Dienstag, 24.11.2020

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Bekommt Vorra einen Waldkindergarten?

Bewegungsfreiheit und naturnahes Spielen sind hier Programm - 19.11.2020 11:40 Uhr

Mathias Meier mit Milan, Katrin Brand und Elke Haertel mit Maja (v.l.) auf dem Grundstück, auf dem der Waldkindergarten entstehen soll.

17.11.2020 © M. Gundel


"Eigentlich ist es eher ein Naturkindergarten", erklärt Brand, als sie zusammen mit zwei ihrer Mitstreiter – Mathias Meier und Elke Haertel – das Grundstück betritt, auf dem künftig rund 20 Kinder betreut werden sollen. Der Hutanger, der an die Steinbruchstraße angrenzt, gehört der Wohngemeinschaft "Gemeinsam Sein in Vorra" und ist zurzeit als Kuhweide verpachtet. Das OK des Pächters, die Fläche umzunutzen, habe man bereits, sagt Brand.

Angefangen habe alles mit Brands Wunsch, dass ihr Sohn Milan so viel Zeit wie möglich in der Natur verbringen kann. "Ich habe gemerkt, dass er sich draußen einfach wohl fühlt", erzählt sie. Die Vorraerin suchte nach Gleichgesinnten und stieß schnell auf Interesse. "Der Bedarf nach weiteren Betreuungsplätzen ist da", wissen auch Mathias Meier und Elke Haertel.

Bewegung und Kontakt

Nach Besuchen in anderen Waldkindergärten war schnell klar, dass es dazu kein allzu großes Grundstück braucht: Die Kinder sollen sich "selbstständig bewegen und trotzdem immer den Blickkontakt zum Erzieher halten können", erklärt Meier. Viele Ausflüge werden angeboten, die das Konzept der Bewegungsfreiheit untermauern sollen.

Was für den Initiativkreis aus insgesamt neun Erwachsenen außerdem dazu gehört und in Waldkindergärten generell verankert ist, ist das naturnahe Spiel. "Es soll möglichst wenig vorgefertigtes Spielzeug geben", sagt Meier. Die Kinder sollen vielmehr selbst lernen, aus den vorhandenen Materialien etwas zu bauen und so ihre Kreativität fördern.

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Was die Kleinen dadurch auch mitbekämen, sei die Vergänglichkeit in der Natur, erklärt Evelyn Kittel-Kleigrewe, die die Kita-Aufsicht am Landratsamt innehat. Denn ein mit Blättern und Ästen gelegtes Mandala könnte am nächsten Tag schon wieder weg sein, während ein mit Stiften ausgemaltes Blatt Papier aufgehoben werden kann. "Andererseits ist ja immer genügend Material vorhanden, um etwas Neues zu erschaffen", so Kittel-Kleigrewe. Die Kinder erlebten zudem die Tages- und Jahreszeiten intensiver, nähmen Veränderungen auf Wald und Wiesen bewusster wahr und gingen dadurch sensibler mit der Natur um. Auch auf den Gleichgewichtssinn wirke sich das ständige Laufen auf unebenem Untergrund förderlich aus.

Noch eine Seltenheit

"Generell gibt es im Vergleich zu einem Regelkindergarten kein besser oder schlechter", sagt Kittel-Kleigrewe. Ein Waldkindergarten sei genauso für jeden geeignet, könne aber besonders für Kinder mit ADHS-Syndrom oder für solche, die mit räumlichen Grenzen schwer umgehen können, von Vorteil sein. Angst, dass der Nachwuchs öfter krank ist, weil er sich auch in der kalten Jahreszeit draußen aufhält, müsse man nicht haben: "Die Kinder sind immer in Bewegung und können auf Dauer sogar widerstandsfähiger werden." Trotzdem ist diese Art von Kinderbetreuung im Landkreis noch eine Seltenheit, die nur langsam Einzug hält: Drei Waldkindergärten gibt es aktuell, drei weitere sind geplant.

Was die Einrichtung aber trotz aller Naturverbundenheit vorweisen muss, ist ein Gebäude mit geschlossenen Räumen. Die Initiatoren denken dabei an eine Blockhütte oder ein Tiny-Haus. "Wichtig ist uns, dass das Gebäude durch ein Fahrgestell mobil bleibt", erklärt Elke Haertel. So soll das Prinzip "Gast in der Natur" gewährleistet sein. Kittel-Kleigrewe ergänzt, dass geschälte Baumstämme für einen Sitzkreis sowie einzelne abgesägte Stämme als Sitzgelegenheiten vorhanden sein sollten. Damit das Projekt eine Förderung von der Regierung erhält, sollte der Anschaffungswert über 100 000 Euro liegen, so die Kita-Aufsicht.

Seitens der Gemeinde und der Verwaltungsgemeinschaft freue man sich ebenfalls über das neue Projekt, sagt Vorras Bürgermeister Volker Herzog. Als "positiven Effekt" beschreibt der Rathauschef, dass die bestehenden Kitas entlastet würden. "Sie kommen langsam an ihre Grenzen", weiß Herzog. Wer die Trägerschaft übernimmt, sei noch offen, aber die Gemeinde "favorisiert die evangelische Kirche".

Die steht der Idee auch offen gegenüber, sagt Pfarrer Björn Schukat. "Für uns ist entscheidend, dass das Konzept von Kirchengemeinde und Eltern gleichermaßen getragen werden kann", erklärt er. Wenn die Kirche als Träger fungiert, habe sie natürlich das Interesse, die Kinder in ihrer religiösen Entwicklung zu begleiten. Es gebe "noch nichts Konkretes, aber wir sind auf einem guten Weg", sagt Schukat.

Mehr Platz für Kinder

Die Trägerschaft der Kirche hätte den zusätzlichen Vorteil, dass der Waldkindergarten einfacher mit dem Evangelischen Haus für Kinder zusammenarbeiten könnte. Die neue Einrichtung soll zwar autark sein, aber "wir unterstützen gerne, wenn Hilfe gebraucht wird", so Leiterin Petra Kuich. Wichtig sei ihr dann, dass das Konzept möglichst viele Eltern anspricht, damit eine Durchlässigkeit der beiden Kitas entsteht. Und natürlich würde das Platzproblem etwas entzerrt, betont auch Kuich: "Die Anzahl der Kinder bei uns hat sich innerhalb der letzten zwölf Jahre mehr als verdoppelt."

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Aktuell beschäftigt sich der Initiativkreis mit notwendigen Organisationsarbeiten für seinen Waldkindergarten: einen Eichenprozessionsspinnerbefall ausschließen, das Gelände ausmessen, die Baumbestände kartieren. "Bald wollen wir mit der Konzeption beginnen", sagt Brand. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Einrichtung im September 2021 eröffnen. Doch ein wichtiger Teil fehlt noch: eine Kindergartenleitung. "Wir haben viele Interessenten, die als Erzieher arbeiten möchten. Die meisten kommen als Quereinsteiger. Die Leitung braucht jedoch eine spezielle Ausbildung", erklärt Meier. Und je eher der Initiativkreis jemanden findet, desto mehr könne dieser auch das pädagogische Gerüst mitbestimmen.

Wer also einen staatlich anerkannten Abschluss als Erzieher/in, eine starke Affinität zur Natur, bestenfalls eine Wildnis-/ oder Waldpädagogikausbildung hat und gerne Verantwortung übernimmt, kann sich an kontakt@waldkindergarten-vorra.de wenden.

Marina Gundel

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