Hersbruck: Kuhpegnitzbrücke wird überwacht

24.8.2016, 18:30 Uhr
Auf der Hersbrucker Kuhpegnitzbrücke findet derzeit keine Ölbohrung statt, sondern eine Spezialfirma bringt an der Unterseite des Bauwerks Messstellen zur Überwachung der Standfestigkeit an.

Auf der Hersbrucker Kuhpegnitzbrücke findet derzeit keine Ölbohrung statt, sondern eine Spezialfirma bringt an der Unterseite des Bauwerks Messstellen zur Überwachung der Standfestigkeit an. © Ruppert

Schon im Januar hat eine Coburger Fachfirma im Bauausschuss des Stadtrates die Alarmglocken geschlagen. Die Brücke über den breiten Pegnitzarm hat bei einer Art Tüv die Note 3,5 bekommen, was miserabel ist. Die Verkehrssicherheit ist auf Dauer nicht mehr gegeben. Eine "Vier" würde die Sperrung bedeuten.

Die Experten sagten ohne Umschweife, dass die Pegnitz-Überquerung erneuert werden muss. Bei der jetzigen Konstruktion aus dem Jahre 1952 ist Spannstahl verwendet worden. Das Material neigt zum Brechen. Dazu kommt eine mangelhafte Ausführung der damaligen Arbeiten. So liegen mehrere Spannglieder nicht korrekt, es gibt Bindedrahtreste an der Betonoberfläche und die Verdichtung lässt zu wünschen übrig.

Ingenieur Jacob Müller aus Coburg empfahl, die Kuhpegnitzbrücke bis zu einem Neubau zu überwachen. Im Fachjargon heißt dies "Monitoring". Die Firma Pötzl bringt deshalb an der Unterseite des Bauwerks Messstellen an. Wenn nun ein Fahrzeug auf die Brücke kommt, erkennt dies einer von vier Magnetfeldsensoren.

Senkung der Fahrbahn wird gemessen

In der Mitte erfassen dann die 20 Dehnmessstreifen, um wie viel sich die Fahrbahn durch das Gewicht eines Autos oder Lkw senkt. Besonderes Augenmerk legen die Fachleute auf die anfälligen Punkte zwischen den einzelnen Spanngliedern der Brücke. Auch die unterschiedlichen Temperaturen spielen eine Rolle und werden über einen zusätzlichen Fühler gemessen. Zum Beispiel ist im Winter der Asphalt fester als im Sommer.

Die Daten gehen über Kabel und einen Schaltschrank an einen PC. Die Firma Pötzl hat eine eigene Auswertungssoftware. Sollte die übliche Dehnung – bei einem Stadtbus wesentlich mehr als bei einem Kleinwagen – überschritten werden, können die Auswerter sofort Maßnahmen einleiten. Die halbseitige Sperrung der Kuhpegnitzbrücke dauert maximal bis Freitag. Bis dahin müssen sich die Verkehrsteilnehmer an der aufgestellten Ampelanlage auf Staus einstellen.

Keine Schätzung möglich

Das "Monitoring" ist natürlich nur eine Übergangslösung. Ebenso wie die schon im Februar aufgestellten Schilder mit der Begrenzung auf 20 Tonnen. Keiner der Experten traut sich eine Schätzung zu, wie lange das Bauwerk noch hält. Andere Spannstahlkonstruktionen wurden längst ausgetauscht. Zeitgleich mit der Überwachung laufen die Planungen zum Neubau, den Bürgermeister Robert Ilg im Jahr 2017 oder 2018 anpeilt.

Ganz so einfach ist diese Aufgabe allerdings nicht. Zum einen handelt es sich um einen wichtigen innerstädtischen Knotenpunkt. Zum anderen verlaufen in der Brücke wichtige Kabelverbindungen.

Außerdem sind die Fundamente an beiden Ufern aus Sandstein, der aufgeweicht ist und zerbröckelt. Ein weiteres Problem sind Nachbarhäuser, die sehr nahe an den Brückenunterbauten stehen. Die Kosten für das Projekt – sicherlich siebenstellig – lassen sich bis zu einer konkreten Neuplanung nicht einmal grob schätzen.

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