Geburt im Hagelschauer: Nachwuchs bei den Kamelen in Vorra

29.3.2021, 16:29 Uhr
„Sonja“ hat immer ein Auge auf ihren Nachwuchs, einen kleinen Hengst, der noch einen Namen braucht. Die beiden gehören zur Art der Trampeltiere.

„Sonja“ hat immer ein Auge auf ihren Nachwuchs, einen kleinen Hengst, der noch einen Namen braucht. Die beiden gehören zur Art der Trampeltiere.

Vor gut zwei Jahren hat sich Steffen Luther seinen Traum erfüllt und wurde „Kamelpapa“. Schon länger habe der gelernte Zootierpfleger mit dem Gedanken gespielt, sich eigene Tiere zu halten. Schließlich fand er in der Wohngemeinschaft „Gemeinsam Sein“ in Vorra eine neue Heimat, die gleichzeitig passende große Flächen als Weide bietet. Denn zu dem ehemaligen landwirtschaftlichen Gelände bei einem alten Steinbruch gehören große Wiesen sowie eine alte Lagerhalle, die sich optimal als Unterstand für die Tiere nutzen lässt. Und die Weiden bieten einen weiteren Vorteil: Der dortige Kalkmagerrasen ist ideal für die Wüstentiere. „Gras mit zu viel Eiweiß wäre schlecht für sie“, erklärt Luther.

Vater aus dem Zirkus

Die drei erwachsenen Kamele – zwei Stuten und ein Hengst – stammen jeweils aus einem Zirkus, einem Beweidungsprojekt und einem Reitbetrieb, erzählt der Wahl-Vorraer, der jahrelang in Nürnberg lebte. Vor zwei Jahren brachte Stute „Sonja“, die bereits trächtig zu Luther kam, ihr erstes Fohlen zur Welt. Nun wurde sie zum zweiten Mal Mama. „Den Vater habe ich von einem Zirkus ausgeliehen, er war rund einen Monat bei uns“, sagt Luther. 14 Monate später kam nun, „im Hagelschauer“, wie Luther erzählt, der kleine plüschige Nachwuchs zur Welt, ein Männchen, das noch einen Namen braucht. Für die Geburt habe sich seine Mutter möglichst weit von der Herde entfernt in einem Eck auf der Weide niedergelassen. „So machen es auch die Tiere in freier Wildbahn“, weiß der Zootierpfleger.

Verwandte in Kasachstan

Die Wüstenschiffe in Vorra gehören den Trampeltieren an, die zusammen mit den Dromedaren zu der Gattung der „Altweltkamele“ zählen. Als sogenannte Neuweltkamele sind bei uns Alpakas und Lamas bekannt. Die wilden Verwandten von Luthers Tieren leben vor allem in Kasachstan.Ihre ruhige Art sei es, die Luther besonders an den Tieren fasziniert, erzählt er. „Das ist Entspannung pur.“ Außerdem findet er sie spannender als zum Beispiel Pferde, weil Kamele ein eher störrisches Gemüt ähnlich wie Esel hätten. Das mache es herausfordernder, mit ihnen zu arbeiten. Andererseits seien sie in der Haltung relativ genügsam und benötigen hauptsächlich eine große Weide mit einem Unterstand. Der sei wichtig, dass die Tiere nach einem Regen nicht krank werden.

Fett statt Wasser

Kamele speichern Wasser in ihren Höckern – das ist ein hartnäckiges Gerücht, das sich nach wie vor hält. Tatsächlich aber befindet sich hauptsächlich Fett darin. „Wasser speichern sie im Blut“, erklärt der Experte. Wilde Tiere, die trainiert sind, könnten wochenlang ohne Wasser auskommen. Domestizierte Kamele, wie seine, die ständig Zugang dazu haben, würden dagegen verdursten.Die Freude an seinen Trampeltieren will Luther auch mit anderen teilen. Deshalb bietet er Kamelwanderungen an, die aktuell wegen bekannter Umstände nicht stattfinden können. Vor allem Kinder fänden durch anfängliches Kennenlernen mit Striegeln und Streicheln schnell Zugang zu den großen Tieren. Luthers Ziel ist es, eine Kombination aus diesen Touren und der Kamelzucht aufzubauen. Aktuell hat er die Genehmigung für fünf erwachsene Tiere.

Keine Kommentare