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Pegnitztal: Bahn will historische Stahlbrücken ersetzen

23 Denkmäler sollen Betonneubauten weichen - 15.04.2012 16:03 Uhr

Ein Regionalzug fährt auf der Stahlbrücke über die Pegnitz in Enzendorf bei Hartenstein. Auch diese Brücke soll ersetzt werden. © dpa


Der rote Zug schlängelt sich durch das enger werdende Pegnitztal, legt sich in die Kurve, flitzt über Brücken und durch Tunnels. Felder, Wälder und kleine Dörfer säumen zwischen Hersbruck (Kreis Nürnberger Land) und Pegnitz (Kreis Bayreuth) die zweigleisige Strecke. Auf ihr pendeln täglich zahlreiche Berufstätige von der Fränkischen Schweiz nach Nürnberg. Doch auch Touristen und Ausflügler nutzen die Strecke und genießen die idyllische Landschaft. Die ist jedoch aus Sicht einiger Bürger in Gefahr, denn die Deutsche Bahn will 23 historische Stahlbrücken gegen Betonneubauten ersetzen.

Starten wird das Projekt mit zwei Brücken zwischen Hersbruck und Vorra voraussichtlich noch in diesem Jahr. 2013 soll der nördliche Abschnitt zwischen Neuhaus und Pegnitz folgen, während die Hauptarbeiten mit 17 Brücken zwischen 2014 und 2016 vorgesehen sind.

Rund 100 Millionen Euro werde das Vorhaben kosten, schätzt die Bahn. Doch das ist nicht unumstritten, denn die inzwischen selten gewordenen alten Gitterfachwerkbrücken sind nach Einschätzung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege wegen ihrer geschichtlichen und architektonisch-künstlerischen Bedeutung „ein beeindruckendes technisches Denkmal“.

Auch Kreisheimatpfleger Robert Giersch betont: „Die Brücken sind von ihrer Ausführung her sehr bemerkenswert. Man hat damals sehr viel Wert gelegt auf die Einbettung der Bahnkunstbauten in die Landschaft. Das war ein unheimlich hoher Maßstab, der heute längst nicht mehr erreicht wird.“ So wurden die Lager aus dem örtlich vorherrschenden Gestein gemauert – bis Hohenstadt aus Sandstein, weiter nördlich aus Dolomit – und zum Teil mit aufwendigen Steinmetzarbeiten verziert. Auch passen die grazil wirkenden Brücken aus Sicht ihrer Fans perfekt zu der feingliedrigen Landschaft im Pegnitztal.

Doch es gebe keine Alternative zum Abriss, beharrt die Bahn. „Wir sind definitiv an der Stelle angekommen, wo es keine Möglichkeit mehr gibt, die Lebensdauer der Brücken zu verlängern“, betont ein Sprecher. Ein erstes Gutachten habe ergeben, dass die Ende der 1870er Jahre gebauten und in den 1930er Jahren teils erneuerten Brücken wegen der Versprödung des verwendeten Stahls nicht mehr sanier- und reparierfähig seien; ein zweites Gutachten werde in wenigen Wochen wohl das gleiche Ergebnis bringen.

Dem widerspricht eine eigens gegründete Bürgerinitiative unter Berufung auf neue Erkenntnisse der Bahningenieursforschung. „Das ist in unseren Augen eine absolute Drohkulisse“, sagt Harald Enes zum Argument der Bahn, die Sicherheit der Brücken sei bald nicht mehr gewährleistet. Schweizer Forscher hätten nachgewiesen, dass genietete Stahlbrücken leicht zu reparieren seien und die Versprödung gerade für die verwendeten Brückentypen gar nicht so entscheidend sei. Nach Schweizer Bahnnormen würden die Pegnitzbrücken wohl bestehen bleiben.

„Renovierung günstiger als Neubauten“

50, gar 60 Jahre betrage die Lebenszeit mancher Brücken noch, betont Enes. Man müsse also bei weitem nicht alle Denkmäler gleich in den nächsten Jahren abreißen. Zudem wäre eine Renovierung nach Einschätzung der Bürgerinitiative deutlich günstiger als die geplanten Neubauten.

Vor allem aber geht es den Aktivisten um die Veränderung der Landschaft. „Das ist ein Ensemble aus sieben Tunnels, den Brücken, dem Flusslauf und der Enge des Tals mit seinem Dolomitgestein und den verstreuten Fachwerkhäusern“, erklärt Enes. Die neuen, längeren Betonbrücken passten nicht in das feingekammerte Pegnitztal, in dem die Natur durchgängig gewunden sei.

Die Bahn versucht, diese Bedenken zu zerstreuen. „Wir machen eine sehr landschaftssparende Bauweise“, erklärt der Sprecher. „Die Landschaft wird weniger beeinträchtigt als das heute durch die Stahlbrücken der Fall ist.“ Deshalb hätten sich auch die Oberhäupter der betroffenen Kommunen für die Ersatzneubauten ausgesprochen. 

dpa

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