Mittwoch, 25.11.2020

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Hersbruck: Radhaus und Kunstfenster ohne Heimat

Umbau der Sparkasse beendet die Zwischennutzung - Neue Räume gesucht - 04.02.2020 17:12 Uhr

Andi Roller (links) schraubt einmal in der Woche mit Schülern der Mittelschule im sozialen Radhaus.

03.02.2020 © Andrea Pitsch


"Wir haben das Gefühl, dass wir hier in eine Lücke gefallen und inzwischen gut in Hersbruck angekommen sind", bilanziert Dorothea Müller Philipps Sohn. Die Ziele von Nachhaltigkeit und Integration von Migranten in die Gesellschaft habe man ebenfalls erreicht. "Drei junge Leute kommen regelmäßig zum Schrauben, einmal in der Woche ist die Mittelschule da und die Zusammenarbeit mit den Radläden funktioniert super", ergänzt Björn Bracher von der Diakonie. Dank total motivierter Ehrenamtlicher habe man über 100 Räder herrichten und weitergeben können, rechnen die beiden vor. Doch darum ging es nicht allein: Freundschaften und Kontakte seien geknüpft worden. "Unser Projekt geht tief in die Gesellschaft hinein", sind die beiden überzeugt.

Und damit soll im März oder April Schluss sein? "Wir hatten dem Radhaus beim Einzug mitgeteilt, dass die Nutzung nur für einen begrenzten Zeitraum möglich sein wird", erklärt Marlies Gräbner von der Sparkasse Nürnberg. Das bestätigt auch Bracher: "Die Kommunikation war jederzeit transparent und wir wurden rechtzeitig über die Umbaupläne und unseren damit verbundenen Auszug informiert." Der könne eventuell auch erst im Mai erfolgen, so Gräbner, das sei aber noch nicht sicher.

Klar ist: Das soziale Radhaus braucht neue Räume. "Wir haben schon ganz viel abgegrast – bislang erfolglos", sagt Bracher. Das soziale Projekt könne maximal die Nebenkosten zahlen, dafür aber selbst viel Instand setzen – wie schon in der Poststraße. Ansonsten brauche man nicht viel: Strom, Wasser, Heizung und vor allem Platz für die vielen Räder und Material, so Bracher.

Unkompliziert und schnell

"Wir sind völlig unproblematische Nutzer und in ein oder zwei Wochen raus aus einer Immobilie", fügt Müller Philipps Sohn hinzu. Im Leihvertrag mit der Sparkasse habe es beispielsweise keine Auflagen gegeben, also keine einklagbaren Rechte für das Radhaus. Dieses werde übrigens vom Sozialministerium gefördert – darum kümmere sich Kerstin Stocker von WinWin – und Gelder für dieses Jahr stünden laut Bracher schon bereit: "Es wäre schade, wenn die nicht genutzt würden."

An Ideen und Vorschlägen der Bürger mangle es nicht, macht er klar. "Wir wären zu Kooperationen mit anderen bereit oder man könnte was mit Langzeitarbeitslosen machen. Aber das steht und fällt mit der Location." Hier wünscht sich Bracher mehr Unterstützung von der Politik: "Der Stadtrat könnte die Energie von motivierten Bürgern viel besser nutzen."

Solche sind auch die Künstler, die seit 1983 das Kunstfenster in der Sparkasse bestücken. "Der Ort ist ein freies Forum, das uns kostenlos von der Sparkasse Nürnberg zur Verfügung gestellt wird", erläutert Angelika Eisenbrand. Sie moderiert das Füllen des Fensters ehrenamtlich unter der Schirmherrschaft des Kunstmuseums.

"Die Möglichkeit, an einem belebten Ort umsonst auszustellen, wird gerne angenommen", sagt Eisenbrand, die einen vorläufigen Plan für das Jahr erstellt hat, "ich habe immer eine Warteliste". Doch nicht nur für Künstler sei das Fenster ein Glücksfall. "Es ist eine Win-Win-Situation", findet Eisenbrand, "denn die Sparkasse kommt ihrem kulturellen Auftrag nach, ohne selbst dekorieren zu müssen". Die Bank übernehme die Renovierungen des Fensters, die Versicherung der ausgestellten Arbeiten und interne Organisation: "Es muss halt jemand da sein, um uns aufzusperren."

Vom geplanten Umbau habe sie aus der HZ erfahren. "Ich habe daraufhin gleich die Verantwortlichen angesprochen", berichtet Eisenbrand. Geschäftsstellenleiterin Simone Bösch konnte laut Eisenbrand im Winter noch nichts über die Zukunft der Kunstaktion sagen. "Wir können nur weitermachen, wenn wir kostenlos etwas zur Verfügung gestellt bekommen, sonst ist das undenkbar."

Und wie es aussieht, haben die Künstler Glück: "Uns ist sehr daran gelegen, dass es im neuen Gebäude wieder ein Kunstfenster gibt", streicht Gräbner heraus. Während des Umbaus werde sich eine Pause nicht vermeiden lassen; auch Juwelier und Geschäftsstelle werden in dieser Zeit an einen, noch nicht feststehenden Ausweichstandort ziehen müssen. "Aber dann wollen wir das Kunstfenster unbedingt wieder in der Sparkasse unterbringen."

Wer dem sozialen Radhaus neue Räumlichkeiten oder Lagerflächen für die Zwischenzeit anbieten kann, meldet sich bitte unter soziales-radhaus@diakonie-ahn.de oder Telefon 09151/837735.

Andrea Pitsch

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