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Fränkisches Krankenhaus soll wegen Corona reaktiviert werden

Klinikstandort Hersbruck könnte Teil eines bayernweiten Konzepts sein - 25.03.2020 18:09 Uhr

Im Mai 2019 ist das Krankenhaus in Hersbruck geschlossen worden. Um genügend Betten für Corona-Patienten zur Verfügung zu haben, könnte es reaktiviert werden. © Foto: Nicolas Armer, dpa


Das Krankenhaus, um dessen Fortbestand politisch heftig gerungen worden war, werde nach Informationen des Landratsamtes in Lauf an der Pegnitz im Rahmen des bayernweiten Ausbaus der Bettenkapazitäten für Corona-Infizierte aller Voraussicht nach wieder in Betrieb gehen, und zwar unter staatlicher Regie. "Aller Voraussicht nach wird Hersbruck Teil des bayernweiten Konzeptes sein", sagte Landrat Armin Kroder (FW) in einem Gespräch mit der "Pegnitz-Zeitung", dem gemeinsamen Lokalteil von NZ und NN. Man warte bereits auf die Freigabe des Gesundheitsministeriums, um notwendige Ertüchtigungsmaßnahmen an dem Gebäude durchführen zu können. Allein im Landkreis Nürnberger Land gibt es derzeit rund 100 mit dem Virus infizierte Menschen.


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Er persönlich hielte das für eine gute Lösung, sagte Kroder. "Bevor wir Patienten in Turnhallen oder gar in Zelten unterbringen, ist es richtig, sie nach Hersbruck zu bringen", betonte Kroder. Ob es so weit kommt, ist noch völlig offen. "Es ist ja auch noch nicht gesagt, dass wir das Haus brauchen. Es geht darum, Kapazitäten zu schaffen, falls die Zahl der Erkrankten im Landkreis Nürnberger Land steigt", so Kroder.

Ärzte und Pfleger der Bundeswehr als Personal

Nach all dem, was man am Landratsamt wisse, sei es möglich, das Klinikgebäude in Hersbruck in verhältnismäßig kurzer Zeit und ohne großen Aufwand zu ertüchtigen. Man sei hier bereits im Gespräch mit dem Klinikum. Eine mögliche Inbetriebnahme im Krisenmodus bedeute sicher auch erstmal keine grundsätzliche Rücknahme der Schließung. "Ich denke, eine politische Diskussion darüber wäre jetzt momentan fehl am Platz", so Kroder.


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Arbeiten sollen in Hersbruck Ärzte und Pfleger der Bundeswehr. Auch Personal von derzeit geschlossenen Reha-Kliniken in der Region wird wohl zum Einsatz kommen.

Das Klinikum Nürnberg wird nach aktuellem Stand in den Betrieb nicht involviert, obwohl es nach wie vor Eigner der Immobilie ist. Dort sei man voll damit beschäftigt, die Häuser in Lauf und Altdorf am Laufen zu halten, meinte Landrat Kroder. "Da gibt es keine Kapazitäten für die Verwaltung und Betreuung eines weiteren Hauses."Aktuell gibt es im Nürnberger Land zwei Todesfälle nach einer Corona-Erkrankung, zehn Patienten werden stationär im Krankenhaus versorgt.

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Betrieb Ende Mai 2019 eingestellt.

Die Schließung des Hersbrucker Krankenhauses hatte über Jahre hinweg die Politik beschäftigt und wütende Bürgerproteste hervorgerufen. Nachdem im Frühjahr 2019 die letzten Belegärzte kündigten, wurde der Betrieb, der noch bis 2022 hätte laufen sollen, Ende Mai 2019 eingestellt. Zuletzt hatte das Haus noch 48 Betten. Sie sollten nach und nach nach Lauf an das dortige Kreiskrankenhaus verlegt werden.


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Auch die fünf Krankenhäuser der Bundeswehr in Ulm, Koblenz, Berlin, Hamburg und Westerstede (Niedersachsen) bereiten sich darauf vor, Corona-Patienten aufzunehmen. "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt", sagt der Leiter der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Oberstarzt Matthias Helm. "Wir spielen alle Szenarien durch."

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Zwei Intensivstationen hat das Krankenhaus auch zu normalen Zeiten. Eine dritte ist vorbereitet, die vierte folgt in den nächsten Tagen, so dass derzeit rund 40 Patienten aufgenommen werden können. Insgesamt hat die Klinik der Bundeswehr in Ulm knapp 500 Betten. Und wenn es hart auf hart kommen sollte, könne man auch das ganze Haus mit Covid-19-Patienten füllen, sagt Helm. Derzeit sei das Krankenhaus auch mit Schutzausrüstungen und anderen Materialien gut versorgt. "Wir haben eine Reserve von zwei bis vier Wochen." Wenn allerdings der große Ansturm komme, könne es auch knapp werden. Eine größere Menge an Ausrüstung sei daher auch schon bestellt und unterwegs.


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Isabel Krieger

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