Pop Up Kunstprojekt

Herzogenaurach: Galoppierende Pferde durchs Schaufenster beobachten

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Jeanette Seitz..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Jeanette Seitz

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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15.1.2022, 12:15 Uhr
Bettina und Walter Scheinkönig beobachten Shaho Penjwen beim Malen.

Bettina und Walter Scheinkönig beobachten Shaho Penjwen beim Malen. © Jeanette Seitz, NN

Lana Karim (45) und Shaho Penjwen (47) sind überglücklich. Hier, in den großzügigen, hellen Räumen der ehemaligen NN-Geschäftsstelle mit den großen Schaufenstern können sie einen Traum wahr werden lassen: richtig großformatige Bilder malen. Doch nicht nur das: Jeder ist eingeladen, einen Blick durch die Schaufenster zu werfen, die ausgestellten Gemälde zu bewundern oder sogar den Künstlern bei der Arbeit zuzusehen.

Das Künstlerehepaar war 2015 mit seinen beiden Kindern aus dem kurdischen Norden des Irak geflüchtet und hatte in Herzogenaurach eine neue Heimat gefunden. Inzwischen ist die Familie voll integriert, auch und vor allem durch die stetige Unterstützung von Walter und Bettina Scheinkönig. Lana und Shaho sind auch schon einige Jahre Mitglieder im Kunst- und Kulturverein. Beide haben im Irak fünf Jahre lang Malerei studiert und können entsprechende Diplome nachweisen. Und ihr kreativer Schaffensdrang machte natürlich auch in Herzogenaurach nicht Halt. 2020 präsentierten sie ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung im KunstRaum.

Durchs Schaufenster der ehemaligen NN-Geschäftsstelle kann man dem Künstlerehepaar bei der Arbeit zuschauen.

Durchs Schaufenster der ehemaligen NN-Geschäftsstelle kann man dem Künstlerehepaar bei der Arbeit zuschauen. © Jeanette Seitz, NN

Dennoch: Die Suche nach einem eigenen Atelier scheiterte bislang. Doch beide wollten sich auch einmal auf großen Leinwänden austoben. Und weil Pop Up-Läden derzeit in aller Munde sind, hielten die Scheinkönigs die Augen offen. So fielen ihnen bald die Räume An der Schütt ins Auge. In Absprache mit den NN und der Vermieterin Ursula Rattmann konnte nun also das "Pop Up Kunstprojekt" ins Leben gerufen werden. Somit erfährt ein momentaner Leerstand in Herzogenaurach eine hochkarätige Aufwertung, und die Künstler können ihre Leidenschaft ausleben. All das auch sehr zur Freude von Judith Jochmann vom Amt für Stadtmarketing und Kultur, die seit jeher für derlei Kooperationen wirbt.

Inbegriff von Freiheit

Nun also Kunst: Nach einem Material-Großeinkauf in Nürnberg haben Lana Karim und Shaho Penjwen zunächst ihre Leinwände selbst gebaut - gelernt ist eben gelernt. Und so entsteht nun auf Shahos drei mal 1,5 Meter großen Leinwand eine Herde galoppierender Wildpferde in Öl. Der 47-Jährige malt am liebsten in der Horizontalen, seine Leinwand ist also aufgebockt und an die Wand gelehnt. Für das realistische Motiv hat er sich entschieden, weil er "etwas Globales, das jeden anspricht", wollte. Das habe er in dem Begriff "Freiheit" gefunden. Denn: "Freiheit brauchen wir immer, das ist am wichtigsten." Die wilden Pferde wiederum stehen als Symbol, sind sie doch für viele ein Inbegriff von Freiheit. Und durch Shahos Kunst erscheinen die Pferde so lebendig, dass man das Funkeln in den Augen sehen und fast das Donnern des Galopps hören kann.

Lana Karim malt am liebsten am Boden.

Lana Karim malt am liebsten am Boden. © Jeanette Seitz, NN

Lana beschäftigt sich mit einer 2,50 mal 1,90 Meter großen Leinwand, die auf dem Boden liegt. Ihre abstrakten Gemälde entstehen bevorzugt in der Vertikalen, weil da auch schon mal großflächig mit Farbe gearbeitet wird. Doch nicht nur das: Lana hat sich der Mischtechnik verschrieben, auch Sand oder Stoff kommen zum Einsatz. Aktuell dominiert die Farbe gelb. Damit will Lana ausdrücken, dass dieses Atelier für sie "wie ein Traum" ist. Gelb verbindet sie mit Sonnenschein, Wärme, Freude, mit einem neuen, zufriedenen Tag, wie sie selbst sagt.

Durch die Schaufenster

Neben den Kunstwerken, an denen Lana und Shaho gerade arbeiten, haben sie in den beiden Räumen noch weitere Werke aufgehängt. Diese sind durch die Schaufenster zu sehen und können auch gekauft werden. Momentan lässt es die Corona-Situation leider nicht zu, dass die Räume öffentlich zugänglich sind. Und so kann man auch die arbeitenden Künstler nur durch die Schaufenster beobachten. Doch das ist spannend genug, wie etwa Shaho mit feinen Pinselstrichen derart realistische Tiere auf die Leinwand zaubert, oder Lana sich auf einer kleinen "Brücke" über ihr Werk bewegt, um auch in der Mitte mit Farbe experimentieren zu können. Überwiegend am Wochenende und/oder abends ist das Künstlerehepaar vor Ort.

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