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Reiseveranstalter: Urlaub ist gerade ganz weit weg

Carola Hoffmann vom Tui ReiseCenters Hense im interview - 09.04.2020 19:25 Uhr

Die Liegen bleiben leer: Während im Einzelhandel und der Gastronomie teilweise noch Minimalbetrieb herrscht, steht die Reisebranche wegen des Coronavirus komplett still.

© Julian Stratenschulte, dpa


Wie ist die Lage derzeit bei Ihnen?

Carola Hoffmann: Wir sind – obwohl wir das Büro nicht öffnen dürfen und Kurzarbeit haben – zu den normalen Öffnungszeiten per Telefon und E-Mail zu erreichen. Denn wir sind das Reisebüro vor Ort. Partner, Helfer in der Not und Vermittler bei Problemen – und erreichbar in Hersbruck und Hohenstadt. Reisen bedeutet momentan vor allem Zurückreisen – soweit es irgendwie geht.



Wir haben zig Gäste aus Urlaubsgebieten zurückgeholt – sogar, wenn die Kunden im Internet gebucht haben und die Online-Anbieter einfach ihre Telefone abgeschaltet haben. Einige Gäste mussten leider noch einmal Flüge bezahlen, aber die staatlichen Rettungsflüge bekommt man auch nicht umsonst.

Viele Herausforderungen

Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?

Hoffmann:Es gab in über 40 Jahren Reisebüro-Erfahrung schon viele Herausforderungen – 9/11, LTU-, TWA-, Air Berlin- und Germania-Pleite sowie Thomas Cook-Insolvenz. Aber das, was momentan passiert, ist so unwirklich, dass man gar nicht mehr weiß, wie man damit umgehen soll.

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Das heißt, es gibt auch keine klaren Aussagen, wie es in der Branche weitergeht?

Hoffmann:Nein. Die offiziellen Mitteilungen besagen, dass die meisten Reisen bis 30. April abgesagt werden, einige Kreuzfahrten sogar länger. Auch Flugzeuge sollen bis dahin am Boden bleiben.

Wie groß schätzen Sie den Schaden für die Branche ein?

Hoffmann:Die Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Hoteliers und Reedereien werden hoffentlich bald wieder einen Weg finden, Urlaube anbieten zu können. Wie und wann sie sich finanziell davon erholen werden – kann ich wirklich nicht sagen. Denn die Reisepreise einfach zu erhöhen, wird keine Lösung sein.


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Und für sich selbst und Ihr Reisebüro?

Hoffmann:Die Förderungen sind beantragt, mein Team ist in Kurzarbeit, die Steuerzahlungen ausgesetzt – und nun heißt es einfach durchhalten – und jeden einzelnen Bewohner der Umgebung bitten – sobald man sich wieder „einen Kopf“ wegen Urlaubsplanung machen kann –, bei uns in den ortsansässigen Büros Reisen zu buchen – egal, wie groß, wie klein, wie lang, wie kurz. Denn auch wir leben von der Unterstützung aller.

Lieber Geld parken

Und was raten Sie Kunden, die ab Mai Reisen gebucht haben?

Hoffmann:Mai-Reisen sollte man, wenn es geht, in hoffnungsvoller Weise umbuchen, statt sie abzusagen. Denn Geld, das zurzeit bei den Reiseveranstaltern, Musicalkarten-Agenturen und Fluggesellschaften geparkt wird, kann jeder einzelnen Branche helfen, diese verrückte Zeit zu überstehen. Man kann die Welt nicht einfach anhalten – es wird wieder Reisen geben, es wird nur eben eine gewisse Zeit dauern, bis es so weit ist.

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Ihre Hoffnung lautet also ...

Hoffmann: ...dass jeder Einzelne – vielleicht auch finanziell – seinen Teil dazu beisteuern wird, dass die Reisebüros und Veranstalter überleben können. So wie wir jetzt – obwohl wir zu Hause bleiben und kochen sollen – gerne auch die Lieferservice-Leistungen unserer Gastronomie nutzen, um sie zu unterstützen. Wir Reisebüros wollen auch in ein paar Monaten noch für unsere Kunden da sein – mit unseren Tipps, unserem Know-How, unserem Service vor, während und nach einer Reise. Ein Opodo, Check 24 oder Trivago interessieren der Handel und das Überleben in Hersbruck und Umgebung überhaupt nicht.

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Andrea Pitsch

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