Bestattungstrends

Treuchtlingen: Der Friedhof wird lichter

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Lidia Piechulek

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19.10.2021, 05:30 Uhr
Schon heute gibt es eine große Bandbreite an Optionen für die Urnenbeisetzung. So etwa wie hier die Urnenstelen und -würfel.

Schon heute gibt es eine große Bandbreite an Optionen für die Urnenbeisetzung. So etwa wie hier die Urnenstelen und -würfel. © Foto: Lidia Piechulek

Für den Besucher mag das ein erfreulicher Anblick sein, für die Stadt bedeutet es aber einige Probleme. Tatsächlich sind manch grüne Fleckchen erst kürzlich entstanden, weil Gräber nach der Frist von 30 Jahren von den Hinterbliebenen aufgegeben worden sind. Für das Gesamtbild des Friedhofs bedeutet das einen Flickenteppich aus Gräbern und kleineren Wiesenstücken.

Insgesamt ist ein Trend erkennbar: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen eine klassische Erdbestattung und bevorzugen das Urnengrab. Im laufenden Jahr haben sich etwa, bis einschließlich September, 21 Personen für eine Erdbestattung und 49 für eine Urnenbeisetzung entschieden. Diese Zahl beinhaltet auch die Beisetzungen in den städtischen Friedhöfen in Dietfurt, Schambach und Möhren.

Das Problem: Urnenbeisetzungen brauchen deutlich weniger Platz – und führen letztlich zu weniger Einnahmen für die Stadt, die aber weiterhin die gesamte Friedhofsanlage pflegen muss, also die gleichen Kosten trägt.

Auf die Nachfrage reagieren

"Wir müssen daher nun die Weichen für die Zukunft stellen", betont Gabriele Dreger, die zuständige Verwaltungsangestellte bei der Stadt Treuchtlingen. Im jüngsten Bauausschuss haben die Mitglieder den Treuchtlinger Friedhof besucht und sich die Problematik vor Ort von ihr erklären lassen.

Dabei sahen sie mit eigenen Augen, wie sich der Friedhof schon jetzt, binnen weniger Jahre, gewandelt hat. Es gibt eine Bandbreite an neuen Beisetzungsformen – vom Urnenerdgrab zur Urnenmauer, von Stelen bis hin zur Baumbestattung, bei der die Urnen in konzentrischen Kreisen rund um einen Baum, nur durch eine schlichte Steinplatte verdeckt, in den Boden eingelassen werden.

Wer über den Treuchtlinger Friedhof spaziert, entdeckt immer wieder Wiesen- und Schotterflächen, an denen es einst ein Erdgrab gab. In den kommenden Jahren wird diese Entwicklung wohl immer stärker werden und mehr Lücken werden entstehen.

Wer über den Treuchtlinger Friedhof spaziert, entdeckt immer wieder Wiesen- und Schotterflächen, an denen es einst ein Erdgrab gab. In den kommenden Jahren wird diese Entwicklung wohl immer stärker werden und mehr Lücken werden entstehen. © Foto: Lidia Piechulek

Einige Vorschläge für eine Umgestaltung des Treuchtlinger Friedhofs lieferte Dreger direkt vor Ort. Zunächst wolle man weitere Bäume für die Baumbestattung pflanzen, da diese sehr gefragt sei. Gleichzeitig plädiere man dafür, für Namensplatten eine Größe von 40 auf 40 Zentimetern festzulegen und so die Gestaltung etwas zu vereinheitlichen.

Über feste Farben für die Platten wird ebenfalls bereits nachgedacht. Wo immer möglich, sollen zudem ehemalige Grabflächen begrünt werden, anstatt dort graue Schotterflächen entstehen zu lassen.

Den Bauausschuss baten Dreger und Treuchtlingens Bürgermeisterin Kristina Becker (CSU) nun, sich über die Umsetzung in der Kernstadt und den Ortsteil-Friedhöfen weitere Gedanken zu machen. Jeder Ortsausschuss solle sich überlegen, welche Bereiche des jeweiligen Friedhofs für Urnenbeisetzungen umgestaltet werden könnten.

Für den Treuchtlinger Friedhof gilt, dass "der Parkcharakter in jedem Fall erhalten bleiben soll", betonte Dreger mehrfach. Lediglich die künftige Gestaltung müsse nun auf die unterschiedlichsten Arten der Urnenbeisetzung ausgerichtet werden. Im Raum steht etwa ein Vorschlag, wonach man den Bürgern künftig anbieten könnte, im Vorfeld oder im Trauerfall einen eigenen Baum zu pflanzen.

Kein Friedwald gewünscht

Große Ablehnung fand hingegen die Idee zur Einrichtung eines Friedwalds in unmittelbarer Nähe zur Kriegsgräberstätte. Diese Anfrage hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben, nun sei das Thema in einer Bürgersprechstunde erneut zur Sprache gekommen.

Wie Gabriele Dreger erklärte, hätte dieser Doppelbetrieb allerdings nur Nachteile für die Stadt. Die Pflege und der Betrieb an zwei Standorten sei wesentlich aufwändiger und letztlich teurer. Lieber wolle man den Freiflächen, die es in absehbarer Zeit in der Eulenhofstraße geben würde, so gut wie möglich beikommen.

Lediglich Stefan Fischer (SPD) sprach sich für die Idee eines Fried- oder Bestattungswaldes aus. Er argumentierte damit, dass es auch Menschen gebe, die in der Natur, und nicht innerhalb der Mauern eines Friedhofs, bestattet werden wollten. Schon jetzt gebe es einige Menschen aus dem Gemeindegebiet, die deshalb auf den Friedwald in Pappenheim ausweichen würden.


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Bis ein endgültiges Konzept für die Zukunft der Friedhöfe im Gemeindegebiet erarbeitet ist, wird wohl noch einige Zeit verstreichen. Zunächst sollen nun einzelne Bürger sowie die Ortsausschüsse angehört werden.

Am Donnerstag wird sich nun auch der Stadtrat mit der Thematik befassen. Nötig ist nämlich eine Anpassung der Friedhofssatzung, da die Bestattungsverordnung zum 1. April dieses Jahres geändert worden ist. Es ist seither aus religiösen Gründen erlaubt, dass Verstorbene lediglich in einem Leichentuch statt in einem Sarg bestattet werden können. Diese Art der Beisetzung wird nun am nordwestlichen Ende des Treuchtlinger Friedhofs praktiziert und ist bei Personen muslimischen Glaubens üblich.

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