Montag, 18.11.2019

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Hersbrucker Verein erhält mittelfränkischen Integrationspreis

Auch ein Theaterprojekt aus Roth wird ausgezeichnet - 05.11.2019 19:15 Uhr

Seit 20 Jahren gibt Marianne Ermann (hinten links) geflüchteten Frauen im Schwimmbad in Hersbruck Selbstvertrauen und ein Gefühl der Leichtigkeit. Dafür wurde ihr Verein nun mit dem mittelfränkischen Integrationspreis ausgezeichnet. © Foto: Jutta Olschewski/epd


"Die meisten Frauen, die mit uns ins Schwimmbad kommen, sind am Anfang extrem ängstlich. Sie trauen sich erst mal nur mit einer Zehenspitze ins Wasser, dann bis zu den Knien. Wenn das Wasser um sie schwankt, weckt das schlimme Erinnerungen an die Flucht über das Meer", erzählt Marianne Ermann.

Seit 20 Jahren geht sie regelmäßig mit geflüchteten Frauen in Hersbruck ins Schwimmbad. Viele Frauen aus Syrien und dem Irak sind dabei, aber auch aus Russland, Äthiopien oder Albanien. Frauen in jedem Fall, in deren Heimat es meist nicht üblich ist, dass Frauen schwimmen können.

Für die Schwimmstunden suchen sich die Frauen gezielt Zeiten, in denen weniger Betrieb ist. © Foto: Jutta Olschewski/epd


"Viele haben panische Angst, ins Wasser zu gehen. Obwohl sie in dem Becken in Hersbruck immer stehen können. Wenn man sie hält, im Wasser schweben lässt, und dann loslässt, bekommen sie anfangs noch riesige Angst", sagt Ermann. Viele der Frauen sind zu Beginn sehr steif und verkrampft, die Bewegungen sind ungewohnt.

Für diese Frauen sei es ein riesiger Erfolg, sich bald komplett ins Wasser zu trauen und dann sogar etwas schwimmen zu können. "Das erleichtert den Körper und die Seele und gibt viel Selbstvertrauen", meint Ermann.

Für dieses Angebot hat der Ökumenische Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration in Hersbruck nun bei der Verleihung der mittelfränkischen Integrationspreise den zweiten Preis verliehen bekommen (Preisgeld: 1500 Euro).

"Bayern ist ein weltoffenes Land"

Für die Schwimmstunden suchen sich die Frauen gezielt Zeiten, in denen weniger Betrieb ist. Bikini, Badeanzug, knielange Badehose und Badeshirt oder Burkini – jede nur denkbare Badekleidung ist dabei zu sehen. "Die Frauen müssen es auch ertragen können, dass andere Männer da sind. Und sie sehen, wie andere Frauen sich im Schwimmbad verhalten und wie viel Vergnügen sie beim Schwimmen empfinden", betont Ermann.

Zum zwölften Mal wurden nun die mittelfränkischen Integrationspreise verliehen - auch an die Hersbrucker Schwimmgruppe. "Bayern ist ein weltoffenes Land, und das soll es auch bleiben. Gerade in Zeiten wie diesen sind solche Veranstaltungen sehr wichtig. Manche Ehrenamtliche werden sogar dafür angefeindet, dass sie sich für Integration einsetzen", sagt Heike Jung, Ministerialdirigentin im bayerischen Ministerium des Innern, für Sport und Integration, bei der Preisverleihung.

Sie betont das Engagement des Staates, die Finanzierung von Stellen zur Flüchtlings- und Migrationsberatung oder Kurse zur "Lebenswirklichkeit in Bayern". "Der Staat kann aber nur die Rahmenbedingungen schaffen. Dass jemand ankommt und heimisch wird, das können nur Menschen schaffen", sagt Jung.

Solche Menschen engagieren sich zum Beispiel beim Netzwerk Interkulturelle Öffnung beim Landratsamt Roth. Für das Theaterprojekt "Bunt gemischt" erhielten sie den dritten Preis bei der diesjährigen Auszeichnung (Preisgeld: 1000 Euro).

Ausflüge entschärfen Konflikte

Jugendliche, die aus Syrien, Armenien und Tschetschenien stammen, die irakische oder palästinensische Wurzeln haben, haben bei diesem Projekt in Theaterstücken ihre Erfahrungen der Flucht und des Fremdseins spielerisch aufgearbeitet.

Den ersten Preis und ein Preisgeld von 2500 Euro erhielt der TV 1848 Erlangen für sein Projekt "Demokratie leben". Der Verein hat zum Beispiel erlebnispädagogische Ausflüge mit Schulklassen unternommen, in denen sich sehr viele Kinder mit hohem Konfliktpotenzial befinden, oder Grundschulklassen gezeigt, wie sie mit Gewalt im Alltag umgehen können.

Wozu solche Integrationsprojekte führen können, verdeutlicht zuletzt Marianne Ermann von der Hersbrucker Schwimmgruppe: "Viele Frauen bleiben lange dabei. Irgendwann gehen die meisten dann selbst mit ihren Kindern ins Schwimmbad. Sie brauchen uns nicht mehr – und das ist ja auch das Ziel."

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