Start-up mit Schneidernetzwerk

Nachhaltige Mode aus Herzogenaurach mit "Nachtfalter"

12.9.2021, 06:06 Uhr
Maßschneiderinnen und -schneider fertigen die Kollektion von

Maßschneiderinnen und -schneider fertigen die Kollektion von "Nachtfalter" an. Hier ein Dreh für ein Werbevideo. © Vincent Grundke , NN

Farbig geht es bei "Nachtfalter" freilich nicht zu. Schwarz ist die dominierende Farbe. Das dürfte der Zielgruppe aber entgegenkommen. Es handelt sich um junge Mode, die in der Techno/Rave-Szene angesiedelt ist - jedoch neu interpretiert, in kleinen Stückzahlen und aus besonderen Materialien. Besonders ist auch das Logo. Denn die jungen Modemacher schreiben ihren Markennamen "Nachtfalter" in Großbuchstaben und ohne Vokale, also NCHTFLTR - "das hat Wiedererkennungswert", finden sie.

Im Juli 2020 haben sich Felix Flechtner (23) aus Herzogenaurach, Sebastian Oertel (19) aus Heßdorf und Florian Lickteig (25) aus Fürth zusammengetan und eine GbR gegründet. Denn bei einer vorausgegangenen Zusammenarbeit bei einem Masken-Projekt zu Beginn der Corona-Pandemie "haben wir festgestellt, dass wir gut harmonieren", erzählt Felix Flechtner.

Perfekte Kombination

Der Herzogenauracher ist selbstständiger Maßschneider, Lickteig arbeitet bei einem großen Sportartikelunternehmen als Merchandising Manager, Oertel studiert Fashion Management. Eine perfekte Kombination von drei Fachgebieten also: Während sich Florian Lickteig um Marketing und Finanzen sowie den Online-Auftritt kümmert, sorgt Sebastian Oertel für die Auswahl der Stoffe und Materialien, für das Design und die Entwürfe. Felix Flechter entwickelt dann die Kleidungsstücke, fertigt Schnitte und Prototypen an und koordiniert die Produktion.

"Nachtfalter", das sind (von links): Felix Flechtner, Sebastian Oertel, Nicolas Greiner, Florian Lickteig und Theresa Scarabello (nicht im Bild). © Nachtfalter, NN

Zusätzliche Mitarbeiter sind Theresa Scarabello aus Berlin als PR-Managerin, die hauptsächlich den Instagram-Account betreut, und Nicolas Greiner aus Herzogenaurach als "Mädchen für alles", wie es Flechtner schmunzelnd formuliert.

Eine erste Kollektion hat "Nachtfalter" im Frühjahr/Sommer dieses Jahres herausgebracht - sechs Teile in verschiedenen Größen und kleinen Stückzahlen. "Wir machen nie mehr als zehn bis 20 Teile pro Stück." So gab es ein T-Shirt, einen Blouson und eine Hose für Männer sowie ein Cropped Top, einen Rock und eine Hose für Frauen.

Hip, modern und innovativ

Dabei legen die jungen Modemacher Wert auf Nachhaltigkeit. "Wir kaufen ressourcenschonend ein, soweit wie möglich zertifizierte Stoffe", sagt Flechtner. Auch innovative Materialien wie zum Beispiel Kaktusleder kommen zum Einsatz. Ganz auf Kunstfaser könne man oft nicht verzichten, meint Flechtner, "aber in Maßen und in kleinen Chargen halten wir das für vertretbar". Dennoch: "Wir wollen bewusst machen, dass nachhaltige Mode auch hip und modern und innovativ sein kann."

Model Lena Kabey trägt ein NCHTFLTR T-Shirt.

Model Lena Kabey trägt ein NCHTFLTR T-Shirt. © Vincent Grundke, NN

Und was die Produktion angeht, da setzt "Nachtfalter" auf ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: ein Maßschneidernetzwerk. Im Moment handelt es sich um zehn Kollegen von Felix Flechtner aus ganz Deutschland, "aber das Netzwerk soll noch wachsen". Und wie funktioniert das? Felix Flechtner packt die zugeschnittenen Teile, alle benötigten Materialien und Kurzwaren, einen Arbeitsablaufplan sowie ein Musterteil in ein Paket.

Schneider X fertigt daraus beispielsweise einen Blouson in zehnfacher Ausführung und schickt die fertigen Teile zurück - auf dem Etikett erscheint dann auch der Name von Schneider X. "Die Arbeit darf nicht Stunden dauern. Wir entlohnen unsere Schneiderinnen und Schneider fair, aber die Teile sollen auch im Verkauf noch bezahlbar sein, gerade für die jüngere Zielgruppe", erklärt Flechtner. Die Teile aus der aktuellen Kollektion kosten zwischen 80 und 250 Euro.

Serielle Produktion in kleinem Rahmen

Vorteil für die Kunden: Sie bekommen maßgeschneiderte Klamotten in hochwertiger Qualität und 100 Prozent "made in Germany", die nicht jeder hat. Vorteil für die Schneider: Sie sind nicht an Stammkunden und individuelle Anfertigungen gebunden, sondern können eine serielle Produktion in kleinem Rahmen anfertigen. "Wir wollen zum einen den Beruf des Maßschneiders revolutionieren und zeigen, dass maßgeschneiderte Mode nicht überteuert sein muss, und zum anderen auch die Textilproduktion ins eigene Land zurückholen", betonen die Modemacher.

Crowdfunding läuft

Um ihr Maßschneidernetzwerk auszubauen und eine Winterkollektion auf die Beine stellen zu können, haben Flechtner, Lickteig und Oertel ein Crowdfunding ins Leben gerufen. 5000 Euro ist ihr Ziel. Wer sich mit einem finanziellen Beitrag beteiligen möchte, kann dies noch bis 19. September unter www.startnext.com/en/nchtfltr tun. Wenn alles klappt, könnte die Kollektion Anfang November in den Verkauf kommen, da sie bereits produktionsreif ist.

Konsequent führen die drei jungen Männer übrigens den Nachhaltigkeitsgedanken noch weiter: "Am Ende eines Jahres bringen wir eine Zero-Waste-Kollektion heraus, bei der wir alle Abfälle verarbeiten. Da entstehen absolute Unikate", sagt Felix Flechtner. Schnell sein lohnt sich hier. "Nachtfalter"-Mode ist auf der Homepage unter www.nchtfltr.com zu haben sowie auch im Syld Store, einem Ladengeschäft in Berlin.

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