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Samstag, 08.08.2020

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Alternativen, Ängste und Hoffnung: Hersbrucker Gasthof-Chef im Interview

"Der Trend geht zum Glück dahin, die heimische Gastronomie zu unterstützen" - 05.04.2020 19:24 Uhr

Die Biergärten in Hersbruck und Umgebung, wie hier das Café Bauer, sind verwaist. Die Wirte bieten Abholservices an und hoffen, bald wieder zum normalen Betrieb zurückkehren zu können.


Was bekommen Sie von Ihren Kollegen mit: Wie ist die Stimmung unter den Gastronomen?

Peter Bauer: Wir haben alle Angst, denn jeder Tag, an dem wir kein Essen verkaufen oder kein Bett besetzen, kann nicht mehr reingeholt werden. In der Gastronomie kann man den Ausfall, der jetzt entsteht, danach nicht mehr kompensieren. Wir können die Übernachtungen dann nicht zum doppelten Preis verkaufen. Die Frage ist, wie lange es so wie jetzt weitergeht und wer auch im Anschluss noch durchhalten kann.

Wie werden die alternativen Angebote, wie Liefer- oder Abholdienst, angenommen?

Viele, wie auch wir, haben "To-Go"-Angebote. Wir bieten von Freitag bis Sonntag eine reduzierte Karte an. Unter der Woche ist weniger Bedarf, weil die Leute viele andere Essensmöglichkeiten haben. Außerdem wären die Betriebskosten für uns zu hoch. Aber generell werden die Angebote am Wochenende gut angenommen: Der Trend geht zum Glück dahin, die heimische Gastronomie zu unterstützen.

Wie handhabt es das Gasthof Restaurant Café Bauer beim Personal?

Unsere Mitarbeiter haben erst Überstunden abgebaut und sind dann in Kurzarbeit gegangen.

Die Personalsituation im Gastrobereich war schon vorher schwierig. Was denken Sie, wie sich die 
aktuelle Lage darauf auswirken wird?

Bei uns gibt es keine Entlassungen, wir und unser ganzes Team sind weiterhin motiviert. Allgemein müssen die Betriebe natürlich versuchen, ihre Leute zu halten. Sollten die Geschäfte nach der Krise nicht gut anlaufen, wird das vielleicht schwierig. Auch die Angestellten haben ja finanzielle Verpflichtungen. Aktuell müssen wir einfach abwarten, auf die Treue unserer Kunden hoffen und das Beste aus der Situation machen.

Wie viel Umsatz geht Ihnen durch die Beschränkungen verloren?

Das kann ich nicht einschätzen, dazu muss man die nächsten Wochen erst abwarten. Aber uns und vielen anderen Gasthöfen ist schon ab Mitte Februar das Geschäft eingebrochen, weil Messen abgesagt wurden.

Stichwort fehlende Erntehelfer: Gibt es bereits Engpässe bei den Lebensmitteln?

Nein, da spüren wir noch nichts. Es ist eher so, dass die Bauern weniger verkaufen, weil der Absatz durch die Gastronomie weniger wird. Auch die Kälte der vergangenen Wochen spielt mit rein, wodurch zum Beispiel der Spargel nicht gut wächst. Auf der anderen Seite sind die Gewächshäuser voll, aber es kann nicht genug geerntet werden.

Wie kommen die staatlichen Hilfen im Gastronomiebereich an?

In unserer Region weiß ich von nur wenigen Kollegen, die bereits finanzielle Mittel erhalten haben. Wir alle warten natürlich darauf, dass schnell reagiert wird. Was uns aber sehr hilft, sind die guten Infos des Gaststättenverbands. Die Dehoga Bayern hat zudem in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium viele Aktionen initiiert, zum Beispiel die Werbung für die heimische Gastronomie auf den Kanälen des Bayerischen Rundfunks. Viele Betriebe hoffen außerdem auf ihre Versicherung.

Wie meinen Sie das?

Es gibt Betriebsschließungs- und Betriebsausfallversicherungen, die alle möglichen Seuchen abdecken, aber eben kein Corona im Programm haben. Da laufen gerade Gespräche, ob und wie das angepasst werden kann. Ich hoffe, dass Kollegen, die schon jahrelang in diese Versicherungen einzahlen, jetzt zumindest einen Teil bekommen.

Falls die Regelung nach dem 20. April gelockert oder aufgehoben wird – wie könnte die Situation dann für Gaststätten aussehen?

Das kann bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner sagen. Wir hoffen, dass der normale Alltag so schnell wie möglich zurückkehrt.

Gibt es etwas, das trotz allem Hoffnung macht?

Die Stimmung ist zwar schlecht, aber jeder steht in den Startlöchern und ist gewillt, wieder loszulegen. Wir sind froh über unsere treuen Stammkunden. Und es hilft, dass wir alle in der gleichen Situation sind: Im Austausch mit Kollegen kann man sich gegenseitig aufbauen.


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Marina Gundel

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