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In Krankenhaus randaliert: Schnaittacher muss in Haft

59-Jähriger griff Polizisten an - "Bitte sperrt mich nicht ein" - 22.04.2019 14:36 Uhr

Im Juni 2018 hatte Peter Hauser (Name von der Redaktion geändert) ordentlich getrunken und war mit gut zwei Promille unterwegs gewesen. Zurück in seiner damaligen Laufer Wohnung stürzte er und zog sich eine Beule am Kopf sowie Prellungen zu. Im herbeigerufenen Rettungswagen und danach im Krankenhaus randalierte und beleidigte er die medizinischen Fachkräfte, grölte lauthals im Klinikbereich herum und schlug auf das Inventar ein.

Viel kann der Angeklagte zu den Geschehnissen allerdings nicht mehr sagen. Auf Nachfrage des Richters Klaus Schuberth meint er: "Sturzbesoffen war ich mit meinem Hund unterwegs, stolperte und stürzte. Dann sah ich bunte Lichter, am nächsten Tag wachte ich fixiert in der Psychiatrie auf".

Wüste Beschimpfungen

Ein Polizeibeamter schildert dem Gericht den damaligen Einsatz, wonach Hauser beim Eintreffen der Streife im Krankenhaus zunächst unauffällig war. Grundlos und unvermittelt sei es dann aber wieder mit Randale weitergegangen. "Er kündigte an, alle fertig zu machen. Uns bezeichnete er als Penner und Schwuchteln", berichtet der Polizist.

Als ihm die Ordnungshüter die erste Handschelle angelegt hatten, holte er aus und schleuderte die zweite in Richtung des Kopfes des Beamten, der aber gerade noch ausweichen konnte. Dem Kollegen des Zeugen trat der Angeklagte gegen das Schienbein, fügte ihm starke Schmerzen zu. Nach der ärztlichen Versorgung wurde der Schnaittacher schließlich mit 1,99 Promille in die Psychiatrie verbracht.

Lange Liste

Richter Klaus Schuberth benötigt längere Zeit, um das Vorstrafenregister zu verlesen. Seit 1977 stehen 20 Einträge der unterschiedlichsten Straftaten zu Buche. Die Bewährungshelferin berichtet, dass er Therapien schon nach wenigen Tagen abbricht: "Er wirkt stabil, wenn er mit seiner Partnerin zusammen ist." Wenn diese jedoch nicht da ist, nimmt sein Alkoholproblem überhand. Bei der Polizei und auch im Krankenhaus hatte sich Hauser schon kurz nach seinem Ausraster mündlich und schriftlich entschuldigt.

Nach Ende der Beweisaufnahme sieht der Staatsanwalt die Vorwürfe bestätigt. "Der Angeklagte musste wissen, dass er unter Alkoholeinfluss aggressiv wird und die Kontrolle verliert", meinte der Anklagevertreter und forderte 15 Monate Haft ohne Bewährung. Strafverschärfend wirkten sich die bestehende Aufsicht durch die Gerichtshilfe sowie der Tatort Krankenhaus aus.

Sturz auf Hinterkopf

Auch für den Verteidiger ist der dargestellte Sachverhalt klar. Er attestiert zwar seinem Mandanten einen "bisher recht unsteten Lebensverlauf", verweist aber explizit auf den hohen Alkoholpegel und einen Treppensturz, bei dem er hart mit dem Hinterkopf aufgeschlagen war, und eine dadurch vorübergehend eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Er hält eine neunmonatige Bewährungsstrafe und Therapiemaßnamen für tatangemessen.

Das letzte Wort des Angeklagten: "Es tut mir sehr leid, bitte sperrt mich nicht ein." Angesichts der Vorstrafen und aufgrund der Tatsache, dass Hauser von sich aus keine Therapie macht, sieht Schuberth keinen Spielraum für eine weitere Bewährung. Das Urteil lautet: neun Monate Gefängnis.

Helmut Neitz

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