Zorn der Bauern auf Artur Auernhammer hält an

9.5.2021, 16:46 Uhr
MdB Auernhammer (rechts) stellte sich nach der CSU-Versammlung den Kritikern, doch als Alf Schmidt, Landwirt aus Thüringen, das Mikrofon ergriff und schärfsteWorte fand, war es mit der Kommunikation vorbei.

MdB Auernhammer (rechts) stellte sich nach der CSU-Versammlung den Kritikern, doch als Alf Schmidt, Landwirt aus Thüringen, das Mikrofon ergriff und schärfsteWorte fand, war es mit der Kommunikation vorbei. © Foto: Wolfgang Dressler

"Im Vorfeld wurde diese Gegenveranstaltung im Internet und den sozialen Medien entsprechend beworben, sodass mit einer Teilnehmerzahl von mehreren hundert Personen und möglichen Sicherheitsstörungen gerechnet werden musste. An dieser Versammlung nahmen in der Spitze rund 150 Personen teil, darunter überwiegend Landwirte. Außerdem wurden ca. 90 Traktoren sowie rund 30 Pkw mitgeführt", heißt es in der Bilanz der Polizei. Die Kundgebung dauerte bis etwa 13.30 Uhr und verlief ohne größere Sicherheitsstörungen. Lediglich im Vorfeld der Versammlung habe die Polizei einen Teilnehmer, der mit seinem Traktor eine gesperrte Zufahrtstrecke nutzte, kontrolliert und einen entsprechenden Platzverweis ausgesprochen. Die infektionsschutzrechtlichen Vorgaben seien überwiegend eingehalten worden.

Polizei zeigte starke Präsenz

Bemerkenswert an dem Geschehen war die sehr starke Polizeipräsenz. Die Sicherheitslage war, wie es die Polizeimeldung andeutet, als heikel eingestuft worden. Und das lag wiederum daran, dass sich die CSU, eigentlich eine bauernfreundliche Partei, und die Kundgebungsteilnehmer alles andere als grün waren. Im Brennpunkt des Geschehens: Landwirt und Bundestagsmitglied Artur Auernhammer aus Weißenburg.

Der Streit dreht sich weiterhin um die Agrarpolitik allgemein, die Ängste vieler Bauern vor einem wirtschaftlichen Niedergang und konkret um eine Demo am 27. Januar, dem Holocoaust-Gedenktag, in Berlin. Auernhammer hatte sich von dieser Demo an diesem Ort (am Holocaust-Mahnmal), noch dazu mit nach seiner Ansicht teils fragwürdigen Symbolen, distanziert. Die Gegenseite nahm ihm das mehr als übel, sprach von Verleumdung und Verrat. Die Empörung sei deshalb so groß, weil der CSU-Politiker die Demonstranten in eine politisch extreme Ecke gerückt habe.

Mit der CSU nichts mehr am Hut

All das kam am Samstag immer wieder hoch. Eine Beruhigung der Gemüter war nicht zu erkennen. Diese Landwirte jedenfalls – es gab Teilnehmer aus der Region wie auch von weiter weg – haben mit der CSU nichts mehr am Hut. Ein Teil der Demonstranten stammt aus dem Lager der Bewegung "Land schafft Verbindung" (LsV), aus der in Bayern der Verein "Landwirtschaft verbindet Bayern" hervorgegangen ist.

Bereits bevor die CSU mit ihrem Treffen begann, wurde von den Bauern unter anderem die Düngeverordnung heftig kritisiert. Auch das Insektenschutzgesetz geriet in den Fokus. Auernhammer sei nicht in Berlin, um irgendwelche "Blümchenwiesen" zu schaffen, er solle deshalb nicht mehr bei der Wahl im Herbst antreten. Es war aber auch von allgemeinen Nöten der Landwirte und vom fehlenden Ausgleich durch Schäden, die der Wolf anrichtet, die Rede.


73 Prozent sprachen sich für Artur Auernhammer aus


Als die CSU-Versammlung schloss, ging der soeben nominierte Auernhammer hinüber zu seinen Berufskollegen. Es stellte sich nach wenigen Minuten heraus, dass hier keine Verständigung mehr möglich ist. Der Wunsch des CSU-Politikers nach einer fairen Diskussion und seine Warnung davor, sich auseinanderdividieren zu lassen, weil man sonst keinen politischen Erfolg habe, verhallte. "Ich kann euren Zorn verstehen", sagte Auernhammer, blieb aber bei seiner Kritik an besagter Demo am Holocaust-Gedenktag. "Respekt vor diesem Gedenktag, das ist mir wichtig!" Ihm hätten Landwirte berichtet, sie wollten mit LsV nichts mehr zu tun haben.

Massive Vorwürfe

Von der Gegenseite kam der Vorwurf, Auernhammer sei ein Schwätzer und Spalter und die CSU zu einem landwirtschaftlichen Spaltungsverein geworden. LsV dagegen wolle nicht spalten, tue es auch nicht.


2020 protestierte die Bewegung "Land schafft Verbindung" auch in Nürnberg


Zu den Kritikern gehörte Rainer Seidl aus Niederbayern, Vorstand von "Landwirtschaft verbindet Bayern". Er blieb im Ton noch relativ moderat und versuchte, einen Austausch von Argumenten herbeizuführen. Davon war bei Alf Schmidt aus Thüringen nichts zu spüren. Er verwahrte sich dagegen, dass er selbst und seine Mitstreiter als Extremisten abgestempelt würden, ob links oder rechts. Er sei auch kein Mitglied der Querdenker. Auernhammer zeige sich als "Lügner".

Damit war das Maß voll und der sehr dünne Gesprächsfaden engültig gerissen. Die kleine CSU-Delegation verließ den Ort der Kundgebung. Der Stab zwischen diesen Bauern und der CSU scheint endgültig zerbrochen.

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