Rathaus: Endlich geht's nach oben

3.8.2020, 16:12 Uhr
Hinab in die Tiefe: Bei einem Baustellenrundgang konnten sich Bürger einen Eindruck vom Fortgang der Arbeiten verschaffen.

Hinab in die Tiefe: Bei einem Baustellenrundgang konnten sich Bürger einen Eindruck vom Fortgang der Arbeiten verschaffen. © Foto: Filiz Mailhammer

In zwei Wochen soll nun endlich der Rohbau des neuen Rathausgebäudes in Herzogenaurach beginnen. Dies verkündete Bürgermeister German Hacker einigen neugierigen Herzogenaurachern, die sich für eine der drei angebotenen Baustellenführungen ab dem Hubmann-Parkplatz angemeldet hatte.

Der Rohbau verzögerte sich um einige Wochen, da es zu Komplikationen bei der Sicherung der Baugrube gekommen war. Zwar habe es zu keiner Zeit eine Gefährdung für Personen und die Umgebung, in der sich auch direkt das historische Schlossgebäude und Häuser befinden, gegeben.

267 Betonpfähle

Insgesamt bilden 267 teilweise bewehrte Betonpfähle eine schützende Wand um die Baugrube, so Bauamtsleiterin Silke Stadter. Dieser Schritt sei aufgrund des hohen Grundwasserstands auf der Baustelle und wegen beengter Platzverhältnisse notwendig. Die Baugrube mit einer Bohrpfahlwand abzusichern sei das erschütterungsärmste Verfahren für derartige Arbeiten. Lasten aus dem angrenzenden Schlossgebäude und an Nachbarbebauungen könnten so abgefangen und Schäden vermieden werden.

Doch nach dem ersten Aushub von drei Metern wurden Abweichungen bei den mit Litzenankern nach hinten verankerten Bohrpfählen gemessen. Einige der Anker konnten die erforderlichen Kräfte nicht vollständig aufnehmen. Mit Zusatzmaßnahmen wurde dafür gesorgt, dass diese nun ihre statische Funktion erfüllen. Inzwischen ist die Baugrube bei einer Endtiefe von 6,7 Metern unter Gelände angelangt.

Grundwasser im Blick

Damit sie nicht unter Wasser steht, wird es über zwölf Brunnen kontinuierlich abgepumpt. Die Crux sei hier, den Grundwasserstand während des Pumpvorgangs auf dem Normalstand zu halten, da es sonst zu Rissen in den umliegenden Gebäuden kommen kann. "Dazu kommt es nicht, da erst gepumpt wird, wenn es notwendig ist. Die Pumpen werden abgestellt, wenn der Keller fertiggestellt ist", sagte Hacker, der bald wieder öffentliche Führungen anbieten möchte.

Das historische Schlossgebäude konnte die Gruppe aus Sicherheitsgründen nicht besichtigen. 8,8 Millionen Euro sind für die Generalsanierung des Schlossgebäudes derzeit eingeplant. Hier sei das Holz teils von Insekten befallen gewesen.

Der Bürgermeister, der alle drei Führungen bei 35 Grad Hitze persönlich übernahm, betonte: "Geplant haben wir das neue Rathausgebäude aus der Perspektive der nächsten fünfzig Jahre. Wir haben jetzt mehr Fläche für das Archiv und die Verwaltung. Der Schlosshof wird vergrößert und es sollen dort wieder Veranstaltungen stattfinden. Allerdings werden wir ihn mit Pfosten sperren, so dass man nicht mehr einfach reinfahren kann, um mal schnell einen gelben Sack zu besorgen." Außer beim neuen Sitzungssaal werde das Rathausgebäude an keiner Stelle höher sein als die Dachrinne des Schlosses. Der grüne Schlossgartengraben samt Spielplatz werde erhalten.

"Wir werden der in den kommenden Jahrzehnten ansteigenden Klimaerwärmung mit einem grünen Flachdach und einer nicht sichtbaren Photovoltaik entgegensteuern. Jeder Baum, der irgendwie erhalten bleiben kann, bleibt", sagte Hacker.

Die nordwestliche Ecke des Ostflügel des Schlosses ist zurzeit abgedeckt. Sie diente seit 1967 als Übergang zwischen Schloss und altem Rathaus. Freistehend renoviert könne man ihn bald wieder mit seinen ursprünglichen Fenstern bewundern.

Bereits fürs Altstadtfest 2023?

Von den auf 900 000 Euro angesetzten Archäologiekosten habe man nur ein Drittel gebraucht. "Ich erwarte hier auch keine größeren Überraschungen mehr. Verzögerungsmöglichkeiten gibt es sicher viele, aber ich hoffe, dass wir uns zum Altstadtfest 2023 hier treffen können", sagte Hacker, der die Kostenmehrung von 2 bis 3 Prozent bei einem Gesamtvolumen von 39 Millionen Euro nicht kleinreden wollte. Aber: "Das ist prozentual völlig überschaubar und 48 Prozent der Auftragssumme sind bereits vergeben." Ein gefürchteter Überraschungseffekt wären insolvent gehende Auftragsfirmen. "So etwas kann man nicht vorhersehen. Da müssen wir die Leistungen erneut ausschreiben und das verzögert dann auch angekoppelte Leistungen", so Stadter. Inzwischen sind die Fundamente für die Kranaufstellflächen errichtet. "Wenn alles gut geht, hoffen wir Ende 2022 fertig zu werden", so Stadter.

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