Pandemie ein ziemliches Hin und Her erfahren hat: Vom 14. März bis zum Ende der Osterferien galt der Ferienfahrplan, zum Schulbeginn im September wurden dann Zusatzbusse eingesetzt, um die Fahrgastzahlen zu entzerren. Vom 16. Dezember bis 8. Januar wurde wieder in den Ferienfahrplan-Modus gewechselt, dann lief eine Woche alles in normalen Bahnen bis vom 18. bis 31. Januar erneut der Ferienfahrplan galt. Zum 1. Februar kehrten die Abschlussklassen in die Schulen zurück und die Busse bedienen die Haltestellen seither zu den normalen Zeiten.


"Juramare": Besucher akzeptieren die Corona-Regeln


Korrigieren, anpassen, kommunizieren bedeutet das für die ÖPNV-Verantwortlichen bei den Stadtwerken, die im vergangenen Jahr generell weniger Fahrgäste gezählt haben. "Im Frühjahr war es ganz massiv", blickt der Geschäftsführer zurück und berichtet von bis zu 64 Prozent weniger Fahrgästen für diesen Zeitraum. Im Sommer scheint die Vorsicht vor öffentlichen Verkehrsmitteln ebenfalls groß gewesen zu sein, fuhren doch auch dann 40 Prozent weniger Menschen mit dem Stadtbus.

"Deutlich weniger Einnahmen bei fast gleich hohen Ausgaben"

Ähnlich verhielt es sich im Dezember sowie bei den Freizeitlinien und dem Rufbussystem. "Das zieht sich da durch", meint Dücker und spricht für das gesamte Jahr 2020 von einem Rückgang bei den Fahrgastzahlen um 20 bis 25 Prozent. "Das bedeutet deutlich weniger Einnahmen bei fast gleich hohen Ausgaben", gibt er zu bedenken. Deutlich gebessert hat sich nach seinen Worten das Verhalten der Fahrgäste: Gab es anfangs noch eine Reihe von Beschwerden, dass einige die Maskenpflicht, die übrigens schon an der Haltestelle gilt, nicht ganz ernst nehmen, hat sich das mittlerweile gut eingespielt.

Veränderungen brachten die Regeln und Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zudem für die Versorgungssparten der Stadtwerke: Betrachtet man beispielsweise alle Stromkunden des Versorgungsunternehmens zusammen, reduzierte sich der Verbrauch um etwa fünf Prozent. "Dieser Rückgang kommt vor allem aus dem Industriekundenbereich", erläutert der Fachmann. Vor allem von April bis August ist hier deutlich weniger Strom als 2019 bezogen worden. Besonders der erste Lockdown hat sich bemerkbar gemacht, der zweite schon nicht mehr so stark.

Der Verbrauch bei den sogenannten Haushaltskunden blieb in etwa gleich. Da jedoch Handel und Gastronomie zu diesem Bereich dazu gezählt werden und deren Verbrauch bedingt durch die Schließungen weniger geworden ist, ist davon auszugehen, dass die Privathaushalte mehr Strom verbraucht haben. "Es waren einfach viel mehr Leute zuhause", so die logische Begründung.

Viele aufgelaufene Verbindlichkeiten

Für die Stadtwerke bedeutet das zum einen insgesamt weniger Umsatz in der Stromsparte, zum anderen, "noch schlimmer, haben wir hohe Außenstände", verweist Dücker auf aufgelaufene – oft durch Schließungen bedingte – Verbindlichkeiten, von denen er nur hoffen könne, dass diese beglichen werden. "Die Gefahr, dass einige unserer Kunden in die Pleite rutschen, sehen wir schon", blickt er ein wenig sorgenvoll in die Zukunft.

Im Gegensatz zum Strom verzeichnet der Gasabsatz über das Jahr hinweg gesehen keinen Einbruch, wobei "wir den ersten Lockdown bei den Industriekunden schon gemerkt haben". Dafür aber haben die Privathaushalte mehr verbraucht, was einerseits an dem etwas kälteren Winter liegt, andererseits wiederum daran, dass die Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht haben.

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Reduziert hat sich 2020 der Wasserabsatz der Stadtwerke. "Daran haben wir selbst einen hohen Anteil", weiß Dücker und verweist auf die geschlossenen Bäder. "Das merkt man." Auch wenn sich dadurch die Ausgaben für die Bäder reduzieren, hofft er darauf, das Juramare bald wieder öffnen zu dürfen. Momentan gibt es dafür aber vonseiten der Politik noch keinen Zeitplan. Aber wenn es soweit ist, "brauchen wir nur etwa ein bis eineinhalb Wochen Vorlauf. Dann können wir starten", verspricht er allen Badenixen und Saunafans.

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