Haushalt verabschiedet

Betreutes Wohnen soll in Oberreichenbach entstehen

Niko Spörlein

4.5.2022, 05:55 Uhr
Bürgermeister Hacker zeigt das 2500 Quadratmeter große Grundstück gegenüber der Kirche, das für „Betreutes Wohnen“ bebaut werden soll.

© Nikolaus R. Spörlein Bürgermeister Hacker zeigt das 2500 Quadratmeter große Grundstück gegenüber der Kirche, das für „Betreutes Wohnen“ bebaut werden soll.

Laut der Finanzexpertin der Verwaltungsgemeinschaft Aurachtal, Hanna Stumptner, ist keine Kreditaufnahme geplant, allerdings werden voraussichtlich bis Ende des Jahres 368 000 Euro von den Rücklagen entnommen und 116 550 Euro vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt „überwiesen“. Diese „freigeschaufelten“ Gelder dienen eigentlich der Bedienung von Zins und Tilgung, was im Dorf an der Landkreisgrenze aber nicht nötig wird, weil keine bedient werden müssen.

Was hier also übrig bleibt, bezeichnet man als „Freie Finanzspanne“ einer Kommune - und die ist einmal mehr wichtig für Oberreichenbach, denn laut Bürgermeister Klaus Hacker werden im Rahmen der Städtebauförderung und des nötigen Grunderwerbs mehrere Hunderttausend Euro benötigt. Vor allem für ein für die Gemeinde äußerst ehrgeiziges Projekt mitten im Dorf, gleich gegenüber der Pfarrkirche. Dort möchte nämlich die Gemeinde eine Baumaßnahme entwickeln, für die Oberreichenbach indessen schon den Grund mit 2500 Quadratmetern erworben habe, sagte Hacker.

Gezielte Hilfe

Eine Art „Betreutes Wohnen“ soll dort entstehen, wo ältere Mitbürger weitgehend selbstständig leben können und - wenn nötig - auch ganz gezielte Hilfe erwarten dürfen. Hierfür muss „ganz sicher noch heuer“ die dort noch stehende, mitunter baufällige Scheune und Teile des sich anschließenden alten Wohnhauses abgerissen werden. Ganz könne man das alte Wohngebäude, das bis vor einiger Zeit noch bewohnt war, allerdings nicht abreißen, denn das Gebäude stehe unter Denkmalschutz, teilte Hacker kurz vor der Haushaltsdebatte bei einem Ortstermin mit und fügte hinzu: „Die alten Obstbäume auf dem Grundstück wollen wir unbedingt erhalten!“

Er hofft, dass die Baumaßnahme nach den Abrissarbeiten noch 2023 begonnen werden, jedoch könne die Gemeinde selbst nicht der Investor sein, weshalb man aktuell Ausschau halte nach einer Gesellschaft (genannt wurde oft die GeWoBau-Land), die sich des Bauprojekts annehme. Was das Bauvorhaben „Betreutes Wohnen“ letztlich kosten werde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt und ganz am Anfang des Vorhabens natürlich noch nicht beziffern, so Hacker, der mit Blick auf die Gesamtinvestitionen nämlich noch einige andere „schwere Brocken“ im Blick haben muss.

335 000 stellte Stumptner für die „Entwicklung Ortskern“ in den Haushalt, will heißen, dass dies Gelder sind, die für dieses Vorhaben (vorerst) benötigt werden. In diesem Zusammenhang schwebt Klaus Hacker natürlich die erweiterte „Innenentwicklung“ vor, denn gleich hinter dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück liegt noch eine Fläche mit etwa 1500 Quadratmetern brach, die im Rahmen dieser „Innenentwicklung“ auch noch hergezogen werden könnte. Hierfür, da war man sich einig, muss Oberreichenbach allerdings einen Bebauungsplan auf die Wege bringen, um an Zuschüsse aus der Städtebauförderung zu kommen.

Hort wird gebaut

Mit weiteren 300 000 Euro steht der Neubau des geplanten Hortes in den Büchern, 191 000 Euro stellte Stumptner für die Sanierung der Weiherstraße in den Haushalt, die oft schon debattierte Ertüchtigung der Kläranlage schlägt (heuer) mit 157 000 Euro zu Buche, um nur einige der investiven Maßnahmen zu nennen. Unter dem Strich stehen dann die anvisierten 1,92 Millionen im Vermögenshaushalt.

Die Rücklagen belaufen sich Anfang 2022 auf 1,33 Millionen Euro und werden durch die Entnahme auf 970 000 Euro reduziert. Im Verwaltungshaushalt dominieren wie in allen anderen Gebietskörperschaften die Personalausgaben, die heuer um 60 000 Euro auf dann 1,17 Millionen Euro steigen, rechnete Stumptner unter Berücksichtigung der Tariferhöhungen aus. Aus diesem Haushaltsteil wird auch die Kreisumlage abgezogen, die 2022 rund 683 000 Euro betragen wird; die Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft schlägt mit 198 000 Euro zu Buche.

Dem stünden natürlich auch Einnahmen gegenüber, so die Fachkraft für das Finanzwesen. 1,14 Millionen Euro beträgt alleine die Steuerkraft. 1,03 Millionen Euro werden aller Voraussicht nach die Einnahmen aus der Einkommensteuerbeteiligung betragen. Oberreichenbach darf in diesem Jahr dann noch auf ein Plus bei den Schüsselzuweisungen des Staates in Höhe von 451 000 Euro hoffen. So viel gab es die letzten vier Jahren nicht. „Wir werden auch weiterhin ein wachsames Auge auf die Finanzen der Gemeinde haben und mit Weitblick investieren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren“, meinte der Bürgermeister.

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