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Franken: Videokonferenz zum Thema Wolf

Landesamt für Umweltschutz hat zu rundem Tisch eingeladen - 24.03.2021 14:34 Uhr

Werner Wolf (rechts) und Dieter Morner blicken sorgenvoll in den offenen Stall in Viehhofen, denn sie wissen nicht, wie sie ihre Tiere effektiv schützen können.

24.03.2021 © U. Schuster


Seit Ende letzter Woche ist es amtlich bestätigt: Es war ein Wolf, der vor einigen Wochen an der Landkreisgrenze zu Oberfranken eine blutige Hetzjagd in zwei Wildgehegen praktizierte. Freitagnachmittag wurden wieder sechs Wölfe um Münzinghof gesehen.

Das Thema bewegt, weshalb eine überregionale Videokonferenz mit rund 60 Teilnehmern stattfand. Eingeladen hatte das Landesamt für Umweltschutz. Neben den Geschädigten waren auch Vertreter von landwirtschaftlichen Institutionen, wie der Kreisobmann des Bauernverbands, Günther Felßner, und der Vorsitzende der Schafhalter Vereinigung im Nürnberger Land, Gerhard Pfister aus Simonshofen, in der Konferenz mit dabei. Weitere Teilnehmer am "runden Tisch" waren die Bürgermeister Herbert Seitz aus Velden, Claus Meyer aus Betzenstein sowie Josef Springer aus Neuhaus.

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Vor rund fünf Jahren wurde der Wolf zum ersten Mal wahrgenommen, als die ersten Risse im Nürnberger Land im Grenzbereich zum Veldensteiner Forst bekannt wurden, berichtete Springer.

Spaziergang durchs Dorf

Neben den bekannten Wildrissen waren die Wölfe für die Bevölkerung bis Jahresbeginn nicht spürbar und man lebte mit dem Wissen, dass sich hier im angrenzenden Forst zwischen Pegnitz und Neuhaus ein Rudel Wölfe niedergelassen hatte, so Springer. Anfang Januar 2021 liefen Wölfe tagsüber durch die Dörfer Höfen und Mosenberg. "Das war dann der Moment, an dem ich mich direkt an Umweltminister Thorsten Glauber gewandt habe", erzählte Springer.

Persönlich gehe er davon aus, dass das Nahrungsangebot im Veldensteiner Forst nicht mehr ausreiche und die Wölfe deshalb im sogenannten "Offenland" unterwegs seien. "Die Bewohner fühlen sich vor allem auch hinsichtlich der Kinder bedroht. Dazu kommen Ängste vor Rissen auf deren Nutz- und Haustiere." Die Frage sei, wie die weitere Entwicklung aussehe? Deshalb forderte Springer, dass die Bevölkerung umfänglich über den Wolf und dessen Verhaltensweisen bei einem möglichen Zusammentreffen informiert werden müsse. Ein ständiges "Wolfs-Monitoring" nütze wenig, wenn sich daraus keine Maßnahmen ableiten, so Springer.

1000 als gute Zahl

Pfister berichtete, dass sich nicht alle Länder an die EU-Gesetzgebung halten, und fordert, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen. Der jährliche Zuwachs der Wolfspopulation von rund 30 Prozent habe in Deutschland zu einer großen Anzahl geführt und das obwohl auch durch den Straßenverkehr immer wieder Tiere getötet würden. Geschätzt seien es bereits mehr als 2000 Tiere. Von Seiten des Naturschutzes werde die Zahl 1000 für einen guten Erhaltungszustand genannt, sagte Pfister.

Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf hatte sich am Vortag bei einigen Weidetierhaltern persönlich umgesehen, um sich deren Sorgen und Nöte anzuhören. Auch wenn die Landwirte und die Dorfbevölkerung rund um den Veldensteiner Forst den Wolf nicht gänzlich lieber im Tiergarten sehen wollen, stehen jedoch die Ängste um ihre Kinder, die im Wald spielen, sowie um die Weidetiere deutlich im Vordergrund. Heute greife sich der Wolf durch seinen angeborenen Beutereflex noch Tiere, aber was werde sein, wenn er gelernt habe, dass der Mensch keine Gefahr für ihn darstelle, fragten sie sich.

Auf die Weide?

Ein ganz großes Problem sähen die Weidetierhalter auf sich zukommen, wenn das Vieh auf die Weiden in der kleinstrukturierten Frankenalb gebracht werde, so Wolf.

"Zwischen den beiden Vorfällen von Riegelstein und Illafeld war der Wolf bei uns am Stall", berichtet Konrad Leipold aus Henneberg. Kurz nach Mitternacht sei die Familie aufgewacht, weil ihre Kühe völlig unnormal geschrien hatten. Der junge Landwirt rannte zum Stall und sah, dass sich die Kühe, teilweise blutverschmiert, in einer Ecke drängten. Eine Kuh lag am Boden, die sich durch das Gerangel das Horn abgerissen hatte. Bei einer Kontrolle mit einem Jäger fand dieser eindeutige Wolfsspuren um den Stall.

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Die Herde sei noch über eine Woche sehr unruhig und das Melken sei erschwert gewesen. Kurz darauf wurden am Ortsrand erneut Wolfsspuren entdeckt. "Die oftmals angesprochenen Herdenschutzhunde machen für unsere Weidehaltung mit Wald und Hügelgelände wenig Sinn", sagt Leipold. Zudem koste so ein Tier – selbst bei einer Förderung – Geld und Zeit.

Mit Radio und Licht

In Viehhofen sind Gisela und Dieter Morner sehr besorgt um ihre Mutterkuhhaltung der Rasse Charolais. Die Rinder weiden artgerecht normalerweise von April bis Ende Oktober auf den Weiden in der Nähe des Hofes. Gisela Morner berichtet über eigene Wolfs-Erlebnisse: Vor einem Jahr beobachtete sie einen einzelnen Wolf, der um die Zäune schlich. Die Kühe seien im Laufhof durch einen einbetoniertem Zaun mit Schutzplanken gesichert gewesen. Plötzlich kam Panik auf, die Tiere rannten gegen die Umzäunung und schauten aufgeregt in die Richtung des Wolfs, erinnert sie sich.

"Nachdem ich nicht von der Seite der Kälber wich, lief der Wolf gemächlichen Schrittes in den Wald zurück." In der Nacht laufe nun in Stallnähe ein Radio und einige Scheinwerfer mit Bewegungsmelder hat Dieter Morner auch noch montiert. Nächtliche Kontrollgänge seien obligatorisch geworden.

Udo Schuster

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