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Medien-Skulptur statt Gedenkort in Hersbruck

Bauliche Umsetzung in Verzug - 07.05.2015 17:29 Uhr

Allenfalls Insider wissen, dass links auf dem Bild der Eingang C zum Doggerwerk oberhalb von Happurg zu sehen ist – Ulrich Fritz von der Gedenkstättenstiftung rät zu Infotafeln. © J. Ruppert


Der Wissenschaftler nutzte die Hauptversammlung des Dokuvereins Hersbruck, um den Stand der Dinge in Sachen Erinnerungskultur zu beleuchten. Wie berichtet, soll eine Ideenskizze eines Berliner Professors umgesetzt werden. Der Plan sieht zwei Standbeine vor: ein Bauwerk in Hersbruck wegen des riesigen KZ-Außenlagers, eines in Happurg, wo die KZ-Insassen das Rüstungsprojekt Doggerwerk verwirklichen sollten. Die Verbindung entsteht durch den Sichtbezug.

"Wir möchten keine Gedenkstätte errichten, sondern Orte, an denen informiert wird", betonte Ulrich Fritz. Für Hersbruck bedeutet dies konkret eine begehbare Skulptur mit jeder Menge medialer Präsentation. Insgesamt waren rund 9000 Häftlinge zwischen Mitte 1944 und Anfang April 1945 im KZ-Außenlager untergebracht. Stellvertretend wurden 90 Biografien - also ein Prozent - von wissenschaftlichen Mitarbeitern erstellt. Diese einzelnen Schicksale dokumentieren viel eindringlicher als bloße Zahlen oder Bilder das Grauen und das Leid, aber auch die Systematik des Lagers. Die Biografen, Grafiker und Übersetzer ins Englische befinden sich im Zeitplan.

Bauliche Umsetzung in Verzug

"Die bauliche Umsetzung ist im Verzug", bedauerte Ulrich Fritz. Aufgrund der sensiblen Thematik liegt die Zuständigkeit in Weiden. Die dortigen Stellen mussten sich zuletzt aber vordringlich um die Gedenkstätte Flossenbürg kümmern. Mittlerweile dürften aber die Ausschreibungen für das Hersbrucker Projekt "raus sein". Auf einen genauen Eröffnungstermin mochte sich Ulrich Fritz nicht festlegen. Allerdings sind einige Zuschüsse an bestimmte Fristen gebunden, so dass die Einweihung auf jeden Fall heuer noch vor dem Herbst stattfindet.

In Happurg wurden am dortigen Standort am Fuß der Hunnenschlucht schon vor Wochen die Bäume für eine Plattform gefällt. "Die Infostätte liegt weit weg von den Eingängen zum Doggerwerk", gab Ulrich Fritz entwaffnend offen zu. Immerhin führte die wegen der Stollenanlage gebaute Schmalspurbahn da vorbei. Der Experte riet, an den zubetonierten Eingängen A, B und C zum Doggerwerk ähnliche Infotafeln wie am Zugang F aufzustellen. Bislang weist an diesen Stellen neben einem Wanderweg nichts auf die Vergangenheit hin.

Auch an den Verbrennungsstätten für die Leichen der KZ-Opfer in Förrenbach, Schupf und Hubmersberg sollten die historischen Sachverhalte besser verdeutlicht werden. Thomas Wrensch vom Dokuverein ließ Ulrich Fritz noch kurz erläutern, wie der Happurger Teil der Infostätte aussehen wird. Eine Plattform für eine Besuchergruppe, eine aufwändige Rückwand zum Berg hin, ein kleines Stollenmodell, ein Bohrhammer und Stelen mit Hinweisen, lautete die Antwort.

Wilhelm Henke vom Dokuverein wollte wissen, ob es in der Nachbargemeinde noch Probleme gebe. Anwohner an der Hunnenschlucht konnten sich zumindest anfangs nicht so recht mit dem Vorhaben anfreunden. "Rechtlich ist alles durch", sagte Ulrich Fritz. Klaus Wiedemann erkundigte sich nach den Kosten, denn "die Baubranche boomt". "Wir sind im Plan, die Stahlkonstruktion für Hersbruck fertigen eh Spezialisten", sagte der Fachmann von der Gedenkstättenstiftung, ohne Zahlen zu nennen. 

Jürgen Ruppert

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