Vor Brandanschlag in Vorra: Es gab Unstimmigkeiten

6.2.2015, 07:23 Uhr
Im Dezember wurde im geplanten Asylbewerberheim in Vorra ein Feuer gelegt. Auch Nazi-Schmierereien wurden entdeckt.

Im Dezember wurde im geplanten Asylbewerberheim in Vorra ein Feuer gelegt. Auch Nazi-Schmierereien wurden entdeckt. © S. Fuchs

Es hatten noch verschiedene Nachweise zur Nutzungsaufnahme gefehlt, darunter Teil zwei des wichtigen Brandschutzgutachtens. Und: Beim Antrag auf Nutzung der Gebäude kam es zumindest zu Unstimmigkeiten.

Wer ein Gebäude als Asylbewerberheim umnutzen möchte, muss viele Hürden überwinden. Wenn der Behördenmarathon erledigt ist, die Zimmer renoviert sind und die Küche auf Vordermann gebracht worden ist, dann kann der Nutzungsantrag gestellt werden. Der muss mindestens 14 Tage vor dem Einzug der Flüchtlinge beim Landratsamt beantragt werden. Zwingend notwendig dazu ist das Brandschutzgutachten Teil 2 - der erste Teil muss bereits beim Antrag auf Umnutzung beigelegt werden.

Jedoch: Als der Projektentwickler den Nutzungsantrag am 16. November beim Landratsamt in Lauf stellte, fehlte das Brandschutzgutachten. „Ja“, bestätigt der auf Anfrage, „das wollten wir nachreichen.“ Wobei der Nutzungsantrag nur mit dem Brandschutzgutachten zusammen bewilligt werden kann. Bis zum Brandausbruch am 11. Dezember ging bei der Behörde kein Brandschutzgutachten ein, so Landratsamtsprecher Rolf List.

Römische statt arabische Buchstaben

Doch das war nicht der einzige Grund, warum das Landratsamt den Nutzungsantrag zurückwies: Geschrieben wurde der Antrag am 16. November, zwei Wochen später also hätte das Haus nach Prüfung als Flüchtlingsheim genutzt werden können. Dann hätte auch die Regierung von Mittelfranken nach positivem Prüfungsergebnis die Miete gezahlt. Im Landratsamt traf das Schreiben am 24. November ein. Jedoch: Der Antrag wurde so formuliert, dass der Nutzungsantrag vordatiert wurde, so Rolf List. „Statt mit arabischen Zahlen - die 11 für November - wurde der Antrag mit römischen Zahlen geschrieben. Der Nutzungsantrag aber operierte mit einer Neun - IX - , September also", erklärt Rolf List die Ablehnung der Behörde. So stand es in dem Brief: Tag der Nutzungsaufnahme: „28.IX.2014“.

Erst ein X, dann ein I, das wäre das Zeichen für die Elf gewesen, ja, man kann da durcheinander kommen. Es lässt aber auch Raum für Interpretationen, für die sich auch die Kripo interessierte: War das ein Trick, um eventuell früher an die Miete zu kommen oder doch ein Versehen? Damit konfrontiert weist der Projektentwickler alles weit von sich - ein Versehen, wie auch Absicht. „Das ist alles an den Haaren herbeigezogen.“ Wie es aber zur Datums-Angabe „September“ gekommen ist, kann er nicht erklären.

Sobald der Nutzungsantrag durchgewunken worden wäre, hätte die Regierung von Mittelfranken eine Quadratmeter-bezogene Miete für die geplante Gemeinschaftsunterkunft gezahlt. „Die Mietzahlung wird nach erfolgter Übergabe der Objekte an die Regierung geleistet. Hierfür müssen selbstverständlich die Baugenehmigung und die erforderliche Brandschutzbescheinigung vorliegen, um die Nutzung aufzunehmen“, so eine Regierungssprecherin.

„Der Regierung war bekannt, dass die Brandschutzbescheinigung Teil 2 fehlte, die für die Aufnahme der Nutzung erforderlich ist. Eine Belegung konnte demnach noch nicht erfolgen.“ Bislang wurde also noch keine Miete gezahlt. Dass der Antrag auf Nutzung vom Landratsamt wegen der „Vordatierung“ zurückgewiesen wurde, war der Regierung nicht bekannt.

Der Projektentwickler und der Hausbesitzer ziehen weiterhin an einem Strang. Ihr Ziel: Die Unterkünfte sollen renoviert werden, um wie vorgesehen Flüchtlingen ein vorübergehendes Zuhause zu bieten.

Polizei veröffentlicht Phantombild

Im Zuge der Untersuchungen zu den Brandanschlägen hat die Polizei inzwischen einen Zeugen ermittelt, der einen unbekannten Mann am Tatort gesehen hat. Nach ihm wird nun mittels eines Phantombildes gefahndet.

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