Neue Entwicklung in Cold Case-Fall

Vermisst seit 29 Jahren: Ermittler suchen mit Spezialhund nach Lissy Lauer

Isabel-Marie Köppel
Isabel-Marie Köppel

Lokalredaktion Gunzenhausen

E-Mail zur Autorenseite

22.11.2021, 05:57 Uhr
Dietmar Kroepel und sein Archäologiehund Flintstone am Ortseingang von Aha: Von hier aus starteten sie die Suche.

Dietmar Kroepel und sein Archäologiehund Flintstone am Ortseingang von Aha: Von hier aus starteten sie die Suche. © Isabel-Marie Köppel, NN

Wer Mittwochabend "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF eingeschaltet hatte, staunte vermutlich nicht schlecht, als Kriminalhauptkommissar Gunnar Schara live sagte: "Wir haben Anhaltspunkte für das mögliche Versteck des Leichnams. Und hier ist eine Absuche in Vorbereitung, die unmittelbar bevorsteht."

Samstag war es dann so weit. Schara und unter anderem zwei Kollegen von der Spurensicherung trafen sich in Aha mit Dietmar Kroepel und seiner Superspürnase Flintstone. Der elfjährige Rüde ist der erste und einzige zertifizierte Archäologiehund in Deutschland und darauf trainiert, menschliche Knochen erschnüffeln.

Vom Archäologen zum Ermittler auf vier Pfoten wurde der struppige Hund mit dem grauen Fell vor fünf Jahren, als eine Beamtin auf Kroepel zukam und fragte, ob Flintstone auch jüngere, etwa 36 Jahre alte Menschenknochen finden könne? Es stellte sich heraus, er kann. "Er ist seit 2016 unter anderem im Cold Case-Bereich unterwegs und kann 24 Funde vorweisen", erklärt Kroepel.

Tötungsdelikt vermutet

Ein sogenannter Cold Case ist auch der Fall Lieselotte "Lissy" Lauer, weil er bereits viele Jahre zurückliegt und ungeklärt ist. Die ermittelnde Kripo Ansbach vermutet ein Tötungsdelikt und da Mord bekanntlich nicht verjährt, wurde der 29 Jahre alte Fall wieder aufgerollt.

Die damals 30-jährige Lauer wohnte 1992 in Aue, einem Ortsteil von Haundorf, arbeitete in Gunzenhausen und wurde am 1. Juli 1992 zum letzten Mal gesehen. Seither fehlt jede Spur von ihr. Ob Flintstone, die "Puzzleteile und Details", die die Polizei hat, ergänzen kann, ist noch offen.

Samstagmorgen gegen 9.30 Uhr machte sich der kleine Suchtrupp von Aha jedenfalls Richtung Bundesstraße 13 auf. Begleiten durften sie die Pressevertreterinnen und -vertreter nicht. Vor Ort war nur zu erfahren, dass sie die B13 ein Stück Richtung Unterasbach auf beiden Seiten absuchen wollen. Die Straße dort wurde vor 30 Jahren gebaut.

Nur ein kleiner Suchtrupp

An welchen Orten der Leichnam noch vermutet wird, wollte Kriminalhauptkommissar Schara nicht öffentlich machen. "Die Absuche wird bis zum Einbruch der Dunkelheit dauern", teilte er mit. Seitens der Polizei wurde die Aktion von insgesamt vier Personen unterstützt. Die kleine Gruppe sei eine bewusste Entscheidung, informierte Schara. Der Fokus lag auf Flintstone und seinem Können.

Viele Details bekommt Dietmar Kroepel vor einem Einsatz für die Polizei übrigens nicht, erzählte er. Die möchte er vorab auch nicht haben: "In der Hundearbeit ist es so, man muss seinem Hund vertrauen. Wenn der Mensch anfängt zu denken, dann ist es versaut", so die Erfahrung des 55-Jährigen.

"Meistens ist es ein Prozess, und den muss man interpretieren. Den möchte ich aber nur anhand der Dinge interpretieren, die der Flint mir anzeigt", ergänzte Kroepel, der im oberbayerischen Otterfing lebt. Vorher müsse er nur wissen, um welche Art Gelände es sich handle. Suchen er und sein struppiger Gefährte etwa in oder an Gewässern, brauchten sie beispielsweise eine andere Leine.

Flintstone ist fast wöchentlich im Einsatz

Beinahe jedes Wochenende seien die beiden unterwegs. Und die Polizei? Die bitte mittlerweile öfter um Hilfe, als Kroepel Zeit habe. Doch mit seinem Verein Archaeo-Dogs bilde er bereits drei weitere Hunde aus. Und ist Flintstone erfolgreich, gibt's eine Leberwurst zur Belohnung. Altdeutsche Hütehunde sind Arbeitstiere und brauchen eine Aufgabe.

Doch wie sieht es mit dem Zweibeiner aus? Schließlich handelt es sich oft um Verbrechen. "Das ist der große Unterschied: Ich stoße nicht auf eine Leiche, ich stoße wenn dann auf ein Skelett. Und auch das meistens nicht. Ich sage, wo es liegen könnte, und dann muss das die Polizei akribisch vorbereiten. Stück für Stück runtergraben, um keine Beweise zu zerstören", sagte Diemar Kroepel.

Das einzige, was belastend sei, sei die Geschichte dahinter: "Wenn man mitbekommt, wer das Opfer ist, was passiert ist, die Familie dahinter." Doch im Einsatz spiele die Gefühlswelt keine Rolle. "Da habe ich so viel zu beachten, zu bedenken und zu funktionieren", so Kroepel. Erst im Nachhinein komme all das noch mal hoch, "wenn man sich Fotos ansieht oder Berichte kommen".

Keine Kommentare