Drei Mal Wechsel im Stadtrat Herzogenaurach

Bei Grünen und JU rücken Volksvertreter nach

14.1.2022, 12:48 Uhr
Historiker Mark Deavin (2. v. r.) hatte unter anderem akribisch über das Vernichtungsprogramm

Historiker Mark Deavin (2. v. r.) hatte unter anderem akribisch über das Vernichtungsprogramm "T4" während der Nazi-Zeit recherchiert. Er arbeitete zahlreiche lokale Bezüge und Namen heraus. Am Kirchenplatz in Herzogenaurach wurde den Opfern daraufhin mit einem Gedenkstein Ehre erwiesen. Im Stadtrat Herzogenaurach war er seit der Kommunalwahl 2020.  © Foto: Athina Tsimplostefanaki

Historiker Mark Deavin hatte unter anderem akribisch über das Vernichtungsprogramm "T4" während der Nazi-Zeit recherchiert. Er arbeitete zahlreiche lokale Bezüge und Namen heraus.

Seine Aufgabe hatte sich Deavin nicht leicht gemacht. Der gebürtige Brite, dessen Kandidatur wegen des Brexits nicht einfach war, interviewte Ältere, forschte aber auch im Bamberger Staatsarchiv, in Berliner Krankenhausakten und in Aufzeichnungen von Bezirkskliniken.

Im Dritten Reich habe die NS-Propaganda "voll zugeschlagen", so ein Ergebnis. Dies sei durch die Unterscheidung von lebenswertem ("blond und blauäugig") und lebensunwertem Leben geschehen. In sogenannten "Heilanstalten" seien menschenunwürdige Experimente durchgeführt worden - oft mit Todesfolge.

JU Herzogenaurach: Simon Dummer folgt auf Katharina Zollhöfer im Stadtrat; mit auf dem Foto (Mitte): Fraktionsvorsitzender Konrad Körner

JU Herzogenaurach: Simon Dummer folgt auf Katharina Zollhöfer im Stadtrat; mit auf dem Foto (Mitte): Fraktionsvorsitzender Konrad Körner © JU Herzogenaurach, NN

Am Kirchenplatz in Herzogenaurach wurde den Opfern nach den Veröffentlichungen mit einem Gedenkstein Ehre erwiesen. Im Stadtrat Herzogenaurach war Mark Deavin seit der Kommunalwahl 2020. Für sein außergewöhnliches Engagement zur Aufdeckung des NS-Euthanasie-Tötungsprogrammes erhielt er die zehnte Bürgerwilma ("Bürgerwille macht’s") des Grünen-Ortsverbandes. Die schwere Ehrungsstatue wurde ihm in einer bewegenden Feierstunde überreicht.

Bereits bekannt gegeben wurde dass Patrizia Eliani Siontas, bekannt unter anderem für ihr Engagement im Parterschaftsverein Kaya, in der Grünen-Fraktion Peter Simon nachfolgt und sich die Grünen-Fraktion damit um zwei Protagonisten verändert. .

Zu ihrem Rücktritt erklärt Katharina Zollhöfer (JU): „Ich habe mich entschieden, zur Sitzung am 27. Januar 2022 mein Mandat niederzulegen und den Stadtrat um Entlassung aus dem Amt zu bitten. Es waren großartige zwei Jahre, in denen ich mich mit und für (junge) Herzogenauracher im Stadtrat einbringen konnte. Allerdings erfordern zunehmende private und berufliche Anforderungen in Zukunft meine volle Aufmerksamkeit. Deshalb bin ich nach reiflicher Überlegung zum Schluss gekommen, dass ich mein Mandat nicht so ausüben kann, wie ich es mir wünschen würde. Auch wenn ich es sehr bedauere, die erfüllende Arbeit im Stadtrat aufzugeben, habe ich diese Entscheidung – auch aus Respekt zum Mandat und zur Wählerstimme – getroffen.“ JU-Fraktionsvorsitzender Konrad Körner sowie Ortsvorsitzender und Listennachrücker Simon Dummer billigen diese Entscheidung.

Mit viel Herzblut

Konrad Körner verzichtet vorerst nur ungern auf die Kollegin und findet nur lobende Worte: "Katharina hat sich mit ganz viel Herzblut in die Stadtratsarbeit eingebracht. Sie ist jemand, die ihre Meinung sagt und dabei immer ein offenes Ohr für jeden hat. Diese Eigenschaften zeichnen sie in ihrem politischen Wirken aus. Im Ehrenamt bleibt sie als stellvertretende Vorsitzende von CSU und JU in Herzogenaurach aktiv.

Gleichzeitig zeigt diese Veränderung, dass wir mit der eigenen JU-Liste richtig lagen: Lebensrealitäten von jungen Menschen ändern sich und mit unserer starken Aufstellung als JU können wir sicherstellen, dass der Stadtrat immer frischen Wind bekommt – ab dem 27. Januar dann mit dem 28-jährigen Ingenieur für Energie- und Gebäudetechnik Simon Dummer."

Grünen-Nachrücker Veit Götz an der Mühle in Niederndorf 2017. Damals war er noch Abiturient. 

Grünen-Nachrücker Veit Götz an der Mühle in Niederndorf 2017. Damals war er noch Abiturient.  © Fotos: Pfrogner

Dieser ist Listennachrücker und aktuell noch Aufsichtsrat der Stadtwerke für die JU. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, habe aber natürlich auch Respekt vor dem Amt und der Lücke, die ich schließen muss. Das politische Stadtgeschehen ist mir nicht fremd und ich kann sicherlich auch den ein oder anderen Impuls in den Stadtrat mit einbringen. Die JU hat jedenfalls noch jede Menge Themen auf Lager."

Nachfolger von Dummer als Aufsichtsrat wird auf Vorschlag der JU-Fraktion Johannes Wirth. Einig sind sich die neuen und alten Stadträte darin, dass die Stadtratsarbeit flexibler werden muss: Ob als mögliche Elternzeit für Stadträte oder mit der im letzten Jahr abgelehnten Möglichkeit, auch digital an der Sitzung teilnehmen zu können, würde jungen Menschen die Arbeit in politischen Gremien leichter gemacht werden. Dafür wolle man sich auch weiter einsetzen, lässt die JU wissen.

Der Partnerschaftsverein hatte Besuch aus Kaya (von links): Matthias Engel vom Gymnasium/Lauf für Kaya, Almut Töpperwien, Didier Ouedraogo, Anita Scholz, Karin Peucker-Göbel, Alev Ekici und Patrizia Siontas.

Der Partnerschaftsverein hatte Besuch aus Kaya (von links): Matthias Engel vom Gymnasium/Lauf für Kaya, Almut Töpperwien, Didier Ouedraogo, Anita Scholz, Karin Peucker-Göbel, Alev Ekici und Patrizia Siontas. © Foto: Lohmaier

Keine Kommentare