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Corona-Schutzimpfung: Hausärzte ziehen ein positives Fazit

Hausärzte zeigen sich mit Impfkampagne größtenteils begeistert - 26.04.2021 12:45 Uhr

"Ich bin so glücklich", sagt Dr. Johannes Seitz von der chirurgisch-orthopädischen Gemeinschaftspraxis in Hersbruck. Obwohl kein "klassischer" Hausarzt stand es für ihn und seine Kollegen außer Frage, sich an der Impfkampagne zu beteiligen.

Es sei gut, dass die Niedergelassenen nun nicht mehr ausgebremst sind. Zusätzliche Impfzentren – wie auch im Landkreis angedacht – bräuchte es jetzt nicht mehr: "In den Praxen sind die Strukturen für eine erfolgreiche Impfkampagne vorhanden – und wir kennen unsere Patienten." Deshalb filtern Hausärzte auch immer wieder Menschen heraus, die bei der automatisierten Registrierung durchs Raster fielen – etwa Selbstständige, die mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten.

Auch Worte heilen

In der ersten Woche konnte Seitz 23 Dosen verabreichen, elf davon bei Hausbesuchen. Das Impfen dieser sogenannten "immobilen Patienten" koste zwar etwas mehr Zeit als der Pieks in der Praxis, gebe aber die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen. Und die seien oft wertvoller als ein Medikament: "Ich heile eben nicht nur mit dem Messer", sagt Seitz.

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Die Patienten sind ebenfalls glücklich darüber, dass die Hausärzte jetzt im Impf-Boot sitzen, hat Claudia Krönert-Meßing beobachtet. Diese Augenblicke lassen sie dann auch vergessen, dass die Organisation der Impftermine "sehr anstrengend" ist – von den vielen Telefonaten, um herauszufinden, welche Patienten noch nicht im Impfzentrum waren und trotzdem geimpft werden wollen bis hin zum Aufklärungsgespräch und dem Ausfüllen des dazugehörigen Formulars. "Das Impfen selbst dauert dann nur eine Minute, und auch die Nachbeobachtung ist kein Problem", sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Hersbruck.

Patienten helfen mit

Gleiches gelte für die Dokumentation auf dem eigens eingerichteten Portal der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die die gesammelten (anonymen) Zahlen dann ans Robert-Koch-Institut weitergibt. Um sie ein wenig zu entlasten, bittet sie Patienten, die bei ihr geimpft wurden, aber noch beim Impfzentrum registriert sind, sich dort selbst abzumelden.

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Eines aber ärgert sie schon: die sich immer wieder mal kurzfristig ändernden oder verspätet weitergegebenen Vorgaben aus der Politik oder von der Ständigen Impfkommission – etwa zum Zeitpunkt der zweiten Impfung mit dem Wirkstoff von Biontech-Pfizer (erst nach drei, nun nach sechs Wochen). "Das kennen wir auch von anderen Fällen, aber wir brauchen jetzt umso mehr Aussagen, die verlässlich sind – vor allem von Behörden wie dem RKI oder der KV", sagt Dr. Krönert-Meßing.

Gut verträglich

Ein durch und durch positives Fazit der ersten Wochen zieht Dr. Martin Müller aus Hersbruck – aus medizinischer Sicht ebenso wie im Hinblick auf die überschwängliche Freude vieler Patienten nach der Schutzimpfung oder was die gute Verträglichkeit der Impfstoffe angeht: "Bei uns läuft es super und absolut reibungslos." Das im Vorfeld penibel ausgearbeitete Konzept, um die Impfsprechstunde und die Hausbesuche bei immobilen Patienten in den übrigen Praxisablauf mit der "normalen" Sprechstunde und den Angeboten für Corona-Infektionen und Tests einzubinden, "funktioniert einwandfrei", sagt er.

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Einziges Manko: die nach wie vor zu knappe Versorgung mit den Impfstoffen. "Wir könnten deutlich mehr als die derzeit gelieferten 20 Dosen verimpfen", sagt Müller. Wenn sich das, wie von Gesundheitsminister Jens Spahn wiederholt angekündigt, in den kommenden Wochen ändert, "können wir unsere Kapazitäten sehr schnell hochfahren". Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Dr. Heinrich Grimm aus dem Ruhestand in seine frühere Praxis zurückgekehrt ist, um seinen Nachfolger zu unterstützen.

Lieber der Hausarzt

Auch Dr. Matthias Wagner ist vom Impfen in den Hausarztpraxen sehr angetan. Zwar habe er – wie etwa auch Dr. Krönert-Meßing – in dieser Woche deutlich weniger Impfstoff bekommen als bestellt, die Reaktionen seiner Patienten aber lassen für ihn keinen Zweifel, dass das Impfen in den Hausarztpraxen der richtige Weg ist: "Die Freude und Erleichterung ist richtig zu spüren", sagt er.

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Bei der Recherche – und das gilt auch für viele andere niedergelassene Kollegen – stieß sein Team auf erstaunlich viele aus der Priorisierungsgruppe 1, die sich noch nicht einmal registrieren ließen und lieber auf den erlösenden Nadelstich beim Arzt ihres Vertrauens warteten. Auch das ein deutlicher Beleg dafür, wie wichtig es war, die Hausärzte endlich in die Impfkampagne einzubinden.

Warteliste wächst

Trotz maximal automatisierter und gut strukturierter Abläufe und obwohl er in den ersten Wochen jeweils rund 70 Patienten die erste Corona-Schutzimpfung injizieren konnte, sei die Warteliste von anfangs rund 400 auf inzwischen über 500 gewachsen. "Hätten wir genug Impfstoff, könnten wir auch Sonderimpftage machen – das hätte aber nur Sinn, wenn wir 200 Dosen bekommen", sagt Dr. Wagner.

Klaus Porta

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