Verschwindet mit Center Parcs der Wasserturm bei Geiselsberg?

16.4.2021, 05:59 Uhr
 Nicht schön – aber schon fast ein Wahrzeichen: der Wasserturm bei Geiselsberg. Er könnte einem unterirdischen Speicher weichen.

 Nicht schön – aber schon fast ein Wahrzeichen: der Wasserturm bei Geiselsberg. Er könnte einem unterirdischen Speicher weichen. © Jürgen Eisenbrand, NN

Volker Schaardt vom Weißenburger Ingenieurbüro Dr. Resch + Partner, das auf Wasserwirtschaft und Abwassertechnik spezialisiert ist, erläuterte den Kommunalpolitikern aus den Anliegergemeinden, welche Möglichkeiten der Ver- und Entsorgung es nach derzeitigem Untersuchungsstand gibt.

Dabei spricht der promovierte Diplom-Ingenieur von vier Varianten für die Entsorgung des Wassers: die Ableitung über den Ringkanal des ZVB zu dessen Kläranlage bei Pleinfeld; eine eigene Kläranlage auf dem Areal von Center Parcs (CP), deren geklärtes Wasser zur Altmühl hin abgeleitet wird; die Ableitung zur Pfofelder Kläranlage und von dort weiter zur Altmühl; und die Ableitung über das Pleinfelder Kanalnetz mit Zugang bei Veitserlbach – und von dort wieder zur Kläranlage Pleinfeld.

Kosten für Aufrüstung würde Center Parcs zahlen

Nach Ansicht Schaardts scheiden die Variante zwei und drei aus: die Höhenunterschiede, die überwunden werden müssten seien zu hoch, der Energiebedarf zu groß. Zudem bestehe in Pfofeld der Wunsch, die Gemeinde künftig an das Abwassersystem des ZVB anzuschließen. Die Varianten eins (Ringkanal) und vier (Kanalnetz Pleinfeld) seien es, so der Experte, jedoch wert, weiter untersucht zu werden.

Allerdings müsse bei beiden die eine oder andere technische Anlage aufgerüstet werden, die Kosten dafür trage Center Parcs. Wozu Robin Wildhagen und Jan Janssen, die beiden anwesenden Firmenvertreter, sichtbar nickten. Zudem sei eine sogenannte "Schmutzfrachtberechnung" erforderlich, um die Belastung des Brombachsees mit verunreinigtem Wasser zu verhindern.

Die Kläranlage des ZVB jedenfalls, das wurde bereits bei der Vorstellung des Masterplans im März deutlich, birgt derzeit noch Potenziale. Ausgelegt ist ihre Kapazität für 30.000 Einwohner, genutzt wird sie nur von 19.000. Und selbst wenn der Center Parc gebaut werden sollte, der mit 4500 Nutzern berechnet wird, blieben stattliche Reserven.

Deshalb empfiehlt der Fachmann, die Ferienanlage im Ernstfall erst einmal anzuschließen und sie erst nach und nach so weit zu ertüchtigen, dass die derzeitigen Reserven für die Entwicklung der Anliegergemeinden wiederhergestellt sind. Was, so sah es auch der Spalter Bürgermeister Udo Weingart, den Vorteil habe, dass man technisch stets auf dem neuesten Stand sein könne – etwa mit dem Einbau einer vierten Reinigungsstufe. Eine solche wird derzeit in Weißenburg getestet und könnte demnächst Standard werden.

Die Kosten für den Anschluss ans Kanalnetz werde Center Parcs selbst tragen, versicherte Volker Schaardt, und er legte gleich noch ein finanzielles "Zuckerl" nach: "Künftige Investitionen in die Kläranlage werden für die Bürger günstiger, da Center Parcs ja einen Teil der Kosten übernimmt." Und auch die laufenden Kosten verteilten sich im Falle der Realisierung der Anlage auf mehr Schultern – und würden so für die einzelnen Gemeinden sinken.

Zwei Möglichkeiten bei der Trinkwasserversorgung

In Sachen Trinkwasserversorgung zeigte der Spezialist zwei Möglichkeiten auf: den Bezug vom Zweckverband Wasserversorgung fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) oder vom Zweckverband zur Wasserversorgung der Reckenberg-Gruppe (RBG), die wiederum selbst einen Teil ihres Bedarfs bei der WFW deckt.

Dazu müsste entweder nahe Pleinfeld die aus dem Lechgebiet nach Nürnberg/Fürth führende Fernleitung angezapft werden. Oder das Wasser käme von der RBG und deren markantem Wasserturm bei Geiselsberg. Von dort flösse das Wasser quasi von selbst in Richtung Muna-Gelände, was "energetisch gut" wäre, so Schaardt. Käme das Wasser vom WFW – und damit von der Fernleitung bei Pleinfeld – müsste es unter hohem Energieverbrauch hochgepumpt werden.


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Neue Perspektiven ergaben sich in der ZVB-Sitzung zu besagtem Hochbehälter: Hatte es bei der Präsentation des Masterplans noch geheißen, man werde wohl neben dem mächtigen, düster-markanten Betonturm einen zweiten Hochbehälter errichten müssen, so klangen diesmal gleich zwei Alternativen an. So könnte – bei höheren Fixkosten – auch auf dem CP-Gelände ein Wasserspeicher entstehen. Und sogar ein Verschwinden des alten Turms sei denkbar, sagte Schaardt, ein Ersatzneubau könnte zudem unterirdisch angelegt werden: "Das ist aber Sache der weiteren Planungen."

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