Vorsicht vor Brennhaaren

Eichenprozessionsspinner: Gefahr für Menschen

8.7.2021, 15:55 Uhr
Die meterlangen Prozessionen der Raupen auf dem Stamm der Eichen haben dem Eichenprozessionsspinner zu seinem Namen verholfen.

Die meterlangen Prozessionen der Raupen auf dem Stamm der Eichen haben dem Eichenprozessionsspinner zu seinem Namen verholfen. © Udo Schuster

Der Eichenprozessionsspinner bevorzugt Einzelbäume und lichte Eichenwälder. Er befällt jedoch bei Massenvermehrung auch große Waldgebiete. Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzelne Eichen in Parks, Alleen, auf Parkplätzen und an Waldrändern.

Starke Ausbreitung

Auch deshalb war in den vergangenen Jahren oft die Allee neben dem Schnaittacher Freibad gesperrt. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den sogenannten Johannistrieb als zweiten Blattaustrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen. Nur bei mehrjährig aufeinanderfolgendem, starkem Fraßbild wird die Vitalität der Eiche stark geschwächt.

Mit solchen Warnhinweisen weisen Forstleute auf die Gesundheitsgefahr durch den Eichenprozessionsspinner hin.

Mit solchen Warnhinweisen weisen Forstleute auf die Gesundheitsgefahr durch den Eichenprozessionsspinner hin. © Schuster

Eine Bekämpfung war früher nicht notwendig. Seit 1995 ist jedoch eine starke Zunahme dieser früher eher seltenen Schmetterlingsart in Unter- und Mittelfranken sowie im westlichen Oberfranken zu verzeichnen, berichtet Michael Ludwig, Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten. Vorwiegend in trockenen Jahren kann es zur Massenvermehrung des Schädlings kommen.

Gefahr für die Gesundheit

Neben den Fraßschäden liegt die eigentliche Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners in den gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen. Die Haare der Raupen führen zu Allergien. Gesundheitliche Beschwerden können während des gesamten Jahres entstehen.

Besonders betroffen sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an der Innenseite der Ellenbogen. Bei Auftreten von allergischen Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Vorrangig muss eine Bekämpfung deshalb dort in Erwägung gezogen werden, wo Menschen durch die Gifthaare gefährdet sind und eine Absperrung des befallenen Geländes für längere Zeit unmöglich ist, wie beispielsweise Spielplätze.

Zuständig bei der Abwehr der Gesundheitsgefahr auf öffentlichem Gelände sind die Gemeinden. Im Wald selbst ist der Schädling als waldtypische Gefahr zu sehen. Dennoch hat Förster Ludwig auch an einigen Waldwegen und Pfaden Hinweise mit Warnungen zum Eichenprozessionsspinner angebracht. „Allergische Reaktionen entstehen meist nicht durch bloßen Aufenthalt im Eichenwald, sondern nur durch direktes Berühren der Raupen oder deren Nester“, sagt Elmar Schmidtmeyer vom Forstrevier Schnaittach.

Schlüpfen Anfang Mai

Ein Prozessionsspinner-Weibchen legt im Mittel rund 150 etwa ein Millimeter große weiße Eier im oberen Kronenbereich von Eichen. Bereits im Herbst entwickelt sich der Embryo, die fertige Jungraupe überwintert im Ei. Anfang Mai schlüpfen die gefährlichen Raupen.

Die Verpuppung erfolgt Ende Juni bis Anfang Juli in dichten Kokons in Gespinstnestern. Ab dem dritten Larvenstadium wachsen den Raupen sehr feine Brennhaare, die leicht brechen und bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden.

Gesellige Kerlchen

Von Beginn an leben die Eichenprozessionsspinner in geselligen Familienverbänden und sammeln sich nestartig an zusammengesponnenen Blättern oder Zweigen. Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber und zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester am Stamm und in Astgabelungen von Eichen zurück.

Von dort aus begeben sich die Eichenprozessionsspinner-Raupen wie in einer Prozession (daher der Name) auf Nahrungssuche. 20 bis 30 ältere Raupen können dabei nebeneinander her wandern und Prozessionen von mehr als zehn Meter Länge bilden.

Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde, darunter auch der Kuckuck, der die behaarten Raupen trotz der Brennhaare verspeist.

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