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Pilsstuben und Kneipen im Nürnberger Land bangen um die Existenz

Novemberhilfen sind noch immer nicht angekommen - 09.02.2021 12:14 Uhr

Die Pforten der beliebten Kneipe „Holzwurm“ bleiben vorerst weiter geschlossen.

06.02.2021


Während einige Betreiber schon das Handtuch geworfen haben, befinden sich viele noch mitten im Kampf. Um Gerechtigkeit, Verständnis und schlicht um ihre Existenz. "Die Lage ist schlecht, weil finanzielle Hilfen zu spät ankommen", erklärt Gerhard Engelmann, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Bayern). Laut einer deutschlandweiten Umfrage der Dehoga stehe jede dritte Schankwirtschaft vor dem Aus.

Das Geld fehlt

Spyridon Georgiadis betreibt seit Ende 2014 die Gaststätte "Krone" im Herzen von Hersbruck. Dabei haucht er schon seit 30 Jahren Leben in die Nächte der Stadt ein. "Vor zehn Jahren war in Hersbruck noch richtig was los, aber schon seit längerer Zeit ist tote Hose", erinnert er sich. Die Pandemie habe dies nur noch verschlimmert. Und die Lockdowns trafen ihn zum schlechtesten Zeitpunkt. Er habe kurz vor der Schließung angefangen, sein Haus umzubauen. "Jetzt ist das ganze Geld weg", erzählt Georgiadis. Im Sommer habe er zum Glück unter strengen Auflagen erst im Biergarten, danach sogar in der Kneipe bewirten können. "Wir haben eine Menge Geld ausgegeben, um das zu ermöglichen", erklärt er.

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Trotz Hygienekonzept mit ausreichend Desinfektionsmittel, Maskenpflicht, Besucherliste und Abstand kam die zweite Schließung. Seitdem werde das Geld immer knapper. Die staatliche Novemberhilfe habe er beantragt, davon sei aber noch nichts angekommen. Einzig ein Schreiben habe ihn erreicht: "Seit Anfang Dezember in Bearbeitung." Wenn das versprochene Hilfspaket nicht bald ankomme, sei nicht nur seine Kneipe in Gefahr. "Ich habe eine Frau und Kinder und die Krone ist unsere Haupteinnahmequelle", erzählt Georgiadis. Sein Wunsch sei es, einfach wieder aufzumachen. Mit Auflagen, mit Maske, "egal, einfach öffnen."

Rudolf Leykauf von der Traditionskneipe "Deutsches Haus" treffe die aktuelle Situation sogar noch härter. "Wir sind am Ende und hungern uns nur noch durch", erklärt der Ruheständler. Mit seiner mageren Rente von 500 Euro monatlich und ohne Rücklagen seien seine Frau, auf die das Lokal laufe, und er kurz vor der Pleite. Von der beantragten November- und Dezemberhilfe sei noch nichts angekommen und die kurze Öffnung im Sommer 2020 habe auch nur die Hälfte des Normalumsatzes eingebracht. "So geht es auf keinen Fall weiter", erklärt Leykauf. In seinen 66 Lebensjahren habe er noch nie eine derartige Situation erlebt.

Zehn harte Monate

Der "Holzwurm" ist schon seit vielen Jahren eine Institution im Hersbrucker Nachtleben. Die Pilsstube befindet sich im Keller unter dem City-Kino. Seit das Coronavirus in Deutschland sein Unwesen treibt, sei die gute Lage aber eher Fluch als Segen. "Keller bedeutet keine Fenster, also auch keine zirkulierende Luft", erklärt der Pächter Roland Winkler. Aus diesem Grund sei der "Holzwurm" schon seit dem ersten Lockdown im März durchgehend geschlossen.

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"Obwohl die staatlichen Soforthilfen viele meiner Fixkosten abgedeckt haben, musste ich viel von meinem Ersparten in die Pilsstube stecken, um durchzukommen", erzählt Roland Winkler. Nichtsdestotrotz sei er mit den staatlichen Leistungen, zumindest aus finanzieller Sicht, zufrieden. Die Zukunft sehe seiner Meinung nach trotzdem nicht rosig aus, auch falls es zu einer Wiedereröffnung kommt. "Als Kellerkneipe kann ich mir das Sommergeschäft abschminken, also hoffe ich auf den Herbst", erklärt er. Selbst wenn er aufmachen dürfe, bleibe immer noch das Problem mit der fehlenden Belüftungsanlage und den beschränkten Kapazitäten. Für viele Bars rentiere es sich nicht, wenn die Sitzplätze und Gästezahlen drastisch eingeschränkt werden. "Das wäre der Tod vieler Kneipen!"

Hersbrucker Zeitung

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