Trotz EM-Aus

Mann hinter der Mannschaft: Adidas-Marketing-Manager Christian Staatz

30.6.2021, 10:07 Uhr
Christian Staatz, hier mit Mannschaftskapitän Manuel Neuer.

Christian Staatz, hier mit Mannschaftskapitän Manuel Neuer. © DFB/PHILIPPREINHARD.COM, NN

Tür an Tür mit den Stars der deutschen Nationalmannschaft wohnen, sie zu allen Spielen der Europameisterschaft begleiten und rund um die Uhr als Ansprechpartner für die Profis da sein: Ein Traumjob für so manchen Fußballfan. Christian Staatz lebt ihn seit knapp zehn Jahren.

Der gebürtige Oberfranke ist Senior Sports Marketing Manager bei Adidas und damit verantwortlich für die Partnerschaft mit dem Deutschen Fußballbund (DFB): "Alles, was wir von Adidas aus mit dem Partner DFB zu tun haben, liegt bei uns im Team. Dazu gehören Marketingaktivitäten, Gespräche mit dem Verband und die Betreuung aller Teams."

Als Adidas-Abgesandter gehört Staatz zum engen Kreis der Nationalmannschaft. Der umfasst etwa zwischen 20 und 30 Personen – zusammengesetzt aus Ärzten, Physios und Experten fürs Organisatorische. Für Staatz nach wie vor ein besonderer Beruf: "Es ist für jeden Fußballer ein Traumjob, ein Teil der Nationalmannschaft zu sein. Für mich ist nach wie vor das Besondere, Teil des Teams zu sein, so nah am Sport und meiner Passion Fußball zu sein und natürlich hautnah Dinge mitzuerleben, die bei einem Turnier passieren"

Mittendrin statt nur dabei

"Hautnah" trifft es gut, denn Staatz ist mittendrin: Er bewohnte gemeinsam mit den Spielern den Home Ground in Herzogenaurach, reiste mit ihnen zu den Spielen und teilte im Großen und Ganzen den Tagesablauf der Spieler. Die Phasen während eines Turniers seien außergewöhnlich, die Arbeitstage lang und er als Adidas-Ansprechpartner rund um die Uhr in Bereitschaft: "Kein Tag ist wie der andere. Wir haben feste Essens- Trainings- und Reisezeiten, und da versucht man, alles drumherum zu planen."

Der gebürtige Oberfranke ist Senior Sports Marketing Manager bei Adidas

Der gebürtige Oberfranke ist Senior Sports Marketing Manager bei Adidas © privat

Dennoch: Die hektischste Phase ist für Staatz nicht die Zeit während einer EM oder WM, sondern die zuvor: "Durch die Verschiebung der Euro und dem Projekt Home Ground waren das zwei sehr intensive Jahre. Unsere Vorbereitungszeit beginnt ungefähr zwei Jahre vor dem Turnier mit der Kreation der neuen Trikots. Es folgen Produktbestellungen, Planungen, Abstimmungen."

Staatz muss an die WM 2014 in Brasilien denken: "Da war es so, dass wir irgendwo im Nirgendwo untergebracht waren. Wir mussten alles vorher schon im Vorfeld dort hinbringen und entsprechend vorbereitet sein. Ich weiß noch, dass ich damals dort im Ort ein Lager angemietet hatte, mit Not-Produkten, Trikots, Schuhen und so weiter um vorbereitet zu sein, falls was abhanden kommt. Ansonsten hätten wir das auch zeitlich nicht hinbekommen."

Ein Tischtennis-Match gegen die Profis

Staatz verbringt mehrere Wochen ganz nah dran an der Mannschaft, in diesem Jahr und aufgrund der strengen Hygienevorschriften, ist der Kontakt noch einmal enger: Denn raus aus dem Home Ground-Gelände durften die Nationalspieler nicht. Um Coronainfektionen so gut wie möglich ausschließen zu können, wurden alle täglich getestet und mussten auf dem Areal bleiben.

Um Lagerkollern vorzubeugen, hatten Spieler und Team aber zahlreiche Freizeit-Möglichkeiten auf dem Adidas-Gelände . Wer Goretzka, Müller, Neuer und Co. auf ihren Social-Media-Kanälen verfolgte, sah sie dort zum Beispiel gegeneinander Tischtennis spielen. Und da kam es durchaus vor, dass Christian Staatz zu einem Match herausgefordert hat. "Besonders hoch im Kurs stand vor allem Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash."

Einmal gegen einen Nationalspieler spielen?

Und wie sieht es in Sachen Fußball aus? "Das versuchen wir eher zu vermeiden", lacht Staatz. "Ich war früher zwar Abwehrspieler, aber ich will natürlich nicht, dass sich ein Spieler verletzt und wir damit dann Schlagzeilen machen. Im Camp wurde zwar schon auch Fußball gespielt, aber weniger mit den Spielern selbst."

Neben gemeinsamen Freizeitaktivitäten blieb auch Zeit für Unterhaltungen: Natürlich, sagt der 41-Jährige, komme man, wenn man über mehrere Wochen zusammen sei, auch untereinander mehr ins Gespräch. "Mit manchen Spielern habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Aber das wechselt sich auch immer ab und ich empfinde das als ganz normal." Welche Spieler das sind, will Staatz lieber für sich behalten, verrät aber, dass man sich natürlich immer mal wieder und je nach Situation auch über Privates unterhält.

Kein Knebel nötig

Wenn man so nah dran ist an den Spielern der deutschen Nationalelf, kriegt man natürlich auch Dinge mit, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die behält Staatz für sich, "das gehört einfach dazu". Bei Familie und Freunden klammert er das Thema ganz aus: "Auch wenn sie das nicht immer so gerne haben, erzähle ich da genauso wenig über intime Dinge – so ist es am einfachsten. Die meisten wissen das mittlerweile auch und sprechen mich darauf gar nicht mehr an."

Dieser Artikel wurde am 30. Juni um 12.10 Uhr aktualisiert.

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