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Verbindende Kraft der Musik am Altmühlsee

Nachwuchstalente aus den USA sorgten für besonderes Konzerterlebnis - 13.07.2016 08:01 Uhr

Sänger wie Instrumentalisten beherrschten ihr Metier und ließen den Funken bei den Zuhörern schnell überspringen. © Kristy Husz


Ein glühend heißer Sommertag neigt sich langsam seinem Ende zu. Zu den groovenden und swingenden Klängen einer Jazzband suchen immer mehr Menschen die Nähe der Bühne, breiten im Schatten Picknickdecken aus, besetzen für ein Erfrischungsgetränk die „Boothaus“-Terrassen oder legen beim Fahrradausflug um den Altmühlsee eine spontane Zwischenpause ein.

Die verbindende Kraft der Musik eint nicht nur junge US-amerikanische Künstler und ihr europäisches Publikum, sondern sorgt offenkundig auch für ein harmonisches Miteinander von Klassikfreunden, Fußballfans und Badeurlaubern mit kleinen Kindern. Ihre „Bronze Tour“ bringt die 15- bis 18-jährigen Highschool-Schüler, die an dem besonderen Austauschprogramm von „AMA“ teilnehmen, nach Deutschland, Österreich, Italien und in die Schweiz. Zwischen Dinkelsbühl und Koblenz steht zum zweiten Mal Gunzenhausen auf dem Spielplan, wo im vergangenen Jahr bereits die „Red Tour“ erfolgreich Station machte. Seit mehr als vier Dekaden dient dieses Großprojekt der Völkerverständigung, bereisen Jugendliche, die heuer aus 22 Schulen an der amerikanischen Ostküste entsandt wurden, unseren Kontinent und geben in unterschiedlichen Gruppierungen Kostproben ihres musikalischen Könnens.

Bemerkenswert ist dabei, wie professionell die Teenager, die sich zuvor nicht kannten, zusammen musizieren, obwohl in ihrer Heimat nur zweieinhalb Tage für gemeinsames Proben vorgesehen waren. In Schlungenhof liefern ein Chor, ein Streich- und ein Symphonieorchester sogleich weitere Beweise hierfür. Die Ensembles haben ein buntes Repertoire einstudiert, bei dem Broadway-Klassiker genausowenig fehlen wie Spirituals, anspruchsvolle Kompositionen der Alten Meister und zeitgenössische Werke.

Sänger wie Instrumentalisten beherrschen dabei den ernsten und getragenen Ton ebenso wie das Unterhaltungsgenre und setzen mit Minisoli immer wieder Glanzlichter. Die technische Versiertheit und die Begeisterung für das eigene Tun wirken auf das Publikum durchaus ansteckend: Bald schon wird mitgeklatscht und mitgewippt, und spätestens als die berühmte Titelmelodie und das bedrohliche Darth-Vader-Thema aus den „Star Wars“-Filmen über den Altmühlsee schallen, ist die Schar der Hörer auf eine beachtliche Menge angewachsen.

Die Jazzband der US-Jugend bestach als Ganzes, aber auch mit einem Saxofonsolo. Fotos: Husz © Kristy Husz


James Capolupo, welcher der Gruppe vorsteht und humorvoll durch die Vorstellung führt, ist davon sichtlich angetan und bezieht die Gunzenhäuser mit verschiedenen Aktionen ins musikalische Geschehen ein – mal ist das Bürgermeister-Ehepaar aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen, mal dürfen ausgewählte Gäste mit Taktstöcken, die angeblich schon Mozart und Beethoven gehörten, das Dirigieren wagen. Als Gag am Rande tragen die echten Dirigenten und Ensemble-Leiter spezielle Bühnennamen, sodass sich für wenige Stunden tatsächlich „Tony Bennett“, „Adele“, „Raquel Welch“ oder „Stevie Wonder“ nach Altmühlfranken verirrt haben.

Bei den letzten beiden Stücken treten die beiden Orchester und der Chor gemeinsam auf. Der amerikanische Nationalmarsch „Stars and Stripes Forever“, 1896 von John Philip Sousa komponiert, transportiert erst den Pomp einer Militärparade an den Strand, bevor eine von Chorleiter Nathaniel Arnold geschriebene, universell verständliche Hymne auf den Weltfrieden die Veranstaltung beschließt: „We are as one“ heißt das Lied, dessen Botschaft mittels Flaggen auch optisch kommuniziert wird. Von Patriotismus zu Pazifismus ist es manchmal ein erfreulich kurzer Weg.

So locker, wie die Konzertatmosphäre war, klingt der gesamte Abend aus. Interessiert mischt sich die US- Jugend unter die Franken, probiert eine Bratwurst, kümmert sich getreu ihrem Motto „leave it better than you found it“ selbst um den Abbau an der Bühne und verlässt mit einem Busanhänger voller Instrumente den See.

2017 könnte „American Music Abroad“ wiederkommen. Hoffentlich erneut mit ausgezeichneten Darbietungen, guter Laune und blendendem Wetter im Gepäck. 

KRISTY HUSZ

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