Papier

Ausstellung im Stadtmuseum Herzogenaurach

1.12.2021, 10:30 Uhr
Im Stadtmuseum in Herzogenaurach ist derzeit eine Ausstellung zum Thema Papier zu sehen.

Im Stadtmuseum in Herzogenaurach ist derzeit eine Ausstellung zum Thema Papier zu sehen. © Irene Lederer, NN

Anregung zu dieser Ausstellung gab das älteste Papierobjekt, das im Herzogenauracher Stadtarchiv aufbewahrt wird: eine Stadtordnung aus dem Jahr 1382, die zu einer Zeit geschrieben wurde, als hier überhaupt noch kein Papier hergestellt wurde. Die älteste Papiermühle wurde erst 1390 in Nürnberg errichtet.

Die Ausstellung erzählt die Historie der Papierherstellung und -verwendung anhand von wertvollen Originalen aus dem Bestand des Stadtarchivs und des Stadtmuseums. Im Jahr 1409 beginnen etwa die Herzogenauracher Stadtbücher, dabei handelte es sich um eine vollkommen neue Form des städtischen Schriftgutes. Mit der zunehmenden Produktion von Papier und den damit sinkenden Kosten erhielt die Schriftlichkeit in den Städten enormen Aufschwung. Im Laufe des Jahrhunderts begann man zusätzlich damit, auch Alltägliches schriftlich zu regeln.

Die zunehmende Produktion von Papier in größeren Mengen war auch die Grundlage für die Entwicklung des Buchdrucks. Frühe Drucke mit handkolorierten Illustrationen sind Zeugnisse der kulturellen Umwälzung, die von Johann Gutenbergs Druckerpresse im 15. Jahrhundert ausgelöst wurde.

Reichtum an Techniken

Zu den schönsten Bereicherungen des ausgehenden 17. Jahrhunderts gehören die handgefertigten Buntpapiereinbände, die einen außergewöhnlichen Reichtum an Techniken und dekorativen Mustern zeigen. Im Stadtarchiv findet sich dazu eine große Palette von Beispielen in bemerkenswerter Vielfalt: Marmorpapiere, Kleisterpapiere oder Kattunpapiere, bis hin zu Brokatpapieren. Zu sehen sind Beispiele für das sogenannte Luxuspapier, Ehrendiplome, Urkunden, Patenbriefe wurden aufwendig verarbeitet – bunt bedruckt, gestanzt, geprägt, montiert sowie mit Fremdelementen wie Schleifen verziert.

Die Industrialisierung brachte Umwälzungen bei der Papierherstellung. Seit dem Mittelalter war Papier aus „Hadern“, also alten Lumpen und Textilien hergestellt worden. Doch deren begrenzte Verfügbarkeit schränkte die Verwendung von Papier stark ein. Erst mit der industriellen Herstellung von Papier aus Holz wurde das Material seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wirklich zu etwas Alltäglichem.

Schlechtere Qualität

Zeitungspapier etwa konnte jetzt zu 80 Prozent aus billigem und in Massen verfügbarem Holz hergestellt werden. Für die Qualität und Alterungsbeständigkeit der Papiere hatte die Einführung des Holzschliffs verheerende Folgen, mit denen Archive, Museen und Bibliotheken noch heute massenhaft zu kämpfen haben.

Im Gewölbekeller finden die Besucher zum Abschluss des Rundgangs Raritäten aus dem Bereich der Grafik, die sich im Mittelalter mit dem neuen Medium als Kunstform etablierte. Frühe Holzschnitte und Kupferstiche beweisen, dass dem Papier nun auch in der Kunst eine tragende Rolle als Untergrund zukam. Grafiken und Originalzeichnungen mit Bezug zu Herzogenaurach runden die Ausstellung ab. Erläutert werden dabei verschiedenen Techniken, die in der Kunst Verwendung finden.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 9. Januar. Geöffnet ist das Herzogenauracher Stadtmuseum donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Gemäß den Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung sind Museen nur nach 2G plus zugänglich.

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