18°

Donnerstag, 17.10.2019

|

Mini-Gitarrenfestival mit vier Stunden Genuss

Namhafte Künstler spielten vor intimer Kulisse - 09.05.2019 19:43 Uhr

Zartes Duett: Feinfühlig und äußerst aufmerksam begleitet Johannes Tonio Kreusch den Altmeister Carlos Barbosa-Lima bei der Weltpremiere eines seiner Arrangements.


In Hersbruck ist musikalisches Weltklasse-Niveau offenbar an der Tagesordnung. Da lassen sich die Hersbrucker auch nicht lumpen – und schrauben nach Verlegung des Spielorts aus Lauf, wo die Verkäufe bei um die 35 Tickets stagnierten, die belegten Sitzplätze innerhalb von nur zwei Tagen auf mehr als 150 hoch. Oder stellen, wie Hedwig Bäumler, sehr spontan Bühne und Saal zur Verfügung.

Temperamentvolle Melodien

Ein fein gesponnenes Beziehungsgeflecht zwischen Violine und Gitarre macht den Auftakt. Das Ehepaar Doris Orsan und Johannes Tonio Kreusch machen deutlich, warum ihnen namhafte Komponisten Stücke widmen oder gar auf den Leib schreiben. So sensibel, so zart und zugleich mit einem nostalgisch-rauen Klang huldigt Doris Orsan der von Astor Piazzolla beschriebenen Kaffeehauskultur in Argentinien. Kratzbürstig aufbegehrende südamerikanische Temperamentsausbrüche von Bogen und Saiten zähmt sie, bis wieder eine schmelzende Melodie entsteht.

Kreusch erweist sich an der Gitarre nicht nur als aufmerksamer Begleiter seiner Frau, unter seinen Fingern erblüht auch das lebhafte Treiben an einem geschäftigen Bahnhof und die Schönheit eines Rosengartens, Melodien, mit denen Máximo Diego Pujol in seinem „Triptico porteño“ markanten Orten in seiner Heimatstadt Buenos Aires musikalisch ein Denkmal gesetzt hat.

Wie der Herzschlag

Im kontrastreichen Programm treten mit dem Cornelius Claudio Kreusch Trio drei Männer auf, die sich mit den Labels „Jazz“ oder „Funk“ nur unzureichend etikettieren lassen. Die wilde, ungebundene Seite der Musik ist es, die Cornelius Claudio Kreusch am feuerwehrroten Piano, Zaf Zapha am Bass und Percussionist Gislon de Assis feiern. Musik, die sich Eingrenzungen widersetzt und zugleich so selbstverständlich und dem Menschen integral zugehörig ist wie der eigene Herzschlag.

Etwas zaghafter tritt der nächste Musiker in Erscheinung: Carlos Barbosa-Lima. Die geäderten Hände, die seit fast 70 Jahren in Gitarrensaiten greifen, haben nichts von ihrer flinken Beweglichkeit eingebüßt, das Spiel des Altmeisters nichts von seiner ruhigen Tiefe. Das Spektrum, das seine ureigenen Arrangements den meist brasilianischen Kompositionen verleihen, ist enorm.

Menschliche Beatbox

„Bum bum ouuuh bsss tzck tzck patata wow!“ – hatten die Musiker vor Adam Rafferty schon eine unfassbare Dreidimensionalität gezeigt, fügt der letzte des Abends noch die Ebene des energiegeladenen Beatboxens hinzu und imitiert Schlagzeug- und andere Perkussionsrhythmen mit Mund, Nase und Rachen.

Wer eine Stunde vor Mitternacht erste Ermüdungserscheinungen gezeigt hatte, dem wurden sie jetzt ausgetrieben: Frech, unverfroren und kein bisschen leise mischt Rafferty Publikum und bekannte Stücke gleichermaßen auf. Dass sich Michael Jacksons „Billy Jean“ zum Mitsingen und die kleine Bühne für einen knappen Moonwalk eignet, dürfte manch einen überrascht haben.

Ute Scharrer

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Hersbruck