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Geldstrafe und Bewährung für Besitz von Kinderpornografie

Mit dem Handy Bilder und Videos verschickt - Angeklagter: War nur Phase - 09.09.2014 08:04 Uhr

Wer mit den abstoßenden Bildern oder Videos handelt oder sie sich auf Handy oder PC lädt, nimmt damit das unermessliche Leid der Opfer in Kauf und unterstützt Kindesmissbrauch. So wie Michael R.*. Er ist 55 Jahre alt, sitzt halbseitig gelähmt im Rollstuhl, der Antrag auf Rente ist eingereicht, als Lagerarbeiter wird er aufgrund seiner desolaten Gesundheit nicht mehr arbeiten können.

Dem Mann, der jetzt im Landkreis Neumarkt wohnt, legte Staatsanwalt Vogt folgendes zur Last: Mit seinem Handy hat er fünf Mal kinderpornografische Bilder und ein Video versendet. Als im August 2012 das Haus des Angeklagten, der damals in Schwarzenbruck wohnte, durchsucht wurde, stieß die Kripo auf zwei Computern auf 517 Bilder und Videos, die wohl nur als abscheulich bezeichnet werden können.

"Nur eine Phase"

Michael R. gab alles zu, "es entpricht der Richtigkeit". Auf die Frage nach dem Warum antwortete er, es habe sich "um eine Phase" gehandelt. Als Gläßl fragte, ob diese Phase nun vorbei sei, antwortete er: Ja. Gläßl: "Kann ich mich darauf verlassen?" Der Angeklagte: "Ja, allein schon wegen meiner Enkel."

Dass hier mit einem Mal Empathie vorherrschen soll statt Triebsteuerung war schwer zu glauben, auch für Gläßl: "Aber die waren doch schon da, als sie die Bilder runtergeladen haben!" - "Ja, aber jetzt wohne ich näher bei ihnen..", es blieb im Raum hängen, dass durch die Nähe ein Nachdenken eingesetzt habe.

Eine Therapie hat der Angeklagte nicht gemacht. Es war ein kurzer Prozess, die Fakten lagen auf dem Tisch, der Angeklagte war geständig. So forderte Staatsanwalt Vogt unterm Strich 5000 Euro Geldstrafe. Das letzte Wort des Angeklagten drehte sich allein um die Finanzen: "Ich weiß nicht, wie ich das zahlen soll. Ich lebe von der Grundsicherung, da bleibt nichts mehr übrig."

Das sah auch Gläßl so. Und be strafte den Mann anders: Neun Monate Gefängnis, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Daneben muss er 1000 Euro an den Nürnberger Kinderschutzbund zahlen. Und: Ihm wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Denn, so Richter André Gläßl: "Der soll mit Ihnen Ihre Problematik mal durchgehen: Ich bin skeptisch, was diese ,Phase angeht."

Susanne Will

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