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Samstag, 19.10.2019

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Walter Költsch und Götz Reichel versteigerten beim Markt der langen Gsichter

In Hersbruck erwiesen sich beide als Unterhaltungskünstler - 30.12.2018 15:02 Uhr

Götz Reichel nimmt hier Holzvase und -fass unter den Hammer.


Präsentiert wurde die Gaudi schon zum achten Mal von der Hersbrucker Zeitung in Kratzers Biergarten. Diesmal hatte HZ-Verlegerin Ursula Pfeiffer den Weltenbummler Walter Költsch zur Unterstützung eingeladen. "Fränkischen Indiana Jones" nannte sie ihn in Anlehnung an einen Kinohelden und gab Einblicke in den Alltag eines Reiseabenteurers, der sich fragen muss: "Wie bringe ich das Kajak aufs Fahrrad oder umgekehrt das Fahrrad aufs Kajak?"

Rein optisch stahl allerdings Götz Reichel seinem Kollegen auf der Bühne die Schau. Er hatte wieder einmal tief in seinem Kleiderschrank gewühlt, einen dunkelgrünen Pulli mit einer Mischung aus Weihnachtsmann und Schneemann auf der Frontseite gefunden und dann auch noch angezogen.

So ausstaffiert war es für den Hersbrucker Stadtrat ein leichtes, einen tanzenden Nikolaus mit vier Saugnäpfen loszuwerden. "Ein Schmuckstück der erzgebirgischen Handwerkskunst", pries Götz Reichel das Geschenk an und erzielte 13 Euro. Walter Költsch versuchte ähnlich erfolgreich sein Glück mit drei Kochbüchern. Dabei peppte er die Werke um eigene Lebenserfahrungen wie "Brotbacken in der Wildnis" auf.

Buntes Preistreiben

Der Stargast schreckte vor keiner unmöglichen Aufgabe zurück. Den Preis des Dekosets Buddha, laut Beipackzettel eine Ruheoase samt Kerzenlicht, schraubte er dank einfallsreicher Werbung à la "das Material aus dem derzeitigen Trendstoff Beton" auf 14 Euro. Götz Reichel toppte das, als er ein Sportgerät fürs stille Örtchen – ein Angelset fürs Klo – versteigerte. "Irgendwas ausdiskutieren möcht ich mit dir net", sagte daraufhin Walter Költsch seinem Moderatorkollegen. Denn dieser hatte die Gebote im Stakkatostil in die Höhe getrieben – in Ein-Euro-Schritten bis 23 Euro – und ähnlich flott Passagen der Bedienungsanleitung in 21 Sprachen vorgelesen.

Der Egensbacher setzte dagegen auf seine ruhige Art. Kurzerhand übersetzte er das Kartenspiel „Dumm gelaufen“ ins fränkische, also „Bleid gloffn“. Auch eine wasserdichte Armbanduhr im Krokodesign war für den Mann der Wildnis kein Problem und er berichtete von einem ähnlichen eigenen Stück, bei dem das Wasser reinlief, aber nicht mehr raus.

Ehrlichkeit ("Es ist einfach scheußlich") erwies sich als ebenso verkaufsfördernd wie leichte Übertreibungen ("drei Flaschen Schnaps mit zusammengerechnet 120 Prozent Alkohol") oder Zweckentfremdungen: "Man kann die beiden Kerzen auch als Waffe gegen Einbrecher verwenden."

Jürgen Ruppert

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