Fahrgastzahlen vorgestellt

Herzogenaurach: Kommt die Aurachtalbahn wieder?

Hans von Draminski
Hans von Draminski

Erlanger Nachrichten

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18.11.2021, 05:55 Uhr
Der Blick vom alten Bahnhof Frauenaurach in Richtung Erlangen. Die Schienen der Aurachtalbahn liegen noch größtenteils. Ihre Reaktivierung ist dennoch nicht einfach.

Der Blick vom alten Bahnhof Frauenaurach in Richtung Erlangen. Die Schienen der Aurachtalbahn liegen noch größtenteils. Ihre Reaktivierung ist dennoch nicht einfach. © Matthias Kronau, NN

Wie mehrfach berichtet, ist das Planungsbüro "ederlog" aus Erndtebrück (Nordrhein-Westfalen) mit einer Machbarkeitsstudie für die Wiederinbetriebnahme der Aurachtalbahn von Herzogenaurach über Frauenaurach und Bruck bis zum Erlanger Hauptbahnhof betraut.

Kompetente Unterstützung geholt

Federführend kümmert sich Michael Roggenkamp um das Thema, der für die Vorstellung des zu erwartenden Fahrgastaufkommens kompetente Unterstützung mit ins Boot holte: Tilman Gänsler, Dominik Barthel und Annette Mandry vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Versierte Verkehrsplaner, die sich im Vorfeld laut Dominik Barthel die vordergründig simpel wirkende Frage stellten, wer überhaupt mit Aurachtalbahn und StUB fährt.

Umfangreiche Ergebnisse

Die Antwort, sie wurde umfangreich, war in verschiedene Szenarien gegliedert und basiert laut Tilman Gänsler auf einer "langen Reihe von Verkehrsuntersuchungen". Dominik Barthel räumte ein, dass die letzte Untersuchung zur StUB (die in die Berechnungen einbezogen werden musste) von 2015 stammt und die damaligen "L-Netz"-Planungen ohne den mittlerweile auf den (Planungs-)Weg gebrachten Ost-Ast der StUB zum Gegenstand hatte. Siemens-Campus und Herzo Base, beide inzwischen als Verkehrsschwerpunkte ausgemacht, wo es eine große Zahl von Ein- und Auspendlern zu transportieren gilt, waren vor gut sechs Jahren auch noch keine Themen. Die Studie zum StUB-T-Netz wird frühestens 2022 erwartet.

Letzter Personenzug fuhr 1984

Barthel erinnerte daran, dass der letzte Personenzug auf der Aurachtalbahn 1984 fuhr und "die Welt sich weitergedreht" habe. So wurden für die Fahrgastprognose vom VGN-Team Haltepunkte eingefügt, die es vor 37 Jahren noch nicht gab, und außerdem Umsteige-Situationen analysiert, die von einem Neben- und Miteinander von Aurachtalbahn und StUB ausgehen.

1300 Fahrgäste pro Tag

Das vielleicht wichtigste Ergebnis: Das zu erwartende Fahrgastaufkommen würde bei der Aurachtalbahn rund 1300 Mitfahrende pro Tag ergeben, weitere 4650 wären mit der StUB unterwegs. Voraussetzung wären sieben StUB-Fahrten pro Stunde in der Hauptverkehrszeit, vier in den Nebenverkehrsphasen. "Der Löwenanteil der Fahrgäste wäre auf der StUB unterwegs, weil die viel häufiger als die Aurachtalbahn fährt", erklärte Barthel dazu.

Taktung untersucht

Untersucht wurden die Auswirkungen der Taktung für die Aurachtalbahn: Die Gewichtungen verschieben sich, je nachdem, ob der Zug auf der aktuell größtenteils noch vorhandenen Strecke im Stunden- oder im Halbstundenrhythmus fährt. Die StUB bindet deutlich mehr Verkehrsschwerpunkte wie die Innenstädte von Erlangen und Herzogenaurach oder die Herzo Base als boomendes Wohngebiet an, die Aurachtalbahn ist dafür geringfügig schneller zwischen Herzogenaurach und Erlangen unterwegs.

Keine Kannibalisierung

Vielleicht der wichtigste Schluss aus der Studie, die bei den Befürwortern der Aurachtalbahn für vorsichtigen Optimismus sorgen dürfte: StUB und Aurachtalbahn würden sich vermutlich nicht gegenseitig hinsichtlich der Fahrgastzahlen kannibalisieren, sondern eher von Synergieeffekten profitieren, sagen die VGN-Experten voraus.

Keine Förderung für Reaktivierung

Mit dem Öffnen der Sektflaschen sollten Aurachtalbahn-Fans gleichwohl warten. Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker erinnerte daran, dass es für die StUB massive Fördermittel der öffentlichen Hand gibt, während für die Aurachtalbahn-Reaktivierung aktuell kein Cent zu erwarten wäre. Auch Michael Roggenkamp dämpfte überzogene Erwartungen. Um mit der Aurachtalbahn einen konkurrenzfähigen Fahrplantakt zu schaffen, der überdies den Anschluss an die Bahn-Hauptstrecke und damit an den "Bayern-Takt" erlauben würde, müsste nach Roggenkamps Planungen mindestens ein weiterer Kreuzungsbahnhof auf der Trasse entstehen. Was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Naturschützer auf den Plan riefe, weil es im betreffenden Gebiet mehrere schützenswerte Biotope mit seltenen Tier- und Pflanzenarten gibt.

"In die richtige Richtung"

Für Herzogenaurachs CSU-Fraktionsvorsitzenden Walter Drebinger gehen die Ergebnisse der Studie dennoch "in die richtige Richtung". Drebinger bekannte, am liebsten beide Verkehrsmittel haben zu wollen, auch wenn dies mit einer Ausdünnung der Busfahrpläne, insbesondere der Schnellbuslinie 201, einherginge. Grünen-Stadträtin Retta Müller-Schimmel äußerte die Hoffnung, auch die Aurachtalbahn umweltverträglich (wieder) aufs Gleis setzen zu können und artikulierte - nicht zum ersten Mal - die Zweifel der Grünen am Bau der Südumgehung, deren Sinnhaftigkeit sich angesichts des Paradigmenwandels in der Verkehrspolitik zunehmend weniger erschließe.

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