Montag, 12.04.2021

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Garten spiegelt das Lebensgefühl der Scheinkönigs wider

Viele Blickwinkel in Herzogenaurach: Lieblingsorte sind der Pavillon und die Feuerstelle - 05.09.2020 08:00 Uhr

Ruhe, Besinnung, gute Gedanken und anregende Gespräche: An ihrer Feuerstelle im Garten können Bettina und Walter Scheinkönig entspannen und sich an ihre vielen aufregenden Reisen erinnern.

04.09.2020 © Foto: Jeanette Seitz


"Als Bauingenieur mag ich Symmetrie und Struktur, aber nichts Gleichförmiges", sagt Walter Scheinkönig. Und genau das spiegelt sich auch im Garten der Scheinkönigs in der Flughafenstraße in Herzogenaurach wider.

Weite ist der erste Eindruck, wenn man durch das weiß gestrichene Gartentor tritt. Dabei ist der Scheinkönig‘sche Garten gar nicht so groß, das Grundstück inklusive Haus hat 530 Quadratmeter. Doch Walter Scheinkönig hat sich einen cleveren Trick einfallen lassen: Weiße Holzplanken führen diagonal bis zu einem Pavillon am anderen Ende des Gartens. "Dadurch gewinnt der Garten optisch an Tiefe und wirkt größer", erklärt der 69-Jährige. Hinzu kommen leicht versetzte Ebenen, die für eine zusätzliche Dynamik sorgen. Rasen, Teich und Steg sind auf unterschiedlichen Höhen angelegt – eben nicht gleichförmig.

Gepflegter Eindruck

Insgesamt macht der Garten von Bettina und Walter Scheinkönig einen akkuraten, gepflegten Eindruck. Hier ist alles konzipiert und komponiert. Doch Langeweile kommt durch viele ungewöhnliche Elemente dennoch nicht auf. Auf dem Teich dümpelt ein originales, hölzernes Einbaum-Boot vom Malawi-See in Afrika – ein "Mitbringsel" der Scheinkönigs von einer ihrer vielen Reisen. Eine Feuerstelle aus Sandstein-Blöcken versprüht einen Hauch von Abenteuer und Lagerfeuer-Romantik. In einem mit Rosen und Lavendel bepflanzten Hochbeet thront eine Skulptur eines befreundeten Künstlers. Sowieso finden sich im ganzen Garten etliche Kunstwerke – ein weiterer wichtiger Aspekt im Leben der Scheinkönigs.

Eine besonders atmosphärische Stimmung kommt abends auf, wenn der gepflegte Garten der Scheinkönigs dezent illuminiert wird.

04.09.2020 © Foto: Scheinkönig


Und natürlich der überdachte Pavillon. "Unser sommerliches Wohnzimmer und unser kleines italienisches Restaurant", sagt die 59-jährige Bettina Scheinkönig. Bei Nacht können Pavillon und Garten dezent und stimmungsvoll illuminiert werden, auch leise Musik erklingt. Aber das Wichtigste: Vom Pavillon aus hat man einen unverstellten Blick auf die Rückseite des Hauses. Denn dort haben die Scheinkönigs einen prächtigen weißen Holzbalkon mit einer Treppe, die in den Garten führt, angebaut – im Stil der "East Coast"-Häuser an der amerikanischen Ostküste. Auch das wieder eine Inspiration von einer gemeinsamen Reise. "Ästhetik ist uns ganz wichtig", betont Walter Scheinkönig. "Der Garten ist Lebensraum und spiegelt auch unser Lebensgefühl wider." Eine Eibenhecke rahmt den Garten ein und macht ihn zu einem gemütlichen Refugium.

Früher nur Nutzgarten

Dabei war das Thema Garten für Walter Scheinkönig ursprünglich sehr negativ behaftet. "Meine Eltern gehörten zur Nachkriegsgeneration, da war Selbstversorgung wichtig, wir hatten also einen kompletten Nutzgarten." Da sei viel Arbeit nötig gewesen, der Garten habe viel Zeit gefressen. "Doch ich wollte in meiner Freizeit lieber reisen und andere Dinge sehen."

Vom Pavillon aus über den Teich hat man die beste Sicht auf den prächtigen weißen Holzbalkon. Verschiedene Blickwinkel sind den Scheinkönigs in ihrem Garten wichtig.

04.09.2020 © Foto: Jeanette Seitz


Nach der Hochzeit mit Bettina im Jahr 1991 wurde zunächst das Elternhaus umgebaut, der Balkon kam hinzu, "doch die Treppe endete erstmal im Nichts", erzählt Walter. Dann wagte er sich an das "Projekt Garten". Der kreative Entwurf stammt von ihm selbst. Und auch die meisten Arbeiten erledigten die Scheinkönigs mit eigenen Händen – lediglich für die Erdarbeiten und den Teich mit Wasserfall kam eine Gartenbaufirma zum Einsatz. "Wir haben richtig geschuftet, aber es ist genau so geworden, wie wir das wollten."

Denn heute ist der Garten vor allem ein Wohlfühlort, der nicht pflegeintensiv ist. "Wir können den Garten jederzeit eine Weile ,stilllegen‘, denn reisen ist uns wichtiger als garteln", erklärt Walter Scheinkönig. Und jüngst haben die Scheinkönigs ihren Garten auch für die Öffentlichkeit geöffnet. "Bücher, Medien & mehr" veranstaltet hier Lesungen im stimmungsvollen Ambiente.

 

Weitere tolle Gärten:

Der Garten der Familie Geier in Krausenbechhofen.

Der Nutzgarten der Hornungs in Röttenbach.

Der Garten des Eckentaler Landtagsabgeordneten Manfred Bachmayer.

Ein Garten voller Kunstwerke von Familie Lohmaier in Herzogenaurach.

Der besondere Balkon der Herzogenauracherin Claudia Wagner.

Der "Botanische Garten" von Gabriele Ritter und Dieter Hahn in Herzogenaurach.

JEANETTE SEITZ

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