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Sonntag, 22.09.2019

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Radwegenetz hinkt dem Anstieg des Radverkehrs hinterher

Immer mehr Bürger steigen aufs Rad - Keine Verkehrstoten in Hersbruck seit Jahren - 07.09.2019 19:09 Uhr

Die Zahl der Radunfälle steigt seit Jahren aufgrund des zunehmenden Vier- und Zweiradverkehrs in der Hersbrucker Schweiz an. Konstant ist, dass es seit 2010 keinen getöteten Radler gibt.


„Der Verkehrsraum Straße wurde über Jahrzehnte für den motorisierten Verkehr verbessert, der Radverkehr findet erst in den vergangenen Jahren verstärkt Eingang ins öffentliche Bewusstsein und die Straßengestaltung“, erklärt Helmut Hartmann von der Polizei Hersbruck. Da die Radwegeinfrastruktur meistens noch unzureichend ausgebaut ist, müssten sich Radler und Autofahrer die Straße teilen. Und da fängt das Problem an: „Es ist nach wie vor eine Zunahme des motorisierten Verkehrs zu verzeichnen, erfreulicherweise steigen aber auch immer mehr Bürger aufs Fahrrad.“ Ein Grund sei das Pedelec.

Meiste Unfälle passieren beim Abbiegen

Genau dieser Trend mache sich natürlich in ansteigenden Unfallzahlen bemerkbar, weiß Hartmann. Aber: „Die Statistik widerspricht den Eingangseindrücken.“ Sicherlich sei es unangenehm, von Autofahrern mit teilweise knappem Abstand überholt zu werden. Jedoch komme es im sogenannten Längsverkehr im Bereich der Polizei Mittelfranken kaum zu Unfällen, führt Hartmann aus.

Kracht es mit einem anderen Verkehrsteilnehmer, dann wenn beim Abbiegen oder in Sachen Vorfahrt nicht aufgepasst wird, erläutert der Beamte. In mehr als der Hälfte dieser Fälle waren zudem die Radler die Verursacher. „Häufig stürzen Fahrradfahrer ohne Beteiligung Dritter. Gründe sind Fahrfehler wie Unachtsamkeit oder unangepasste Geschwindigkeit.“

Letztere liege auch am Boom der E-Bikes. „Die haben schon ganz schön Schub.“ Und auch das könnten oft die Lenker selbst sowie auch Autofahrer nicht richtig einschätzen. Hartmann betont jedoch, dass es im Dienstbereich Hersbruck seit 2010 keinen getöteten Radfahrer gibt.

Komplexer Großraum

„Mittelfrankenweit kamen 2017 und 2018 jeweils neun Radfahrer ums Leben, 2016 waren es zwei“, berichtet Hartmann. Er leitet daraus ab, dass „Radfahrer im Hersbrucker Raum sehr sicher unterwegs“ sind – im Gegensatz zum Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen: „Hier ist der Verkehr noch relativ übersichtlich und nicht so komplex.“

Egal, ob hier oder in der Großstadt – jeder Pedaleur sollte ein verkehrssicheres Fahrrad unter dem Hintern haben, die Verkehrsregeln einhalten, einen Helm tragen und sichere Wege abseits der Hauptverkehrsstraßen benutzen, rät Verkehrserzieher und Radelexperte Hartmann. „Wo dies nicht möglich ist, sollte auf keinem Fall auf dem Gehsteig gefahren werden, wie wir es seit Jahren beobachten müssen.“

Mal per Rad, mal zu Fuß

Über Umwege auf Nebenstraßen käme man ebenfalls ans Ziel. Oftmals seien solche Wege sogar beschildert. Eins sei aber klar: „Jede Verkehrsart stellt andere Anforderungen an uns und je nach persönlichen Fähigkeiten bewegen wir uns mehr oder weniger sicher im Verkehrsraum.“ Und jeder nehme das Verhalten der anderen anders wahr. Auf die Perspektive kommt es eben an. 

Andrea Pitsch

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