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Corona führt Konfessionen in Schulen zusammen

Schüler verschiedener Konfessionen, ein Religionsunterricht - 27.11.2020 10:17 Uhr

Nach einer Empfehlung des Kultusministeriums ist nun auch in Bayern konfessionell gemischter Unterricht möglich – der Grund: die Corona-Krise.

26.11.2020


In Bayern garantiert die Verfassung nicht nur die Religionsfreiheit, sondern auch einen konfessionsgebundenen Unterricht. Deshalb wurden bisher evangelische, katholische und konfessionslose Schüler sowie solche mit einer anderen Glaubensrichtung aus mehreren Klassen zusammengezogen. Doch die Corona-Krise macht vieles möglich – so auch einen Mix der Konfessionen im Unterricht. Laut Kultusminister Michael Piazolo handelt es sich um "ein Angebot an die Schulen" – ist also nicht verpflichtend.

Die Grundschule Reichenschwand setzt das Modell schon seit Anfang November um, erzählt Pfarrerin Lisa Weniger. In ihrem Religionsunterricht in der vierten Klasse sitzen seitdem neben Protestanten auch Katholiken. Vorher seien letztere aus drei verschiedenen Klassen für den Unterricht zusammengekommen. Die Umstellung sei aber "sehr unkompliziert" gewesen, sagt Weniger. Zudem habe man sich an der Einrichtung auf einen Kompromiss geeinigt: An einem Tag in der Woche haben die katholischen Schüler gemeinsam mit den evangelischen Unterricht, an einem weiteren werden sie mit Kindern der gleichen Konfession aus einer weiteren Klasse unterrichtet.

Gemeinsame Inhalte

Für sie als Lehrerin halte sich der Aufwand in Grenzen: "Die Geschichten aus der Bibel sind für alle Konfessionen interessant", ist Weniger überzeugt. Gerade in der Adventszeit und mit Blick auf Weihnachten seien die Inhalte dieselben. Außerdem sei die Situation für sie "nichts Neues" – hatte sie doch schon öfter zum Beispiel konfessionslose Schüler in ihrer Klasse, weil es im Ort keinen Ethikunterricht gibt.

Dazu ist – genauso wie für das konfessionsübergreifende Modell – die Zustimmung der Eltern nötig. "Die meisten haben sich aber dafür entschieden, dass ihr Kind den evangelischen Unterricht mit besucht, auch, um etwas von den religiösen Werten in ihrem Heimatort mitzunehmen", erzählt die Pfarrerin. Sie habe diesen auch die Möglichkeit gegeben, von ihrem eigenen Glauben zu erzählen.


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Deshalb sieht sie in den neuen Kombiklassen eine große Chance für die Ökumene und den respektvollen Umgang miteinander. "Wir können erfahren, was uns eint", sagt Weniger. Das sei es auch, was der Ausdruck "weltanschaulich sensibel" (Piazolo) bedeute: Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen herausstellen, eine andere Konfession nicht schlechtreden oder jemandem einen Glauben "überstülpen" wollen. Dennoch gibt sie zu, dass die Methode in Reichenschwand "einfacher" umzusetzen sei, weil keine weiteren Glaubensrichtungen vertreten sind.

Viel Absprache

Etwas aufwendiger gestaltet sich das neue Modell an der Grete-Schickedanz-Mittelschule in Hersbruck. Auch hier werden seit den Herbstferien die Konfessionen und Religionen nicht mehr getrennt. Die Herausforderung für die Religionslehrer sei, allen gerecht zu werden, erklärt Schulleiter Franz Altmann. Denn es werden zum Beispiel auch muslimische Schüler unterrichtet, die normalerweise Ethik gewählt hatten. Deshalb stünden vor allem Themen im Vordergrund, die sich in allen Glaubensrichtungen überschneiden – die Diakoniearbeit zum Beispiel. "Die Religionslehrer sprechen sich ab, welche Inhalte vermittelt werden", sagt Altmann.

Dass Schüler oder Eltern die Alternative ablehnen, sei ihm bisher noch nicht zu Ohren gekommen. "Es ist gut, wenn sich die Klasse gemeinsam Gedanken über weltanschauliche Themen macht – das passt zur aktuellen Zeit", so der Rektor.

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"Ein hohes Gut"

Am Paul-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck dagegen habe man "keine Notwendigkeit" für einen konfessionsübergreifenden Unterricht gesehen, erzählt Pfarrer Roland Klein, der dort katholische Religion lehrt. "In großen Schulen wie dem Gymnasium müsste vieles neu konzipiert und aufwendig organisiert werden", erklärt Klein. Direktor Klaus Neunhoeffer fügt an, dass für die Schul- und Fachschaftsleitung neben dem großen organisatorischen Aufwand – alle Religionslehrer müssten sich einig sein und das Einverständnis von rund 800 Eltern eingeholt werden – besonders das Recht auf einen Religionsunterricht in der eigenen Konfession eine große Rolle spiele. "Das ist ein hohes Gut", sagt Neunhoeffer.

Zudem würden an weiterführenden Schulen wie dem PPG vor allem Schüler der Mittel- und Oberstufe auch andere Kurse, wie Sport oder Fremdsprachen, klassenübergreifend besuchen. "Wir haben die Entscheidung abgewogen und sehen es jetzt nicht als die dringendste Aufgabe", so der Rektor.

Marina Gundel

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