Donnerstag, 04.03.2021

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Vater in Hersbruck gefoltert: Urteil gegen Jugendliche gefallen

Nachdem sie den Vater überfallen hatten, krachten sie in Getränkehalle - 25.01.2021 17:56 Uhr

Zwei Tage lang wurden Zeugen, die Geschädigten selbst, ein Psychologe und ein Psychiater gehört, am Ende der Beweisaufnahme ist das Gericht davon überzeugt, dass es der 23-Jährige war, der die Gewaltorgie erst anzettelte und sich vor Ort als brutaler Schläger generierte. Sein Motiv: Er wollte nicht nur im virtuellen Computerspiel Gewalt ausüben, sondern in der echten Welt. Und weil er seinen Plan nicht alleine durchführen wollte, zog er den 21-Jährigen in die Sache hinein.


Folter und Mordkomplott: Nach brutalem Überfall rasten Angeklagte in Getränkehalle


Die drei Jugendlichen hatten sich über Computer-Spiele im Netz kennengelernt. Dort hatte der 15-Jährige den Angriff gegen seinen Vater und seine Schwester erst ins Rollen gebracht - er hatte im Chat behauptete, dass er von seinem Vater misshandelt wird. Dies war wohl unzutreffend, doch sorgte dafür, dass sich der 23-Jährige und der 21-Jährige in Köln in den Zug setzten und nach Hersbruck reisten, um dem Vater einen Denkzettel zu verpassen.

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Gewaltverbrecher krachen mit gestohlenem Auto in Getränkehalle bei Ottensoos

Auf der Flucht vor der Polizei haben zwei Männer an Silvester 2019 mit einem geraubten Wagen einen folgenschweren Unfall gebaut. Auf Höhe des Gewerbegebiets Bräunleinsberg bei Ottensoos (Lkr. Nürnberger Land) verlor der 23-jährige Fahrer die Kontrolle über das Auto. Der Wagen hob ab, schleuderte durch die Luft und durchbrach die Wand einer Lagerhalle für Getränke. Die beiden Insassen, die zuvor ein entsetzliches Gewaltverbrechen an einem Hersbrucker Familienvater und dessen Tochter verübt haben sollen, erlitten schwere Verletzungen und mussten von der Feuerwehr befreit werden.


Der 21-Jährige leidet unter Autismus, krankheitsbedingt ist er nicht in der Lage, sich zu widersetzen. Im Prozess war auch die Rede davon, dass der 23-Jährige ihn massiv bedroht hatte, damit er überhaupt mit nach Hersbruck fuhr. Vor Ort, in der Hersbrucker Wohnung, hielt er sich im Hintergrund. Er wurde zwar auch wegen der Verabredung zu einem Verbrechen verurteilt, doch ist eingeschränkt schuldfähig. Er bleibt auf freiem Fuß, gegen ihn wird eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verhängt, die Vollstreckung wird zur Bewährung ausgesetzt.

15-Jähriger lebt in Jugendeinrichtung

Der 15-Jährige war zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung. Er war damals 14 Jahre, die Familie hatte ihn nach einem Angriff auf den Vater in einer Jugendeinrichtung untergebracht. Dort lebt er bis heute, absolviert eine Ausbildung zum Schreiner; er besucht eine Therapie sowie ein Anti-Aggressions-Training. Diese Betreuung wird nach dem Urteil nun noch engmaschiger, er erhält einen Bewährungshelfer, mit ihm wird er regelmäßig im Kontakt stehen. Das Gericht spricht eine Jugendstrafe von einem Jahr aus. Damit der 15-Jährige nicht irrtümlich glaubt, mit einer Art Freispruch davon zu kommen, verhängt das Gericht zusätzlich einen Warnschussarrest von einer Woche.

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