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Nach Schlägerei am Laufer Bahnhof: 21-Jähriger verurteilt

Der Täter soll einen 18-Jährigen mit Bierflaschen verprügelt haben - 04.02.2021 21:18 Uhr

Laut Staatsanwaltschaft soll er einen 18-Jährigen aus Henfenfeld mit der Faust ins Gesicht geschlagen und versucht haben, ihn mit zwei Bierflaschen zu verprügeln. Wohl nur, weil die Flaschen ihm aus der Hand fielen, kam der Geschädigte mit Schmerzen und einer Nasenbeinprellung davon. Die Anklage lautet auf Körperverletzung und zwei Fälle der versuchten gefährlichen Körperverletzung.

Verteidiger Jürgen Pernet räumt für seinen Mandanten ein, dass es am Tattag durchaus zu einem Streit gekommen sei, die Ausführungen der Staatsanwaltschaft jedoch aus dem Zusammenhang gerissen seien. Vielmehr sei der Geschädigte auf den Angeklagten losgegangen und habe ihn dabei leicht verletzt. Der Beschuldigte selbst sagt aus, dass er keinen Streit angefangen habe, sich jedoch nicht ganz an den Verlauf des Geschehens erinnern könne. Er sei mit zwei Freunden am Bahnhof unterwegs gewesen, habe ein Mädchen gesehen, das er kannte und sie begrüßen wollen.

Aus Eifersucht?

Deren Freund, der Geschädigte, habe ihn deshalb sofort provoziert und "Stress machen" wollen, weil das Mädchen den Angeklagten umarmt habe. Schließlich sei es zum Gerangel gekommen, auf Nachfrage erklärt der 21-Jährige, dass er nicht mit der Faust zugeschlagen und schon gar keine Bierflaschen geworfen habe. Vielmehr sei der Streit "wie im Kindergarten" abgelaufen, zudem sei er auch an Hals, Rücken und Brust verletzt worden.

Keine Lust auf Gespräch

Der Geschädigte sagt dagegen, dass der Angeklagte auf ihn und seine Freundin zugekommen sei und "Hallo" gesagt habe. Er habe "Tschüss" erwidert, weil er keine Lust auf ein Gespräch gehabt habe. Daraufhin habe ihn der 21-Jährige provoziert und geschlagen. Er habe sich gewehrt als der Angeklagte versucht habe, ihm eine Flasche über den Kopf zu ziehen; er habe aber ausweichen können. Die zweite Flasche sei dem Angreifer aus der Hand gerutscht, als er Schwung geholt habe. Jürgen Pernet will wissen, ob der Geschädigte den Angeklagten nicht doch zuerst geschlagen oder zumindest etwas unflätiger gesagt habe, dass er weitergehen solle. Beides verneint der 18-Jährige jedoch.


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Seine Freundin bestätigt die Aussage größtenteils. Ihr zufolge habe der Angeklagte das "Tschüss" als Provokation aufgefasst und sei auf ihren Freund losgegangen, habe ihn geschlagen, in eine Ecke gedrängt und dann mit zwei zufällig herumstehenden Bierflaschen attackieren wollen. Eine sei ihm jedoch aus der Hand gefallen, die andere habe er geworfen. Diese sei auf Nachfrage von Pernet gegen die Wand geprallt und nicht direkt in Richtung des Geschädigten geflogen.

Die zwei Begleiter des Angeklagten helfen ihm nur bedingt: Zwar wüssten sie nicht mehr, wer angefangen habe, jedoch habe der 21-Jährige eine Flasche gegen die Wand geworfen und die andere stehen lassen. Zudem habe der Angeklagte sogar sein T-Shirt ausgezogen, sei kampfbereit aufgetreten und habe nach dem Geschädigten geschlagen.

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Schlechtes Licht

Die Freunde des Geschädigten rücken den Angeklagten auch in ein schlechtes Licht: Zwar sind auch sie sich uneinig – einer sagt aus, dass der 21-Jährige seinem Kontrahenten eine Flasche auf den Kopf schlagen wollte, der andere spricht sogar von drei Flaschen, die im Spiel waren – jedoch beteuern beide, dass der Angriff eindeutig vom Angeklagten ausging.

Die Staatsanwaltschaft sieht den Vorwurf damit bestätigt. Es sei auf jeden Fall der Beschuldigte gewesen, der die Initiative im Streit ergriffen habe. Für ihn spreche lediglich, dass trotz des Einsatzes von Flaschen als Waffe verhältnismäßig wenig passiert sei. Allerdings sei der Angeklagte vorbestraft und im Streit hartnäckig vorgegangen, anstatt der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Sie fordert daher eine Woche Jugendarrest sowie eine Arbeits- oder Geldauflage.


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Dubioses Bild

Jürgen Pernet will seinen Mandanten dagegen auf freiem Fuß sehen. Die Zeugenaussagen haben seiner Meinung nach kein klares Bild ergeben. Das Gericht könne sich nicht sicher sein, wer mit dem Streit angefangen habe, die Zeugen hätten mal von einer, dann von zwei, dann sogar von drei Flaschen referiert, jedoch sei keine Flasche zweifelsfrei gegen den Geschädigten eingesetzt worden. Im Gegenteil: Anfangs sei wegen desselben Vorfalls sogar gegen den Geschädigten wegen Körperverletzung ermittelt worden, dieses Verfahren hätte die Staatsanwaltschaft jedoch eingestellt. Daher plädiert er, seinen Mandanten freizusprechen.

Richterin Susanne Lederer und die Schöffen befinden den 21-Jährigen jedoch für schuldig der Körperverletzung und der versuchten Körperverletzung. Für sie steht fest, dass sich der Angeklagte in den Kampf begeben, sein T-Shirt ausgezogen und zugeschlagen hat. Daher könne von Notwehr keine Rede mehr sein.

Bei allen unterschiedlichen Zeugenaussagen hält das Gericht jedoch den Angeklagten für "dubios": Seine Version der Geschichte hat niemand auch nur ansatzweise bestätigt. Entsprechend muss er nun für eine Woche in Dauerarrest, um einen Eindruck von der Haft zu bekommen. Zuschlagen sei keine Lösung, mahnt Lederer, deshalb sei es wichtig, mit dem Arrest auf den 21-Jährigen einzuwirken: "Wenn Sie so weitermachen, geht's ins Gefängnis."

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