Auftakt der Faschingssaison

Mit dem Bolzenschneider erobert der KCH das Herzogenauracher Rathaus

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Jeanette Seitz..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Jeanette Seitz

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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13.11.2021, 05:15 Uhr
Zwar ist der Schlüssel mit einer Kette an einem Betonpfosten gut gesichert, doch als Lea Walzer den Bolzenschneider ansetzt, ist die Kette schnell gesprengt.

Zwar ist der Schlüssel mit einer Kette an einem Betonpfosten gut gesichert, doch als Lea Walzer den Bolzenschneider ansetzt, ist die Kette schnell gesprengt. © Jeanette Seitz, NN

Freilich, ganz außer acht lassen konnten die Verantwortlichen das Thema Corona angesichts steigender Inzidenzen nicht. Und so war die Zahl der Teilnehmer beschränkt, die Kontaktdaten wurden erfasst und FFP2-Masken, die nur zeitweise abgenommen wurden, waren überall zu sehen. Doch der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, nachdem es im vergangenen Jahr nur ein "Stürmchen" hatte sein dürfen.

Kurzes Gerangel

Pünktlich um 18.11 Uhr rüttelten einige Mitglieder des Karnevalsclubs Herzogenaurach (KCH) um Vorstand Stefan Eddy Herbig sowie etliche Gardemädchen - von klein bis groß - an der Rathaustür. Doch Bürgermeister German Hacker und seine Mitarbeiterinnen waren gewappnet. Mit rot-weißem Flatterband hatten sie die Glastür von innen versperrt und stemmten sich tapfer gegen den Ansturm. Doch ohne Erfolg: Nach kurzem Gerangel gelang es den Narren, das Interims-Rathaus zu stürmen und in den Sitzungssaal vorzudringen.

Dort kündigte Präsident Michael Tiefel an, man brauche für die anstehende Session unbedingt den Schlüssel zum Tresor der Stadt Herzogenaurach. "Ab heute regieren wir!" Ein paar ernste Wort fand Tiefel jedoch auch. Freilich wolle der KCH nicht dazu beitragen, zum Corona-Hotspot zu werden. Aber man wünsche sich Fasching mit Prunksitzungen - "bereit wären wir". Er betonte auch, der KCH habe nicht den Mut verloren zu lachen und nach vorne zu blicken. "Humor kann helfen, die Pandemie mit zu unterdrücken", so Tiefel.

Tresor ist prall gefüllt

Dem stimmte Bürgermeister Hacker zu. "Alle brennen darauf, dass es wieder los geht." Dennoch: Der Tresor sei prall gefüllt, deshalb könne man den Schlüssel heuer leider nicht herausgeben. "Es ist praktisch ausgeschlossen, dass der KCH den Schlüssel übernimmt", scherzte Hacker mit Blick auf eine der massiven Betonsäulen im Sitzungssaal.

Tapfer halten Bürgermeister German Hacker und seine Mitarbeiterinnen dagegen, können aber nicht verhindern, dass die Narren des KCH das Rathaus stürmen.

Tapfer halten Bürgermeister German Hacker und seine Mitarbeiterinnen dagegen, können aber nicht verhindern, dass die Narren des KCH das Rathaus stürmen. © Jeanette Seitz, NN

Um diese Säule war eine Kette geschlungen, an der der Schlüssel hing. Keine Chance, die Kette von Hand zu öffnen. Ratlos gruppierten sich die Narren um die Säule, als ein freudiges Aufjuchzen erklang. Die 18-jährige Lea Walzer hatte einen der beiden versteckten Bolzenschneider gefunden.

Unter Anfeuerungsrufen setzte die junge Frau ihre ganze Kraft ein und sprengte schließlich die Kette. Triumphierend hielten Herbig und Tiefel den Schlüssel in die Höhe, bevor sich alle an Sekt, Orangensaft und Brezen labten. Erst am Aschermittwoch bekommt German Hacker seinen Tresorschlüssel wieder zurück.