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Keine Maske getragen? Medizinerin will Bußgeld nicht bezahlen

Beschuldigte Ärztin soll nur auf Druck der Patienten Mundschutz getragen haben - 27.04.2021 11:36 Uhr

"Es wird Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen", sagt Karin Schubert (Name von der Redaktion geändert) erzürnt. Nachdem wiederholt und bereits seit einigen Monaten in ihrer ehemaligen Arztpraxis im südlichen Nürnberger Land gegen bestehende Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen worden sein soll, reicht es der Frau. Sie möchte auf die Missstände in der Arztpraxis aufmerksam machen und die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis setzen.

"Im Herbst des vergangenen Jahres habe ich in der Praxis über einen längeren Zeitraum Vitamin C verabreicht bekommen. Schon damals wurden keinerlei Masken getragen, weder vom Personal, noch von der Ärztin selbst. Auch lagen in der Praxis Flyer mit Informationen gegen die Corona-Impfungen aus, das alles hat mich doch sehr stutzig gemacht. Daraufhin habe ich die Praxis gewechselt", erklärt Karin Schubert.

"Keine Masken bei Personal und Ärztin"

Vor zwei Wochen war sie mit einer pflegebedürftigen Person erneut in der Arztpraxis, da die Person dort bereits seit vielen Jahren behandelt wird. "Wieder habe ich das gleiche Bild erlebt: Keine Masken, weder beim Personal, noch bei der Ärztin. Erst als ich die Ärztin bei einer körpernahen Untersuchung an meiner Begleitung aufforderte, bitte eine Maske aufzuziehen, tat sie es", sagt Schubert. Um ihr zu demonstrieren, wie negativ sich das Tragen einer Maske auf den Körper auswirken könnte, führte die Ärztin daraufhin eine Sauerstoffsättigungsuntersuchung an ihrem Finger durch. Für Schubert ein eindeutiges Zeichen der Rechtfertigung und ein Belehrungsversuch, warum es die Ärztin vorziehe, keine Maske zu tragen. Anfang des Jahres informierte Schubert schließlich die Polizei, um auf die Situation in der Praxis aufmerksam zu machen.

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Doch was ist dran an den Vorwürfen gegen die Ärztin? Ein Sprecher des Landratsamtes Nürnberger Land bestätigt auf Nachfrage des Boten, dass gegen die besagte Praxis von Seiten des Ordnungsamtes bereits ein Bußgeldbescheid erging, den die Ärztin allerdings nicht akzeptiert hätte. Aktuell läge eine weitere Beschwerde gegen die Praxis vor. Um den Fall nun richterlich zu klären, wurde am Amtsgericht Hersbruck ein öffentlicher Verhandlungstermin am 14. Mai angesetzt.

Völlig andere Darstellung der Ärztin

Die praktizierende Ärztin selbst ist sich jedoch keiner Schuld bewusst – im Gegenteil: "Unsere Patienten sind uns sehr wichtig, auch weil wir viele chronisch kranke Patienten haben. Wir achten darauf, dass sich im Wartezimmer nur eine Person aufhält. Wir geben uns viel Mühe. Die Patienten sind mit uns zufrieden, sie schätzen die persönliche Betreuung", sagt die Medizinerin. "Für das Einhalten des Abstands sind die Patienten auch selbst verantwortlich, schließlich können wir uns nicht immer im Wartezimmer aufhalten. Und dass beim Telefonieren vielleicht mal die Maske verrutscht, kann schon mal vorkommen", fährt die Medizinerin fort.

Von einem ausstehenden Bußgeldbescheid des Ordnungsamtes oder gar einer Vorladung zur Gerichtsverhandlung Mitte Mai am Amtsgericht Hersbruck will sie im Gespräch mit dem Boten nichts wissen. Gerade einmal zwei Anschuldigungen seien ihr bekannt, "doch diese Personen sind keine Patienten von uns und auch gar nicht in unserem System aufgeführt." Warum die Personen Beschwerden gegen sie und ihre Praxis einreichten, sei ihr ein Rätsel und könne sie nicht verstehen.

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Überhaupt sei die Situation von vielen Allgemeinmedizinern in der heutigen Zeit äußerst schwierig, immer häufiger wären sie Zielscheibe von Anfeindungen und Anschuldigungen, erzählt sie: "Ich kenne genug Ärzte, die mittlerweile ausgewandert sind, unter anderem nach Bolivien." Die Ärztin beteuert, immer "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt zu haben und dies auch weiterhin zu tun.

Karin Schubert kann über die Aussagen der Ärztin nur den Kopf schütteln und bezeichnet diese als "dreist". Nicht nur sie habe mit eigenen Augen wiederholt die Verstöße gegen die geltenden Corona-Maßnahmen gesehen, auch die Mitarbeiterin eines Wohlfahrtverbandes könne die geschilderten Geschehnisse in der Arztpraxis bezeugen. So steht bislang Aussage gegen Aussage, erst die Verhandlung in rund zwei Wochen wird voraussichtlich Licht ins Dunkel bringen.

Daniel Frasch

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