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Mittelschule Happurg ist Inklusions-Schule

Arbeit mit förderbedürftigen Kindern als Schwerpunkt - 11.12.2013 18:37 Uhr

Clarissa, Belana, Anastasia, Hannes und Jan (v.l.) bei der Gruppenarbeit, mit dabei: Klassenlehrer Jörg Kirschner und Anastasias Schulbegleiterin Susanne Eichler. © privat


Anastasia und Dana hätten bis vor ein paar Jahren kaum eine Chance gehabt, auf eine normale Schule zu gehen. Die eine leidet an einem fragilen X-Syndrom - einer genetischen Veränderung des X-Chromosoms, die zu geistiger Behinderung führt - die andere ist Autistin. Seit September besuchen beide Mädchen die Happurger Mittelschule. "Und das klappt erstaunlich gut", sagt Rektorin Ruth Schneider, "wir haben uns das viel schwieriger vorgestellt."

Seit die Schulen die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen müssen, hat der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung oder Lernschwäche an Bedeutung gewonnen. In Happurg fiel das auf fruchtbaren Boden: Die Schule entwarf ein Konzept, bewarb sich um das "Profil Inklusion" und bekam die Urkunde nun überreicht.

Expertin leistet Unterstützung

Der Vorteil: Zusätzlich genehmigte das Kultusministerium pro Woche zehn weitere Lehrerstunden für Fördermaßnahmen und stellte der Schule eine Expertin zur Seite: Beate Tanzhaus ist elf Stunden in der Woche als Inklusions-Lehrerin im Haus. Sie begleitet die Pädagogen der gemischten Klassen in den Unterricht, hat ein Auge auf die besonders förderbedürftigen Schüler - und auch die anderen, wie sie betont. "Ich bin für alle da“, sagt Beate Tanzhaus, "das ist Inklusion."

Besonders viel Zeit nimmt sich die studierte Sonderpädagogin dafür, individuelle Lernziele zu stecken. Denn Siebtklässlerin Anastasia sitzt zwar im gleichen Unterricht wie ihre Mitschüler, kann aber zum Beispiel in Mathe nicht mit den anderen mithalten. Gemeinsam mit Lehrern und Eltern werden die Erwartungen dann einfach etwas heruntergeschraubt. Schließlich soll auch sie Erfolgserlebnisse haben.

"Wir lernen in kleineren Schritten und dürfen auch mal vom eigentlichen Mittelschul-Lehrplan abweichen", erklärt Beate Tanzhaus. Oft sei der Übergang zwischen verhaltensauffälligen Kindern und denen, die wirklich ein Lernproblem haben fließend, ergänzt Ute Weber, Inklusions-Beauftragte an der Mittelschule. Diagnose-Gespräche, die Beate Tanzhaus mit den betroffenen Kindern führt, sollen helfen, den individuellen Fortschritt und den weiteren Bedarf an Sonderbetreuung zu ermitteln.

Herausforderung als Chance

Die zusätzliche Arbeit betrifft das ganze Kollegium und ist auch nicht immer einfach, dessen ist sich Rektorin Ruth Schneider bewusst: "Es ist unheimlich viel Absprache zwischen den Kollegen nötig. Andererseits haben wir nur wenig Vorgaben und entwickeln das Schulkonzept quasi selbst." An der Mittelschule Happurg liegt der Schwerpunkt auf geistig behinderten Kindern, "aber auch körperbehinderte Schüler wären möglich", sagt Schneider.

Trotzdem sind der Arbeit mit förderbedürftigen Kindern schon allein räumliche und personelle Grenzen gesetzt: Die Schule könne nicht unendliche viele "Inklusions-Kinder" aufnehmen. "Wir sehen die Größe unserer Einrichtung aber als Chance", so Schneider, "wir haben insgesamt viel kleinere Klassen als zum Beispiel in den Städten." Das seien ideale Bedingungen für die Inklusions-Arbeit.

Siebtklässlerin Anastasia macht gute Fortschritte, auch beim Berufsorientierungs-Programm in Nürnberg, wo sie unter anderem in den Friseurberuf hineinschnuppern darf. Ihre Schulbegleiterin Susanne Eichler ist immer mit dabei. Und wenn alles gut läuft, hat Anastasia mit ein wenig Unterstützung am Ende der neunten Klasse ihr Ziel erreicht: Sie ist trotz Behinderung fit fürs Berufsleben. 

Melanie Strauß

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