Sonntag, 19. September

Heimatmuseum in Weisendorf zeigt Ausstellung über Wasserversorgung

17.9.2021, 10:06 Uhr
So wird es gemacht: Deichelbohren bei einer Museumskerwa des Heimatvereins Weisendorf.

So wird es gemacht: Deichelbohren bei einer Museumskerwa des Heimatvereins Weisendorf. © Heimatverein Weisendorf, NN

Trinkwasser war schon immer ein hohes Gut, bereits die Sumerer verlegten Wasserleitungen aus konischen Tonrohren, die mit Pech verklebt waren. Eine weitere Hochkultur, die alten Ägypter, gruben vor über 4500 Jahren tiefe Brunnen, um an gutes Grundwasser zu kommen.

Die Meister der Wasserversorgung waren jedoch die alten römischen Wasserbauer. Sie wurden erst in der Neuzeit mit Hilfe neuester Techniken überboten. In Mitteleuropa ging das Wissen nach dem Untergang des Römischen Reiches verloren, jedoch werden die alten Aquädukte in einigen Ländern des Vorderen Orients heute noch gepflegt und genutzt, so unter anderem auch selbst in Großstädten wie Istanbul.

Bleirohre waren begehrtes Diebesgut

Im Mittelalter versorgte man sich durch Flusswasser, Sickerschächte oder wenn möglich aus Quellen. Langsam ging man dazu über, mittels Holzrinnen das Wasser wieder näher an die Siedlungen heranzubringen, weil das Grundwasser im Umfeld der Siedlungen immer mehr verunreinigt war. Am Anfang verwendete man Bleirohre, welche jedoch nur aus kurzen Stücken bestanden und sehr teuer waren. In unruhigen Zeiten waren sie ein sehr begehrtes Diebesgut.

In Weisendorf setzte man sogenannte Teuchel (mancherorts auch Deichel genannt) ein. Dabei handelte es sich um bis zu sechs Meter lange Holzstämme aus Kiefern- oder Tannenholz, die im Saft stehend geschlagen und dann anschließend von zwei Seiten ausgebohrt wurden. In reicheren Gemeinden leistete man sich diese Rohre auch aus Eichen gefertigt. In die Enden schlug man dann aus Blech gebogene und genietete Hülsen ein, die die Verbindung optimal abdichten, wenn das Holz durch das Wasser wieder aufgequollen war.

Zwischenlagerung im Dorfweiher

Da die Herstellung der Leitungen längere Zeit in Anspruch nahm, lagerte man sie bis zum Zusammenbau meist im Dorfweiher zwischen, musste sie jedoch bewachen. Die Bohrer hatten meist einen Durchmesser von etwa sechs bis zehn Zentimeter. Oft kam es vor, dass sich die beiden Bohrungen nicht genau trafen. Man setzte dann kleine Nager in die Bohrung um zu testen ob ein ausreichender Durchgang vorhanden war. War eine installierte Wasserleitung nicht mehr durchgängig, dann versuchte man mittels eingesetzter Aale den Durchfluss wieder zu ermöglichen.

In Weisendorf ist eine solche Wasserleitung vom Teufelsmoor am Karlsweg zum Schloss und von dort zum alten Brunnen auf dem Marktplatz belegt. Sie war in Betrieb, bis das Schloss Mitte des 20. Jahrhunderts mittels Gussrohren an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Weisendorf auch noch zwei weitere Brunnen - einen sogenannten Schwengelbrunnen am alten Gärtnerhaus und einen Ziehbrunnen neben dem alten Pfarrhaus von St. Josef.

Die Ausstellung im Museum des Weisendorfer Heimatvereins am Reuther Weg 16 ist am Sonntag, 19. September 2021, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Gäste können im Außenbereich bewirtet werden, für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Es wird gebeten, die bestehenden Vorschriften bezüglich Corona zu beachten.

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