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Windsfeld: Was macht Corona mit dem Dorfleben?

Neue Serie des Altmühl-Boten widmet sich den Veränderungen durch das Virus in den Dörfern - 15.12.2020 17:20 Uhr

Der Windsfelder Posaunenchor nutzte die Kirchweih in diesem Herbst zu einem kleinen Auftritt.

15.12.2020 © Foto: Gerhard Durst


Und so begann das Jahr 2020: Wie immer sind wir in Windsfeld mit Posaunenchor, Glockengeläut, Feuerwerk, Dudelsack und Punsch des Gartenbauvereins zum Jahreswechsel gemeinsam vor dem Gemeindehaus gestartet. Die Neujahrswünsche wurden mit Handschlag in den ersten Minuten des neuen Jahres mit einem großen Teil der Dorfgemeinschaft ausgetauscht.

Am Neujahrstag folgten dann die üblichen Verwandtenbesuche. Die ersten Wochen des Jahres prägten Versammlungen der Vereine und wegen der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl umfängliche Berichte des Gemeindelebens. Bei der Auszählung der Wählerstimmen am 15. März war Corona bereits Mittelpunkt aller Gespräche, und es wurden die Hände nur noch zögerlich geschüttelt. Jedoch ahnte noch niemand, dass wenige Tage später in Bayern der Notstand ausgerufen würde.

Gemeinschaft fehlt

Seitdem wird unser Leben nicht nur in Städten, sondern auch in den Dörfern und Familien von Corona beherrscht. Zugegeben, auf dem Lande geht es uns in unseren großen Häusern und Gärten, inmitten einer wunderschönen Landschaft doch noch ganz gut. Manches nahmen wir erst jetzt so richtig wahr. Rückblickend stellen so manche fest, dass ein entschleunigtes Leben auch seinen Reiz haben kann und die freie Zeit bei Kindern und Familie sicher gut investiert ist. Doch auch auf dem Dorf fehlt das Leben in der Gemeinschaft. Bei den Überlegungen für 2021 in den Vereinen und Organisationen wird uns erst wieder richtig bewusst, was heuer alles nicht war.

Bei vielen Vereinen fanden Jahresversammlungen nicht statt, so zum Beispiel beim Verein für Dorfverschönerung, Gartenbau und Landespflege Windsfeld und bei anderen Gartenbauvereinen. Ehrungen und Wahlen entfielen. Die Pandemie-Gesetzgebung stellte sicher, dass die Vorstandschaften im Amt bleiben und die Regularien verschoben werden konnten, jetzt aufgrund des erneuten Lockdowns sogar bis Ende 2021. Da auch Vorstandstreffen im Frühjahr verboten waren und jetzt erneut nicht möglich sind, behelfen sich viele mit jetzt zulässigen Internet-Konferenzen, Abstimmungen erfolgen wie bei der Briefwahl schriftlich.

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Vorständeseminare und Schulungen erfolgen nun am Bildschirm in Webinaren. Gartenfreunde hätten aber lieber das Gartenpflegeseminar des Kreisverbands für Gartenbau in Windsfeld und in Wachstein weiter besucht, das abgebrochen werden musste. Zum Glück fand der Schnittkurs in Windsfeld noch im Februar statt, weitere entfielen in anderen Orten oder waren dann als Sommerkurs unter den inzwischen eingeübten Coronabedingungen mit Abstandhalten möglich.

Planungen kaum möglich

Eigentlich wollten wir jetzt im November auf unsere gemeinsame Reise im Juli nach Schottland zurückblicken und freuten uns auf den Austausch zum gemeinsam Erlebten, zieht der Kreisvorsitzende Bilanz. Selbst die Planung, was nächstes Jahr stattfinden soll, ist schwierig und muss nun im Kreisvorstand online beraten werden.

Horst Stör, der Vorsitzende des Gartenbauvereins Sausenhofen, und ich als Kreisvorsitzende hoffen, dass der ausgefallene Tag der offenen Gartentüre nun am Sonntag, 27. Juni 2021, im Dittenheimer Ortsteil stattfinden kann. Ob der heuer geplante Besuch der Gartenschau in Ingolstadt nun im nächsten Jahr möglich sein wird oder ob mit den Vorständen besser erst im Sommer ein Busausflug zur weiteren Gartenschau in Lindau sinnvoller ist, wird überlegt.


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Nicht möglich waren die zahlreichen Kinder- und Jugendveranstaltungen im Kreisverband und bei den Ortsvereinen. Aber es wurde mit den Kindern die Vielfalt des eigenen Gartens mit den Eltern erkundet und im Bild festgehalten, was ein Wettbewerb des Kreisverbands verdeutlichte. Die Rosenhoheiten haben kaum Auftritte und blieben im Amt, weil die Wahl wegen der entfallenen "Nacht der Rose" nicht stattfinden konnte.

Nur ein kleiner Ersatz

Beim kleinen Dorf Windsfeld mit den knapp 230 Einwohnern lassen sich weitere Konsequenzen beispielhaft gut zeigen. Viele – vor allem die älteren Bürgerinnen und Bürger – zogen sich in ihre Häuser zurück, als Gottesdienste ab 21. März nicht mehr zulässig und die Kindergärten und Schulen geschlossen waren. Allenfalls tauschte man sich noch über den Gartenzaun aus. Die Jungen besorgten die Einkäufe.

Angehörige, die sich in dieser Zeit von Verstorbenen verabschieden mussten, hatten es besonders schwer. Bei Beerdigungen war nur eine kurze liturgische Handlung mit Predigt am Grab möglich. Entfallen ist seitdem der gemeinsame Trauergottesdienst in der Kirche. Auch im Freien waren anfangs nur wenige Personen im engsten Familienkreis zulässig, und auch jetzt ist die Teilnehmerzahl unter Coronaregeln begrenzt. Auf das sonst übliche anschließende Treffen im Gasthaus wird seitdem verzichtet.


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Dass an Ostern keine Gottesdienste stattfanden, gab es laut Pfarrer Walter Krewin in über 2000 Jahren Geschichte des Christentums wohl noch nie. Ein kleiner Ersatz waren dann die an der Kirche ausgelegten schriftlichen Andachtsblätter. Seit 10. Mai finden wieder mit Begrenzung der Teilnehmerzahl und Platzzuweisung gemeinsame Gottesdienste unter Beachtung eines strengen Sicherheitskonzepts statt. Auf Gemeindegesang wurde zunächst verzichtet. Das Einsammeln von Spenden mit Klingelbeutel unterbleibt seitdem.

Hostie und Wein mit Abstand

Inzwischen feiern Gläubige ein Wandelabendmahl. Das heißt, Hostie und Wein werden mit Abstand abgeholt und auf den eigenen Plätzen eingenommen. "Die Zahl der Kirchgänger hat noch stärker abgenommen", bedauern Pfarrer Walter Krewin und die Kirchenvorstände. Entfallen ist in Windsfeld auch die goldene Konfirmation. Dem Kirchenchor war es nur kurzzeitig im Oktober möglich, sich zur Probe in der Windsfelder Kirche zu treffen.

Die Windsfelder Kinder und Familien werden ein Krippenspiel wie im letzten Jahr vermissen. Seit März gibt es auch keinen Kindergottesdienst mehr.

15.12.2020 © Foto: Gerhard Durst


Für Weihnachten werden alternative Lösungen gesucht, vor allem auch für die Kinder. Vielleicht ist eine Feldweihnacht möglich (wahrscheinlich am 4. Advent). Das alljährliche Krippenspiel, oft auch schon als Stallweihnacht im Anwesen Klis gefeiert, entfällt. Leider konnte seit März auch kein Kindergottesdienst mehr stattfinden. Eine kurze Familienchristvesper am Heiligen Abend mit Anmeldung ist für 16 Uhr in der Kirche vorgesehen. Aufgrund der nun wieder geltenden strengeren Regeln muss auf das Singen ganz verzichtet werden. Die erneute Notstandssituation jetzt vor Weihnachten verbietet auch wieder Abendmahlsfeiern.


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Der als Auftakt zum 100-jährigen Bestehen des Posaunenchors Windsfeld im April geplante Bläser-Gottesdienst, die Serenade der Posaunenchöre der Gesamtgemeinde im Mai und der in Windsfeld vorgesehene Bezirksposaunentag im Juni entfielen. Die Feiern können 2021 nachgeholt werden, aber die Bläser vermissen die wöchentlichen Proben und das anschließende Miteinander im "Schwarzen Adler".

Kaum Hochzeiten oder andere kirchliche Feste

Und es fehlen die Einsätze bei Festgottesdiensten, dem Volkstrauertag und zunächst bei Beerdigungen. Hochzeiten wurden ohnehin verschoben oder fanden nur im kleinen Rahmen statt. Chorleiter Herbert Kleemann hofft, dass sich der in den letzten Jahren deutlich verjüngte Chor nach Corona wieder zu seiner vollen Stärke findet, fleißig übt und dass im Sommer dann wieder gemeinsam gefeiert werden kann.

Dass das gesellschaftliche Leben im Dorf wesentlich seit Corona eingeschränkt ist, wird auch daran deutlich, dass die sonst regelmäßig stattfindenden Stammtische im Gasthaus oder im "Moarhof" entfielen. Das Hofcafe Lüdke hat dieses Jahr überhaupt nicht geöffnet.


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Sicher haben viele auch auf das Küchlebacken des Gartenbauvereins am Radweg am Pfingstsonntag gewartet oder hätten gerne den Nussmarkt in Sammenheim im September besucht. Vor allem die Kinder haben sich sicher auf das Johannesfeuer gefreut. Auch Veranstaltungen des Schulhausvereins sind entfallen. Der Verein sorgte jedoch dafür, dass die Dorfjugend das ehemalige Schulhaus mit Bolz- und Kinderspielplatz hat immer gut im Rahmen der AHA-Regeln nutzen können. Neue Spielgeräte für Kleinkinder, aufgestellt vom Gartenbauverein, haben zudem die Attraktivität noch erhöht. Weitgehend entfallen sind aber die sonst hier üblichen Familienfeiern.

Feuerwehr unterstützt Kirchenvorstand

Die Feuerwehr dagegen hatte neben Verkehrssicherungseinsätzen auch ganz besondere Einsätze: Sie unterstützte den Kirchenvorstand bei der Einhaltung der Coronaregeln. Die Jugendwehr nutzte nach den Lockerungen im Hochsommer die Zeit, um unter Einhaltung der AHA-Regeln zu trainieren, konnte aber dann wegen des erneuten Lockdowns im September die Jugendspange nicht ablegen. Die meisten regulären Übungen sowie die turnusmäßige Leistungsprüfung mussten entfallen.

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Dem Militär- und Kriegerverein Windsfeld war es wichtig, dass am Volkstrauertag an den nicht selbstverständlichen 75-jährigen Frieden in Freiheit gemeinsam mit der Bevölkerung gedacht wurde, wenn auch ohne Posaunenchor. Die neue, gespendete Lautsprecheranlage der Kirchengemeinde ermöglichte dabei die Einhaltung der AHA-Regeln auf dem Friedhof. Kleine Abordnungen, auch der Feuerwehr, legten Kränze nieder.

Die konstituierende Sitzung des Gemeinderats konnte erst am 13. Mai mit Bevölkerung unter Corona-regeln in der Mehrzweckhalle in Dittenheim erfolgen. Gemeinderatssitzungen fanden zunächst nicht, dann nur selten statt und nicht, wie üblich im Sitzungszimmer des Rathauses, sondern im großen Gemeinschaftsraum des Dittenheimer Feuerwehrhauses. Besucher sind nur in begrenzter Zahl zugelassen. Das für den Austausch so wichtige gemeinsame Miteinander in einer Gaststätte entfiel.

Optimistisch ins neue Jahr

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"Vieles, was wir uns dieses Jahr vorgenommen hatten, fand also nicht statt. Doch gab es sicher auch Manches, an das wir uns gerne erinnern", stellte der Kreisvorsitzende in seinem Rundschreiben an die Obst- und Gartenbauvereine fest und forderte auf, mit den technischen Möglichkeiten der Videokonferenz – trotz Corona – optimistisch für das neue Jahr zu planen, wenn auch das ein oder andere der jeweiligen Situation angepasst werden muss.

Gerhard Durst

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