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Wie man schlaue Karpfen überlistet

Der Altmühlsee ist unter Anglern ein beliebtes Ziel - 23.11.2020 05:59 Uhr

Angler-Entspannung pur: Alle Zeit der Welt scheinen die Petrijünger zu haben, bis ein Fisch anbeißt.

22.11.2020


Draußen sein, einen guten Kumpel dabeihaben und sich mit jeweils zwei Angelruten an einen ultimativ dicken Fang heranpirschen. – So sieht der optimale Anglerspaß für die beiden Friedfisch-Angler aus, die sich an einem sonnigen Novembertag am Altmühlsee-Ufer in der Nähe der Auslauf-Tulpe gerade häuslich einrichten, also Ködertütchen packen und ihr tarnfarbenes Ansitz-Zelt , "Brolly" genannt, aufstellen. Die Ruten stehen schon am Wasser, der elektronische Bissmelder ist aktiviert. Die ganze Nacht wollen die beiden wach bleiben und sich auf die Jagd nach den vorsichtigsten Altmühlsee-Fischen machen, den Karpfen.


Abendlicher SUP-Ausflug auf dem Altmühlsee


Und sie sind mit ihrem Hobby nicht allein: Genau 20 Hobbyangler konnten an diesem Nachmittag bei einer Umrundung des Altmühlsees gezählt werden. Das Verblüffende: Nur ein Rentner und ein Familienvater mit Kindern waren dabei, alle anderen waren so zwischen 20 und 35 Jahre alt. Für Ingo Schmidt, Inhaber des Merkendorfer Fachgeschäfts "Ingos Angelbucht" ist das gar nicht erstaunlich: Die Szene habe sich in den vergangenen 15 Jahren komplett gewandelt, und das Angeln sei ein "junger Trendsport" geworden.

Angelfreunde aus der ganzen Republik zu Besuch

Vorbei also die Zeit, in denen Opa mit einem Klappstuhl anrückte und seinen Wurm badete – heute sind die Youngsters mit ihrer High-Tech-Ausrüstung am Start. "Ganz Deutschland ist bei uns!", informiert auch Jürgen Breitenfeld, der mit "Breitis Anglertreff" in Unterwurmbach ein renommiertes Fachgeschäft betreibt. Er weiß durch den Erlaubnisschein-Verkauf für die Seen, dass aus der ganzen Republik Angelfreunde anreisen, um an den Seen einen guten Fang zu machen.

Das kann der Biologe Hans Padberg vom Fischereiverband Mittelfranken nur unterstreichen und fügt hinzu: "Der Angelsport boomt, gerade in Corona-Zeiten!" Doch auch die Statistik 2019 zeigt, welch großer Beliebtheit sich das Angeln als Hobby schon seit längerem erfreut: Über 3800 Angelbesuche wurden im vergangenen Jahr allein am Altmühlsee gezählt, dabei 2800 Fische gefangen, die ein Gewicht von insgesamt 3,5 Tonnen hatten.


Zu Gast auf der Vogelinsel am Altmühlsee


Dem Fischereiverband Mittelfranken sind vom Eigentümer des Sees, dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach, die Fischrechte übertragen worden. Deshalb hat Hans Padberg alle Zahlen aus erster Hand und kann auch die Fangquoten der beliebtesten Fischarten nennen: So wird allein schon eine Tonne Hecht im Altmühlsee gefangen, 900 Kilogramm Brassen, 550 Kilogramm Karpfen und 450 Kilogramm Wels, die in Franken auch Waller genannt werden. Und dann ist da natürlich noch ein wendiger Räuber, dem die Angelsportler mit einem über den Grund hüpfenden Gummi-Fisch nachstellen: der Zander.

Kein Anglerlatein

Wer jetzt genug von akribisch erhobenen Zahlen hat und eher auf große Geschichten von noch größeren Fischen hofft, der ist gut beraten, mal die jungen Angelsportler zu befragen, die in der Nähe des Stegs zur Vogelinsel auf Zanderjagd gehen. Einer hat – und das ist jetzt ganz ehrlich nie im Leben kein Anglerlatein nicht – schon mal einen Zander gefangen, der eine Länge von 1,70 Meter hatte! Unglaublich.

Aber aus einem Anglerblog können wir noch mehr Sensationen erfahren: Im Jahr 2010 soll ein Waller angebissen haben, der war 2,47 Meter lang und hat fast einen Zentner gewogen! 20 bis 30 Jahr alt – je nach Futterangebot – ist solch ein Riese weiß Angel-Experte Jürgen Breitenfeld, aber die Sache hat einen Haken: Solch ein großer Fisch schmeckt nicht mehr.

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Fetter Fang in Franken: Die dicksten Waller der Region

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Unter den Altmühlsee-Anglern gibt es wirklich ganz unterschiedliche Typen, doch eines haben sie gemeinsam: Sie haben ein Faible für die Farbe Oliv und gedeckte Farben. Das geht von der Outdoor-Jacke über die Gummistiefel bis zum fast unvermeidlichen Ansitz-Stuhl! Das kann den Laien schon verwundern! Da stehen also optimal getarnte Männer im Schilf, und dann werfen sie grellgelbe Köderfische aus!

Tageskarte kostet zwölf Euro

Na, das Angeln ist halt eine Wissenschaft für sich und auch nicht jedermann kann sich einfach mal ans Ufer setzen und eine Angel auswerfen. Dazu braucht man einen Angelschein, den man nach einem Kurs und einer bestandenen staatlichen Fischerprüfung erhält. Weiter muss man für den Altmühlsee eine Angelkarte erwerben, wobei die Tageskarte im Angelshop zwölf Euro, auf der Plattform hejfish sogar 14,50 kostet.


Angeln: Respekt vor der Natur am Haken


Manche Angler machen eher auf gemütlich, werfen ihre Köder aus und scheinen dann alle Zeit der Welt zu haben, bis da eine Brasse oder ein Karpfen anbeißt. Im Fachjargon nennt man sie "Friedfisch-Angler". Zu ihrer Art zu angeln passt auch das Bild unserer Fotografin Tine Bethke. Sie hat die Angler-Entspannung pur eingefangen: Man braucht dazu die richtige Angelrute und das richtige Durchhaltevermögen, um den Blick auf die stille Wasserfläche genießen zu können. So kann man sich den beiden wichtigsten Fragen des Augenblicks widmen: Wo beginnt der Himmel, wo der See – und wo sind die dicken Fische?

Ganz anders gestrickt sind die sportlichen Raubfisch-Spezialisten: Sie haben ihren ganz eigenen Rhythmus, werfen ihre Kunstköder weit hinaus in den See und holen ihn dann sofort wieder ein. Hier wird Angeln zum Bewegungs-Sport. Der Köderfisch zappelt bei dieser Technik recht auffällig durchs Wasser und lockt Hecht und Zander. Beide Angler-Typen sind Leute, die erzählen – abgesehen von der sprichwörtlichen Prise Anglerlatein – keine langen Geschichten, sie schauen gern aufs Wasser, verbringen gerne Zeit in der Natur. Die Erfahrenen unter ihnen können tatsächlich die kleinsten Wellen "lesen" und erkennen, welcher Schwarm oder welcher Fisch da gerade seine Bahnen zieht.

Setzen auf tiefere Gewässerzonen

Auch unsere beiden Karpfenjäger von der Auslauf-Tulpe verbringen gerne ihre Freizeit in der Natur, aber sie sind dennoch einem Pläuschchen nicht abgeneigt. Sogar in ihre ausgeklügelte Karpfenfang-Strategie geben sie Einblick: Aufgrund der doch etwas kühleren Wassertemperatur gehen sie davon aus, dass der Altmühlsee-Karpfen schon in tiefere Gewässerzonen abtaucht. Anhand der Tiefenwasserkarte des Sees – gibt es als Download-Karte beim Wasserwirtschaftsamt – haben die beiden Angelsportler sich eine der tiefsten Stelle des Sees ausgewählt, die in der Nähe des Schlungenhofer Hafens liegt.


Gunzenhausen: Fischgigant aus der Altmühl geholt


Im Verhältnis zum sonstigen flachen Ufer hat der See hier sozusagen seine Steilküste, die bis zu 5 Meter abfällt. Und genau dort platzieren die beiden Angler ihre Karpfen-Leckerlies. Der eigentliche Köder ist ein sogenannter Boilie, eine Kugel aus Proteinmasse, in der der Haken versteckt ist.

Doch Karpfen sind ziemlich schlaue und vorsichtige Fische. Wenn da was ins Wasser plumpst, dann guckt die Fischfamilie sich das erstmal genau an. Für die Angler heißt das: Das große Warten beginnt. Unsere beiden Hobbyangler haben deshalb alle Zeit der Welt und werden sich zum Sonnenuntergang erstmal einen Camembert mit Preiselbeeren auf ihrem kleinen Gaskocher zubereiten.


Erlebnisspielplatz-Test am Altmühlsee: Von der "Zipline" bis zum "Teufelsrad"


Den Bissmelder haben sie dabei immer im Blick, denn der Traum vom dicken Karpfen soll in dieser Nacht noch Wirklichkeit werden. Wenn alles klappt ist das Sonntags-Menü gesichert: Karpfen auf fränkische Art, also halbiert, paniert und frittiert. Na denn: Petri Heil!

Babett Guthmann

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