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SM-Spiele: Monteur aus Fürth erpresst klamme Sexsklavin

Sie sollte sich für 10.000 Euro freikaufen - Geldübergabe auf Parkplatz - 30.01.2015 11:45 Uhr

Einen Strafbefehl hatte der Monteur nicht akzeptiert, wes­halb der ungewöhnliche Fall überhaupt erst vor dem Amtsge­richt landete. Der Mann erschien dort in Frei­zeitkleidung und ohne seinen Rechtsanwalt.

Die Staatsanwältin fasste knapp die Fakten zusam­men: Im März 2014 sei zwischen der Frau und dem Angeklagten - er will das Opfer zwei Monate vorher an einer Tankstelle ken­nengelernt haben - ein "Sklaven­vertrag" unterzeichnet worden. Er der Herr, sie die Untergebene, es ging dabei um die Erfüllung sa­domasochistischer sexueller Vor­lieben.

Doch dann wurde es der "Skla­vin" zu viel, sie wollte aufhören. Aber die Rechnung des "Herrn" war eine andere: Entweder, sie kaufe sich frei, oder aber er wer­de sie an einen anderen "Besit­zer" verkaufen. Das Lösegeld für die Freiheit setzte er zunächst mit 10.000 Euro an.

2200 Euro als "Ablöse"

Eine Summe, die die verzwei­felte Frau nicht aufbringen konn­te. So ging der Angeklagte zu­nächst auf 5000, dann auf 3600, schließlich auf 2200 Euro runter. Aus Angst, dass sie weiterhin zu seinen Diensten sein muss oder weiterverkauft werden würde, zahlte sie die Summe. Die Geld­übergabe fand auf einem Park­platz bei Schnaittach statt. Schön bürokratisch hielt der Sklaven­halter diesen Vorgang mit einer schriftlichen Vertragskündigung fest.

Die Ermittlungen bezogen zu­nächst auch Vergewaltigung mit ein, der Strafbefehl, der an den Angeklagten geschickt wurde, beinhaltete dann aber nur noch den Vorwurf der Erpressung. Und dagegen wurde Einspruch eingelegt.

Allerdings nicht von ihm selbst, behauptete der Angeklag­te vor Gericht. Er wisse nichts von einem Einspruch, das ha­be wohl sein Anwalt selbststän­dig getan. Überhaupt stellte sich der Fürther in der Verhand­lung ziemlich dumm: Er habe die Frau nur zweimal an einer Tankstelle gesehen. Das alles sei eine Lüge.

SMS über Wochen hinweg

Richter André Gläßl hob die Augenbraue und deutete auf die Akte: „Wir haben Beweise, dass das nicht stimmt. Die Hälfte der Akte ist voll von Handy-Nachrichten zwischen Ihnen und der Frau, Sie haben auf diesem Weg wochenlang Sklaven-Geschich­ten ausgetauscht.“

Den Handy-Kontakt konnte der Angeklagte somit nicht mehr ab­streiten. Doch das sei alles nur ein Spaß gewesen, "ich finde es ge­mein, dass ich jetzt so hingestellt werde. Was ich da geschrieben ha­be, hätte ich nie einem Menschen angetan." Gläßl machte aus seiner Skepsis keinen Hehl, verwies auf die Ver­tragskündigung: „Das soll also alles ein Komplott gegen Sie gewesensein?“

Es blieb beim Strafbefehl

Die Staatsanwältin hatte im Strafbefehl 90 Tagessätze à 40 Euro – also insgesamt 3600 Euro – gefordert. Richter Gläßl deute­te dem Angeklagten den weiteren Verlauf des Prozesses an: "Das ist ein gutes Angebot." Den Wink mit dem Zaunpfahl begriff der Mann dann schließlich. Er akzep­tierte den ursprünglichen Straf­befehl.

Zum Schluss ergriff der Anwalt des Opfers noch das Wort: "Und wann wollen Sie die 2200 Euro zurückzahlen? Zahlen Sie, sonst mach‘ ich Ihnen Druck ohne En­de." 

Susanne Will Pegnitz Zeitung

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