"Es wird immer unberechenbarer"

Landwirte ziehen Bilanz: War der Sommer zu nass?

8.9.2021, 10:31 Uhr
Die Getreideernte, im Bild ein Feld zwischen Frohnhof und Götzlesberg, war in diesem Jahr nicht so gut wie erhofft, sagt Ludwig Prey vom Landwirtschaftsamt.

Die Getreideernte, im Bild ein Feld zwischen Frohnhof und Götzlesberg, war in diesem Jahr nicht so gut wie erhofft, sagt Ludwig Prey vom Landwirtschaftsamt. © Schuster

Doch die mäßigen Temperaturen im klassischen Urlaubsmonat August ändern nichts daran, dass das bisherige Jahr 2021 insgesamt warm ist. Die Durchschnittstemperatur von Januar bis August liegt bei 8,9 Grad und damit höher als der langjährige Mittelwert von 8,2, wie Prey betont.

Und die Niederschläge haben sich durch den August erst eingependelt, denn zuvor war es in mehreren Monaten weniger Regen als sonst, auch im Juli. Seine Daten bezieht Prey von der Wetterstation in See, einem Gemeindeteil von Happurg.

Während sich viele Bürger im Landkreis im August beständigeres Wetter gewünscht hätten, sieht Prey für die Natur durchaus Vorteile. Viele Pflanzen brauchen mehr Feuchtigkeit, als sie in den beiden vergangenen trockenen Jahren erhalten haben. So können etwa die Fichten mehr Harz produzieren und sich auf diese Weise besser gegen die Borkenkäfer wehren.

Bei den Nutzpflanzen sieht Prey, der als Ansprechpartner für die Landwirte im Landkreis fungiert, kein einheitliches Bild. Die Maisbestände seien beispielsweise heuer trotz Startschwierigkeiten sehr gut, der Fachmann hofft auf eine gute Maisernte.

Noch nicht alles Getreide geerntet

Andere Getreidesorten enttäuschen, so Prey: Die Bestände sähen gut aus, die Körner seien jedoch kleiner als ursprünglich angenommen. "Die Optik hätte noch mehr erhoffen lassen." In der Abreifephase habe die Sonne gefehlt, sagt Prey. Auch die kälteren Monate April und Mai hätten dem Getreide nicht gutgetan. Rund zehn Prozent des Getreides seien deshalb auch noch nicht geerntet.

Problematisch ist laut dem Fachmann auch, dass es seltener großflächigen Landregen gibt, sondern mehr örtliche Gewitter mit heftigem Niederschlag. "Starkregenereignisse nehmen zu, es wird immer unberechenbarer für Landwirte", sagt Prey.

Der Klimawandel ist im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seit zehn Jahren Thema, sagt Prey. Den Landwirten empfiehlt das Amt die "Risikostreuung", also sich breiter aufzustellen, um besser für Wetterereignisse gewappnet zu sein. "Die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren, ist vorhanden. Der Anbau wird bunter", so ist etwa die wärmeliebende Sojapflanze im Kommen. Und es werden Getreidesaaten gezüchtet, die besser mit anhaltender Trockenheit zurechtkommen.

Auch Blühflächen haben zugenommen, 500 Hektar sind es im Landkreis. Die Sensibilität sei auch durch das Volksbegehren Artenvielfalt gewachsen.

Die Gefahr durch verheerende Überschwemmungen ist im Landkreis laut Prey gering. Die Struktur im Nürnberger Land mit relativ wenig Flurbereinigung und vielen kleinen Feldern sei ein Vorteil im Vergleich zu großen Flächen, die einfacher weggeschwemmt werden können.

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