Donnerstag, 12.12.2019

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Mittelalterfest: Hingucker und Imagebringer

Erster Ferientag für Besucher aus nah und fern fest gebucht: Historisches Spektakel in Herzogenaurach - 02.08.2010

Die Stadtwache Virtus aus Herzogenaurach, kenntlich in den Stadtfarben Gelb und Schwarz, war die Garde des „Schultheiß“ German Hacker (r. Mitte), spielte Lagerleben und passte auch mit Feuerlöscher unterm Arm auf, dass keine Kippe den Strohboden im Stadtkern entzündete. Beim Eröffnungszug (rechts) zeigten sich Bürgermeister und Stadträte einmal von anderer Seite. © Mark Johnston


Finanziell getragen von Stadt und Werbegemeinschaft, wurde auch heuer die schon bewährte Agentur Sündenfrei des Thorgauer Impressarios Henry Bibow beauftragt. Er engagiert die Budenbetreiber — nicht nur – mittelalterlicher Produkte und Vorführungen, stellt das Showprogramm auf zwei Bühnen – Marktplatz und Türmersturm – zusammen. Und ist auch „mitverantwortlich für das Sicherheitskonzept“, wie er sagt: „Nach Duisburg Thema bei jeder Menschenansammlung“.

Geschichten für die Kleinen: An der Bühne am Türmersturm war Treffpunkt junger Mittelalter-Fans. © Johnston


Strahlend und huldvoll grüßend zogen sie dann durch Hauptstraße und heuer auch den Steinweg: Bürgermeister German Hacker in rot-schwarzem Samtgewand, Stadträte, Spielleute und Ritter hinterdrein.

Draußen übernachten in Zelten im Schlossgraben: Die Zwölf, die Historisches diverser Epochen zum Leben erwecken wollen. „Mutig, stark, groß und klug — das ist er nicht“, forderte von Ortenburg den von Löwenstein (rechtes Bild l.) heraus beim Ritter-Schaukampf der Krankenkassen-Mitarbeiter. © Mark Johnston


Die Händlerschaft, aber auch viele „Freiwillige“ hatten ebenso angemessene Kleidung angelegt – seien es die Damen der Goldschmiede, von Welker Schlafkultur, von der Beyschlag‘schen Apotheke oder vom Reformhaus Dorweiler. „Das ist das Schöne in Herzogenaurach, dass die Gewerbetreibenden und die Bevölkerung mitmachen“, beobachten die „Profis“ von Sündenfrei seit 2002.


Das bunte Bild wurde vervollständigt von Gruppen wie der Herzogenauracher Stadtwache „Virtus“ in Schwarz-Gelb, die neben Ritterspielen und inszenierten Kneipenschlägereien auch Sicherheitsaufgaben übernahm, den Feuerlöscher griffbereit.


Oder „Rotten“ wie dem „Fränkisch Gsind“ oder den teils martialisch mit Bocksmaske auftretenden „Zwölf“ im Schlossgraben, die sich selbst anboten und einfach Lagerleben darstellen — mit Übernachtung im Zelt. Ferner natürlich durch die unterhaltsam auftretenden Gaukler Marc en Ciel, Fleapit und Alan Blim, die Märchenerzähler, die Musikgruppen „La Marotte“ und „The Sandsacks“.

Unter „Jubel, Jubel“ und reger Teilnahme begrüßte „Schultheiß Hacker“ bei „bestem Wetter seit langem“ das Volk und pries auch den Herzogenauracher Pflasterstein an (der am Ende des Tages ausverkauft war).

Schmied Thorsten Prang aus Zeuthen nahe Berlin zeigte sein Können, trotz Hitze stilecht angezogen und guter Dinge. Beim Korbflechter konnte man sich seine Frisbee-Scheibe selber fertigen. Ritterlich gewandet, von der Unterwäsche bis zum Brustpanzer oder Kettenhemd, lieferten sich „Mus Rusticus“ aus Stuttgart alias Ritter von Löwenstein versus Ritter von Ritter von Ortenburg einen spektakulären Schaukampf, der auch die verbalen Unterstützer in zwei Lager teilte.

25 Kilo tragen die Freizeit-Kämpfer mit „einer Sammlung von Hieb- und Stichwaffen wie sie Söldner hatten“, berichtet das Duo. Im Zivilberuf arbeiten sie bei einer Krankenkasse.

„Das fränkische Fußvolk aus der kaiserlosen Zeit, da war vieles möglich“, stellte sich der Anführer einer Gruppe aus Nürnberg vor, mit Fahne, Standarte, Spieß und Helm — schwarzrot das Gewand: Ein weiterer Hingucker, vor allem für internationale Touristen, die das ganze Mittelalter-Spektakel „faszinierend“ finden.

Bühnenvorführungen, Straßenmusik, Kontakte und Kulinarisches oder einfach nur ein schönes Glas Wein an einem Sommerabend mit Feuerschluckern (siehe S. 2) ließen am Samstag Abend ungewöhnlich viele Besucher lange im Stadtzentrum verweilen.

Dies beobachtete auch Michael Dassler, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, für den das Fest zu geschätzten Gesamtkosten von 30000 Euro als Imagewerbung, das vor allem auch viele Auswärtige in die Stadt bringt, nicht mehr wegzudenken ist.

Nur zähflüssig ließ es sich entsprechend am verkaufsoffenen Sonntag durch die Hauptstraße promenieren. Familien mit Kindern fanden allerlei Unterhaltsames: Steinschlagen, Schaukeln, Schminken. Oder man ließ sich erklären, wie Bier gebraut wird. Das war dann was für Papa.

Bilderschau unter nn-herzogenaurach.de

VON EDITH KERN-MIEREISZ

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