"Wald-O-Mat": In Wald gibt's jetzt rund um die Uhr regionale Lebensmittel

26.10.2020, 06:01 Uhr
Stefanie Schwarz kümmert sich um den Wald-O-Mat. Bezahlen kann man mit Münzen ab zehn Cent sowie Fünf- und Zehn-Euro-Scheinen.

Stefanie Schwarz kümmert sich um den Wald-O-Mat. Bezahlen kann man mit Münzen ab zehn Cent sowie Fünf- und Zehn-Euro-Scheinen. © Foto: Isabel-Marie Köppel

Ganz oben stecken die Steaks, der Schinken und die Grillwürste der Gunzenhäuser Metzgerei Arnold, darunter warten die Gummibärchen und ein Müsli aus der Kräutleinsmühle in Wiesethbruck, der Käse der Schmalzmühle aus Röckingen, das Merkendorfer Kraut, die Eier vom "Altmühltaler Wiesen Ei" aus Dittenheim, der Hesselberger Saft und mehr. Die Preisspanne liegt zwischen 7,30 Euro für die Steaks bis 1,50 Euro für die Getränke.


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Drei Fächer sind noch leer. "Wir wollten Honig anbieten, aber die gängigen 500-Gramm-Gläser passen nicht", erklärt Stefanie Schwarz. Sie ist die 1. Vorsitzende des Walder Dorfladens, der ehrenamtlich von einem Verein betrieben wird, und zu dem auch der "Wald-O-Mat" gehört. Gekauft haben sie ihn von der Firma Zoells aus Langenzenn. Für die Konfiguration mussten sie alle Produkte in dreifacher Ausführung hinschicken. Dabei wurde schnell klar, manches geht – und manches nicht.

Extra Verpackungen für den "Wald-O-Mat"

Vieles wird deshalb jetzt extra abgepackt, damit es in den regionalen Kühlschrank passt wie die Moarbauer-Milch aus Pfofeld in 0,5-Liter-Flaschen oder der Käse, damit er immer vier Euro kostet: "Im Laden wiegen wir den. Das kann der Automat nicht", sagt Schwarz. Der Honig soll nun auch in kleinere Gläser kommen. Zudem überlegt sie, Fassbutter anzubieten. "Wir nehmen aber auch gerne Anregungen entgegen", sagt die Maschinenbautechnikerin.

Von Gunzenhausen kommend weist dieses Schild den Weg.

Von Gunzenhausen kommend weist dieses Schild den Weg. © Foto: Isabel-Marie Köppel

Praktisch ist, dass Schwarz, die sich als technikversiert beschreibt, den "Wald-O-Mat" selbst anpassen kann, wenn etwa ein neues Produkt einzieht. "Das ist total interessant. Ich mag den Automaten jetzt schon so gern", schwärmt sie während sie die Glastür aufsperrt und das Innenleben erklärt. Der "Wald-O-Mat" liefert ihr sogar Statistiken, was zum Beispiel wie oft verkauft wurde. Diese Daten kann sich Stefanie Schwarz auf einen USB-Stick ziehen, um sie in Ruhe auf dem Laptop auszuwerten.

Aktuell kümmert sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter Renate um den Automaten: Sie kontrollieren das Haltbarkeitsdatum, füllen ihn auf, bestellen Ware, reinigen ihn. Die 33-Jährige achtet darauf, dass die Fächer immer gefüllt sind: "Gerade am Anfang ist das wichtig. Die Leute sind vielleicht ein, zwei Mal kulant, aber wenn jetzt nie Eier da wären, dann merken die Leute sich das." Momentan schauen sie deshalb einmal pro Tag in das Häuschen, denn es zeigt sich ja erst noch, wie gut welches Produkt verkauft wird.

Aktuelle Neuigkeiten zum Walder Dorfladen auf Instagram

Damit jeder weiß, wie der regionale Kühlschrank bedient wird, hat Schwarz auf Leinwand eine Anleitung gemalt, die dekorativ daneben hängt. Zudem warnt ein weiteres Schild, Eier und Gläser einzeln ausgeben zu lassen, damit sie sich nicht gegenseitig beschädigen. Es gibt nämlich die Option, sich einen Warenkorb anzulegen. Aktuelles postet die Vorsitzende gerne auf dem Instagram-Account "walderdorfladen".

Die Idee zum Automaten wurde während einer Vereinssitzung im Frühjahr geboren, nachdem das Regionalbudget des ILE-Zusammenschluss (Integrierte Ländliche Entwicklung) "Fränkisches Seenland-Hahnenkamm" ausgeschrieben war. Damit soll eine eigenverantwortliche Entwicklung unterstützt und die regionale Identität gestärkt werden, schreibt das Landwirtschaftsministerium. Der Dorfladen bewarb sich und erhielt Mitte April den Zuschlag und damit eine Förderung von 80 Prozent. Als "herausragendes Projekt" bezeichnet die kommunale Allianz den "Wald-O-Mat" und gab dies an das Ministerium weiter.

Die Kosten von rund 13.000 Euro musste der Verein vorschießen, wovon 11.000 Euro auf den Automaten fallen. Planung und Vorbereitungen wie das Pflastern oder der Bau des Häuschen erfolgte ehrenamtlich. Hier halfen Bewohner aus Wald, Streudorf, Ober- und Unterhambach zusammen. Die laufenden Kosten wie den Strom muss der Dorfladen tragen, das Grundstück ist von der Stadt Gunzenhausen gepachtet.

"Vom ,Wald-O-Mat‘ profitieren alle umliegenden Dörfer und auch Touristen, die hier in Ferienwohnungen sind", ist Stefanie Schwarz überzeugt. Dass die Öffnungszeiten des Dorfladens von 6 bis 10 Uhr nicht perfekt sind, weiß sie: "Das geht ehrenamtlich aber nicht anders." Deshalb ist der neue Lebensmittel-Automat ein gute Ergänzung dazu.

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