Dienstag, 26.01.2021

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Böllerverbot sorgte in Hersbruck für reichlich Diskussion

Stadtrat belässt es bei Status Quo - 24.11.2020 13:56 Uhr

Das Silvesterfeuerwerk über Hersbruck ist umstritten, rein rechtlich hat die Stadt allerdings kaum eine Chance, ein Böllerverbot zu erlassen, geschweige denn durchzusetzen.

23.11.2020


Zukunftswerkstatt, die Gruppe "Miteinander reden" und der Bund Naturschutz Hersbruck haben sich gegen Pyrotechnik in der Stadt ausgesprochen. Es geht nicht nur Silvester, sondern um das Lichterspektakel beim Sommerfest, Kratzers Weihnachtsfeuerwerk und private Feiern mit Raketen als Highlight. Matthias Brunner und Jasmin Kohl vom Bürgerbüro haben die Hintergründe ausgelotet.

So ist das Abbrennen von "Feuerwerken" laut Sprengstoffgesetz in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinderheimen, Seniorenheimen und brandempfindlichen Gebäuden verboten. Dicke Luft oder Umweltschutz kommt in den Regelungen nicht vor. Pyrotechniker dürfen ganzjährig (auf Privatgrund) Raketen steigen lassen, "Normalbürger" brauchen dafür zwischen dem 2. Januar und dem 30. Dezember eine Genehmigung der Stadt.

Personal reicht nicht

Nun fallen fast alle Häuser der Innenstadt und im Scheunenviertel laut Kreisbrandrat Norbert Thiel unter die Definition "brandempfindlich". Raketen können in offenstehende Dachböden eindringen und Feuer auslösen. Damit wären aber "bodennahe" Kracher und Fontänen weiter erlaubt.


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Es gibt ein weiteres Problem: die Durchsetzung eines großflächigen Verbots. Polizeichef Bernhard Distler hat in einer Stellungnahme ausgeschlossen, dass seine Mannschaft dies durchsetzen kann. Zum einen reicht die Personalstärke nicht, zum anderen sind die Beamten zum Jahreswechsel mit zum Beispiel den "Auswirkungen exzessiven Alkoholkonsums" im gesamten Dienstbezirk eh schon ausgelastet. Eine Statistik der Ordnungshüter aus den letzten Silvesternächten zeigt, dass die Knallerei kaum zu Problemen führte – mal abgesehen von kokelnden Mülltonnen 2016 und 2019.

Matthias Brunner und Jasmin Kohl waren sich zudem sicher, dass Verbote in einzelnen Bereichen nur zu einer Verlagerung des Feuerwerks führen. Das gewünschte Hauptziel der Kritiker – eine Reduzierung des Feinstaubs – wäre so also nicht zu schaffen.

Bürgermeister Robert Ilg sprach sich angesichts der rechtlichen Lage dafür aus, an Silvester den Status Quo beizubehalten. Götz Reichel ("Wir möchten das Feuerwerk zum Jahreswechsel grundsätzlich nicht verbieten."), Jürgen Amann ("Die Mehrheit will feiern.") und Peter Uschalt ("Tradition") pflichteten dem bei.

Appellieren kann jeder

Angelika Pflaum, Dorothea Müller Philipps Sohn und Dr. Thomas Träg hätten sich aber zumindest einen Appell zu mehr Rücksichtnahme, Zurückhaltung oder Vernunft gewünscht. "Wenn der Stadtrat das sagt, hat das mehr Gewicht", meinte Thomas Träg. Robert Ilg sah dies eher kritisch: "Wir sollten bei unseren Zuständigkeiten bleiben. Einen Appell kann jeder, jede Fraktion, jede Partei machen."

Einigkeit herrschte im Fall der Ablehnung privater Feuerwerke. Jürgen Amann hatte in einer früheren Sitzung auf die nächtliche Lärmbelastung der Anwohner um die Dauphin Speed Event in der Hersbrucker Südstadt durch explodierende Raketen hingewiesen. Die Betreiber der Halle haben entsprechend reagiert, was Achim Stötzner begrüßte.

Pro und contra

Angelika Pflaum warb für umweltfreundlichere Alternativen wie Lasershows am Himmel und regte an, dass die Stadt mit den Veranstaltern des Sommerfestes und des Weihnachtsfeuerwerks reden solle. "Es sind Besuchermagnete", wandte Peter Uschalt ein, während Robert Ilg an die "vielen strahlenden Kinderaugen" bei diesen Ereignissen erinnerte.


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Auf Antrag von Dorothea Müller Philipps Sohn wurde der Beschlussvorschlag gesplittet. In Abstimmung eins war die Grünen-Stadträtin als einzige für Einschränkungen durch die Stadt beim Silvesterfeuerwerk, die anderen neun Mitglieder des Hauptverwaltungsausschusses möchten die freie Regelung beibehalten (außer es kommen Vorgaben wegen der Corona-Pandemie). In Abstimmung zwei votierten dann alle dafür, dass Hersbruck über Interessenverbände gesetzliche Änderungen anregt und weiterhin Ausnahmegenehmigungen an "Nichtprofessionelle" zum Abbrennen von Pyrotechnik konsequent ablehnt.

Jürgen Ruppert

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