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Sonntag, 16.05.2021

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Neue Fachschule für Wirtschaftsinformatik in Herzogenaurach

Martin Wirsching: "Genau zum richtigen Zeitpunkt" - 16.04.2021 04:13 Uhr

Dirk Ziegler, Kristin Büttner und Stefan Zenger sind Studierende der Herzogenauracher Fachschulen für Maschinenbau und Mechatronik-Technik. Hier beschäftigen sie sich mit einem Industrie-4.0-Modul für Hochregallager. Die neue Fachschule für Wirtschaftsinformatik findet ab September beste Bedingungen vor.

15.04.2021 © Foto: Matthias Kronau


Gestartet wird mit 30 Schülerinnen und Schülern, noch sind Plätze frei. Auf dem Infoprospekt der neuen Schule, die im Staatlichen Berufsschulzentrum (SBS) integriert ist, heißt es: "Wagen Sie den nächsten Karriereschritt".

Schulleiter Martin Wirsching.

15.04.2021 © Foto: Matthias Kronau


Herr Wirsching, wie viel Wagnis oder Risiko ist es, seine Berufslaufbahn zu unterbrechen und zwei Jahre wieder die Schulbank zu drücken?

Ich persönlich habe mir angewöhnt, nicht nach Risiken, sondern nach Chancen und Möglichkeiten zu suchen und zu entscheiden. Die Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt auf IT-Kompetenzen startet in Herzogenaurach genau zum richtigen Zeitpunkt. Es ist jetzt, in Corona-Zeiten, der Punkt erreicht, wo wir alle begreifen, dass die digitalen und IT-Kompetenzen nicht nur den Technikern und Naturwissenschaftlern vorbehalten sind und sehr große Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung bietet.

Wie meinen Sie das?

Das heißt, dass die Fachschule gerade auch für Frauen und Männer aus dem kaufmännischen Bereich interessant sein könnten. Kaufmännische Berufe hatten bislang keinen Zugang zu solchen Fachschulen. IT ist mittlerweile in allen Betriebsprozessen enthalten. In technischen Prozessen genauso wie in kaufmännischen, wie zum Beispiel in der Logistik. Unsere Fachschule setzt es sich zur Aufgabe, eine gute technische oder kaufmännische Erstausbildung mit einer hochwertigen IT-Kompetenz auf Bachelorniveau zu ergänzen. Wer die Fachschule erfolgreich besteht, ist ein attraktiver Absolvent auf dem Arbeitsmarkt.

Woher nehmen Sie die Gewissheit?

Wir sprechen viel mit Unternehmen, und von dort hören wir, dass genau solche Leute gebraucht werden. Mitarbeiter mit einer beruflichen Basis durch die Erstausbildung gepaart mit der Kompetenz eines Informatikers. Große und mittelständische Betriebe haben derzeit in aller Regel Mitarbeiter aus der Fachsparte und der IT-Sparte, die jeweils nur eines können. Es gibt derzeit einen großen Bedarf an Mitarbeitern, die die gesamten betrieblichen Prozesse verstehen und gestalten können. Um diese vernetzten Kompetenzen in der Fachschule zu fördern, legen wir großen Wert auf betriebliche Projektaufgaben.

IT ist ein weites Feld. Was sind die zentralen Themen in der Fachschule?

Es geht unter anderem um das Entwickeln und Vernetzen von Steuerungs-Systemen, um Datenbankmanagement und Programmierung, unter anderem auch von Künstlichen Intelligenzen.

Künstlichen Intelligenzen? Was darf man sich darunter vorstellen?

Künstliche Intelligenz übernimmt komplexe Aufgaben, die normalerweise von Menschen gelöst werden. Unsere Studierenden lernen zum Beispiel, eine KI zu programmieren, die automatisch per Kamera Fehlerteile erkennt. Eine KI kann auch dazu verwendet werden, kaufmännische Belege zu überprüfen und zu sortieren. Die Möglichkeiten, eine KI einzusetzen sind äußerst vielseitig. Diese Lehrangebot ist bayernweit sicher einzigartig.

Sitzen die Schüler zwei Jahre nur in Klassenzimmern? Immerhin dauert die Ausbildung zwei Jahre mit im Durchschnitt 37 Wochenstunden.

Keineswegs. Wir planen enge Kooperationen mit namhaften Betrieben. Die Proleit GmbH, die Teil von Schneider Electric ist, ist bereits mit dabei. Die Projektarbeiten, die die Schülerinnen und Schüler erledigen, werden möglichst mit und in diesen Firmen geleistet. Das garantiert Praxisnähe und ebnet möglicherweise schon den Weg zu einem künftigen Arbeitgeber, sofern man nicht zurück in das frühere Unternehmen möchte. Und ganz nebenbei: Durch die Belegung von Zusatzfächern kann man bei uns sogar die Fachhochschulreife erwerben.

Was passiert, wenn im September wegen Corona die Schulen immer noch nicht komplett in Präsenz unterrichten dürfen?

Unabhängig von Corona bekommt jeder Schüler für die Zeit der Ausbildung ein iPad. Denn egal, ob wir in der Schule sind oder online sein müssen, es wird auf alle Fälle ein digitaler Unterricht sein. Wir haben in unseren beiden bereits etablierten Fachschulen in Herzogenaurach sehr gute und tragfähige Konzepte für digitales Lernen umgesetzt. Für eventuelle weitere Lockdowns sind wir also gut gerüstet, auch wenn wir natürlich auf etwas ganz anderes hoffen.

Am kommenden Mittwoch, 21. April, um 15.30 Uhr findet eine Online-Auftaktveranstaltung der neuen Fachschule statt. Über www.sbs-herzogenaurach.de kann jeder Interessierte online live dabei sein und sich zusätzlich informieren.

Bilderstrecke zum Thema

300 Meter rund um den Georgsbrunnen in Herzogenaurach

Bei unserer Fotoserie "Radius 300" befindet sich unser fotografischen Zirkelstich heute genau im Georgsbrunnen am Herzogenauracher Marktplatz. Wir befinden uns mitten in der historischen Innenstadt.


INTERVIEW: MATTHIAS KRONAU

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